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Karrierepfade, Teil 3 : Interview | Wie wird man Geschäftsführer von Porsche Consulting, Herr Weiblen?

Eberhard Weiblen ist seit 1998 Geschäftsführer bei Porsche Consulting. Bild: Porsche Consulting

Als die wichtigsten Ratgeber in seiner Karriere im Consulting bezeichnet Eberhard Weiblen im Rückblick seine Eltern – und die Werte, die sie ihm in der schwäbischen Heimat mitgegeben haben.

          Die heißen Sommertage hat Eberhard Weiblen nicht vergessen. Der Mann, der seit 17 Jahren die Geschäfte der Firma Porsche Consulting führt, erinnert sich noch genau an jene Zeit, als seine Freunde in den Ferien ins Freibad gingen. Der Grund: Er selbst konnte nicht mitgehen. Stattdessen musste er ins 10 Kilometer entfernte Reutlingen fahren, um auf dem dortigen Wochenmarkt Kirschen zu verkaufen. „Meine Familie hatte Weinberge und Streuobstwiesen. Da wurde es erwartet, dass ich mithelfe.“ Und so stand der damalige Schüler vor einem Dilemma: Es galt, die Kirschen so schnell wie möglich zu verkaufen, um doch noch ins Freibad gehen zu können – aber dennoch einen ansehnlichen Preis damit zu erzielen. „Das war mein erstes kleines Mini-Praktikum.“

          Wer sich mit Eberhard Weiblen über seinen Karriereweg unterhält, der gelangt gedanklich immer wieder in die Welt der schwäbischen Kleinstadt in den späten Sechziger- und frühen Siebzigerjahren. Denn die Erfahrungen und Werte, die Weiblen damals sammelte und kennenlernte, haben ihn – darauf legt er großen Wert – bis heute geprägt. „Ich bin ein Kind vom Land“, sagt er. Die Hemdsärmeligkeit und das Unternehmertum von mittelständischen Firmen in der Region, aber auch die Macher-Qualitäten von Entrepreneuren wie Karl und Gebhard Reusch, den Vätern des gleichnamigen Sportartikelherstellers, oder den Holy-Brüdern, die die Firma Boss zur Weltmarke gemacht haben, haben ihn fasziniert. Doch bei allem Respekt vor deren unternehmerischer Leistung liefert Weiblen auf die Frage, welche die wichtigsten Persönlichkeiten seiner Karriere waren, eine unerwartete und dennoch logische Antwort: „Meine Eltern“.

          Eberhard Weiblen: „Von jedem Weggefährten etwas abgeschaut…“

          Eberhard Weiblen sitzt in einem Konferenzraum des Porsche-Gebäudes in Bietigheim-Bissingen und nippt an einem Wasserglas. Durch die Fensterfront fällt der Blick auf den Firmenparkplatz, auf dem sich ein Porsche an den nächsten reiht. „Dass ich nun Geschäftsführer bei Porsche Consulting bin, das war gar nicht so geplant“, sagt er, „Karriere kann man sowieso nicht planen.“ Schließlich könne man nur enttäuscht werden. Man müsse offen und vorbereitet sein, Gelegenheiten beim Schopfe zu ergreifen, rät er jungen Absolventen. Und dann nicht sofort wieder auf das nächste Ziel schielen – „sondern versuchen, seine Sache erst mal so gut wie möglich zu erledigen“. Dann werde das schon irgendwann jemandem auffallen. Weiblens Lebenslauf steht exemplarisch für diese Philosophie. „Ich war sehr lange selbst ein Suchender“, betont er. Doch man müsse sich eben ausprobieren, um das Richtige zu finden.

          Wenn Weiblen seinen beruflichen Lebensweg nachzeichnet, so erkennt man neben der Sozialisierung in seiner Jugend zwei wesentliche Elemente. Erstens: Weiblen hat sich von den zahlreichen Persönlichkeiten, die er im Laufe seiner Karriere getroffen hat, etwas abgeschaut. Und tut das nach wie vor. „Man darf nie aufhören zu lernen“ – noch heute sucht er regelmäßig das Gespräch mit anderen Professionen: Bergsteigern, Orchesterleitern, Ärzten, Trainern von Profisportlern oder Piloten. Zweitens: Er hat im richtigen Moment die richtigen Entscheidungen getroffen.

          Zum Beispiel vor Beginn seines Studiums. Nach dem Abitur und einem 18-monatigen Zivildienst arbeitete Weiblen drei Monate lang bei Daimler am Band und baute Schiebedächer ein – eine wichtige Erfahrung, wie er heute weiß. Schließlich musste und muss er sich bei der Beratung von Kunden immer wieder die Frage stellen, welche Auswirkungen neue Produktionsprozesse auf den kleinen Mann am Band haben mögen. „Als Berater darf man niemals arrogant auftreten und muss sowohl mit dem Vorstand als auch mit den Menschen im Werk sprechen können.“ Nach dieser Erfahrung im Werk entschied er sich für den damals noch jungen Studiengang der technisch orientierten Betriebswirtschaftslehre im nahe gelegenen Stuttgart. „Das hört sich zwar lang und sperrig an“, findet er. Doch die Mischung aus Ingenieurwissenschaften mit einem Schwerpunkt auf Förder- und Fertigungstechnik und den typischen BWL-Elementen, die ihm ein Freund empfahl, gefiel ihm sofort. Er hörte Vorlesungen bei Péter Horváth, der als Mitbegründer der Disziplin Controlling gilt. Und beim späteren Fraunhofer-Präsidenten Hans-Jörg Bullinger.

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