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Veröffentlicht: 23.06.2015, 08:00 Uhr

Karrierepfade, Teil 4 Interview | Wie wird man Entwicklungschef von Audi, Herr Hackenberg?

Vom Autoschrauber zum Chefentwickler, vom Studenten zum Vertrauten von Piëch, Winterkorn & Co.: Die steile Karriere von Ulrich Hackenberg.

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© Privat Begeisterter Motorsportler: Ulrich Hackenberg ist dem Automobil an sich und dem Rennsport im Speziellen verfallen.

Manche Dinge vergisst man als Technikfan nie. Ulrich Hackenberg bildet da keine Ausnahme. Soeben ist der Entwicklungschef der Premiummarke Audi, des beliebtesten Arbeitgebers für angehende Ingenieure in Deutschland, aus seinem schwarzen A8 gestiegen. Nun sitzt er im Vorstandsgebäude im Audi Forum am Hauptsitz Ingolstadt, und die Antwort auf die Frage nach seinem ersten Auto kommt, noch bevor der Autor den Satz beendet hat: „Das war ein Fiat 500“, erinnert sich Hackenberg. „Ich habe ihn mir noch während der Schulzeit für 300 Mark gekauft, die ich mir durch einen Nebenjob am Bau verdient hatte.“

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Für Hackenberg ist das Auto mehr als ein Gebrauchsgegenstand auf vier Rädern, und vielleicht ist diese Erkenntnis der Code zur Entschlüsselung seiner Erfolgsformel. Er ist Autofan mit Leidenschaft. Es ist Montagabend, das Interview für 20 Uhr angesetzt, und Hackenberg, der tags drauf seinen 65. Geburtstag feiert, ist schon den ganzen Tag durchgetaktet. „Einen solchen Job und ein solches Pensum kann man nur machen, wenn man mit Leidenschaft dabei ist“, sagt er, auch am Ende eines langen Arbeitstages noch hellwach, gesprächig, konzentriert. Leidenschaft für des Deutschen liebstes Spielzeug, das Auto. Leidenschaft für die vielen Tausend Zusammenhänge, die es heute zu einem äußerst komplexen Kunstwerk machen. Und Leidenschaft dafür, diese Komplexität aufzulösen zugunsten einer Einfachheit, aus der heraus sich technische Exzellenz und Wertschöpfung zu Innovation und somit zu Markterfolg vereinen.

Ulrich Hackenberg: „Ich wollte Tonmeister werden“

Man kann nicht sagen, dass Ulrich Hackenberg seinen Weg zum Vorstand für technische Entwicklung bei Audi geplant hätte. „Ich wollte eigentlich Tonmeister werden“, erinnert er sich an sein erstes Berufsziel, das dem Wunsch entstammte, seine Vorliebe zur Musik mit jener für Technik zu kombinieren. Das war kurz nach dem Abitur, das er am privaten Internat in Schloss Heessen im nordrhein-westfälischen Hamm ablegte, wohin er dank eines Begabtenstipendiums gelangt war – „meine Eltern hätten sich das nicht leisten können“. Doch dann ging er doch seiner Liebe zum Auto nach – konsequent, Schritt für Schritt.

Schon während seines Maschinenbaustudiums an der RWTH Aachen legte er den Fokus auf Autos. Sein intensivstes Erlebnis: eine Exkursion zu Volkswagen. Parallel zum Studium arbeitete er am Institut für Kraftfahrwesen, wo er nach Abschluss seines Studiums eine Assistentenstelle mit eigenem Forschungsbereich zum Thema Fahrdynamik erhielt. „Auf diese Weise konnte ich wertschöpfend arbeiten“, so Hackenberg. Es war die Verbindung von Theorie und Praxis – Terminpläne, Ziele, Businesspläne inklusive. „Ich habe gelernt, ein Auto fertig zu machen und nicht nur zu theoretisieren“, erinnert er sich an das Projekt Uni-Car, an dem fünf Hochschulen und zahlreiche Konzerne beteiligt waren. So kam er in Kontakt zu den großen Playern am Automobilmarkt. Eine wichtige Erfahrung. Und: Seine Arbeit an der Fahrwerklenkung blieb nicht im Verborgenen, auch wenn er zwischenzeitlich durch die Promotion im Bereich Motorradtechnik kurz vom Vier- aufs Zweirad gewechselt war und fast nebenbei seine bis heute währende und gepflegte zweite Liebe zum Motorrad entdeckte.

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