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Veröffentlicht: 13.08.2015, 16:02 Uhr

Wirksame Lernmethoden Lerntipps für Studenten | Die perfekte Prüfungsvorbereitung

Zeitpläne, Psychotricks und eine Aufforderung zu Tanzen. Drei Studenten und vier Lern-Experten verraten, wie man heil durch die Prüfungen kommt.

von Dorthe Hansen
© Gpointstudio/iStock/Getty Images Themen wie „Effizientes Lernen“ und „Prüfungen erfolgreich bestehen“ beschäftigen jeden Studenten - Unsere Experten geben konkrete Tipps.

„Halt die Deadline ein, so ist’s fein!

Hol’ die Ellenbogen raus, burn dich aus!

24/7, 8 bis 8,
Was geht ab, machste schlapp,


what the fuck?!“



Katjas aktueller Sound zur Krise. „Bück dich hoch“ von Deichkind. Wenn es mal hakt im Kopf, muss sie ihn aufdrehen und „ganz bescheuert dazu tanzen“. Die 24-Jährige Katja Ulbrich studiert Stadtplanung an der HafenCity Universität in Hamburg. Nur noch ein Semester, dann hat sie ihren Master. Katja wird da sehr gut durchkommen. Aber ein Tänzchen war es bis hierher nicht: „Zuletzt hatte ich ein Arbeitspensum von 80 Stunden pro Woche.“

Sie sitzt in ihrer behaglichen Zweizimmerwohnung an dem runden Esstisch, an dem sie immer arbeitet. Modelle bauen, Haus-arbeiten schreiben, Begriffe anstreichen, auswendig lernen. In der Uni ist es ihr zu unruhig. „Aber hier folgen meine Augen manch-mal nur noch den Buchstaben, man legt den Kopf so in die Hand …“ Katja könnte sich auch drei Meter weiter aufs Sofa werfen, aber „dann bin ich für zwei Stunden weg. Das geht nicht.“


Lerntipp 1: Beide Gehirnhälften aktivieren

Also Musik an. Tanzen. Gute Strategie, findet Sabine Grotehusmann. Die Pädagogin, Gymnasiallehrerin für Deutsch und Französisch in Köln, beschäftigt sich seit ihrer eigenen Schulzeit mit wirksamen Lernmethoden. Damals bemerkte sie, dass sie so manchen Lehrstoff ganz anders erklären würde – und plötzlich verstanden’s auch die Klassenkameradinnen. Grotehusmann gibt Seminare zu Themen wie „Effizientes Lernen“ und „Prüfungen erfolgreich bestehen“. Sie sagt: „Unsere beiden Gehirnhälften haben unterschiedliche Zuständigkeitsbereiche.“ Während die linke eher analytische und logische Aufgaben bewältigt und für die Sprache zuständig ist, findet rechts eher die Verarbeitung von Emotionen, Bildern und Melodien statt. Musizieren wiederum fördert das Zusammenspiel beider Gehirnhälften. „Beim Lernen – wie überhaupt im heutigen Alltag – aktivieren und beanspruchen wir besonders unsere linke Hemisphäre: organisieren, E-Mails formulieren, Zeitpläne überschlagen. All dies würde uns besser gelingen, wenn wir die rechte Gehirnhälfte mehr einbezögen.“ Etwa als Ausgleich in der Freizeit. Oder über verschiedene Methoden während des Lernens. An die Arbeit!

Mehr zum Thema

Die Forschung weiß: Das Gehirn lernt immer, nimmt wahr, verknüpft Neues mit Bekanntem – und vergisst auch wieder. „Das Gehirn ist nicht dafür da, dass es sich jeglichen Kleinkram merkt“, erzählt der Neurologe Manfred Spitzer in einem seiner anschaulichen Vorträge, die man auch bei Youtube verfolgen kann. Der Leiter der Psychiatrischen Universitätsklinik Ulm und des angegliederten TransferZentrums für Neurowissenschaften und Lernen vergleicht Wissensstrukturen im Gehirn mit Trampelpfaden im Schnee: „Sie sehen vermutlich eine große Spur von der Glühweinbude zum WC (…), die durch regelhaften Gebrauch entstanden ist.“ In etwa so verhalte es sich mit der Stärke von Synapsen, die an Nervenzellen andocken und Informationen übertragen. Sie vergrößern sich durch Regelmäßigkeiten. Ähnlichkeiten unserer Erfahrungen und Wiederholungen schlagen sich im Gehirn nieder.
Beim gezielten Lernen müssen wir demnach den „Kleinkram“ aus Wirtschaftsrecht oder Statistik zum Topthema machen. Und durch Andocken an Bekanntes Trampelpfade anlegen.

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