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Leben : Interview | Wie gelingt ein glückliches Leben?

  • -Aktualisiert am

Das Rezept fürs gute Leben: Fünf Dinge, auf die es ankommt Bild: Foto: Maria Grossmann

Was bereuen Sie am Ende Ihres Lebens? Diese Frage stellte eine australische Krankenpflegerin Sterbenden, die sie über Jahre betreute. Aus den Antworten der Patienten ist ein überraschendes Mutmach-Buch geworden.

          John hatte immer gern gearbeitet – gern und viel. Seine Frau Margaret hatte gewartet. Auf die geplanten Reisen, auf die gemeinsame Zeit im Ruhestand. Aber John hatte immer noch ein Projekt. „Das ist das letzte, Margaret, dann bin ich fein raus und höre auf!“ Fünfzehn Jahre ging das so, obwohl die Familie längst mehr Geld hatte, als sie brauchte. Als der Banker endlich beschloss, dass nun tatsächlich Schluss sei mit 14-Stunden-Tagen, Meetings und Geschäftsreisen, kam die Diagnose. Seine Frau hatte Krebs – nach wenigen Monaten war sie tot.

          Die Australierin Bronnie Ware lernte John erst kennen, als er selbst im Sterben lag. Sie pflegte ihn in den letzten Lebenswochen – ihn und viele andere Todgeweihte. Und was sie von diesen Menschen lernte, die keine Zeit mehr haben, aber sehr viel Einsicht in die Vergangenheit, das trug sie in ein Notizbuch ein. „Die langen Nächte in den Häusern der Sterbenden, da war viel Zeit“, sagt sie im Telefoninterview mit dem F. A. Z. Hochschulanzeiger. Und man hört ihrer Stimme an, dass ihr die Erinnerung immer noch schwerfällt.

          Zutaten für ein glückliches Leben

          Aus den Einträgen ist ein Mut machender Leitfaden geworden mit fünf Zutaten für ein glückliches, erfülltes Leben: 1. Hab den Mut, dir treu zu bleiben. 2. Arbeite nicht so viel. 3. Bring deine Gefühle ehrlich zum Ausdruck. 4. Halte Kontakt zu deinen Freunden. 5. Gönne dir mehr Freude.

          John bedauerte vor allem die Fixierung auf den Job. Neun von zehn Männern äußerten dieses Bedauern gegenüber der Autorin: „Ich wünschte, ich hätte nicht so viel gearbeitet.“ Männer eiferten oftmals ihren Vätern nach, so Ware im Interview, im Rückblick aber zählten andere Dinge. Dass man die Zeit mit der Partnerin nicht verpasst. Dass man dabei ist, wenn die Kinder aufwachsen.

          Als Bronnie Ware mit der Palliativarbeit (von lat. pallium = Mantel, weil Leiden nicht kuriert, sondern gelindert, „ummantelt“ werden) begann, war sie in einer Lebensphase, die von Jobwechseln und Selbstzweifeln bestimmt wurde. Die Frau, die sie als Erstes betreute, veränderte ihr Leben. Grace galt als Bilderbuchgattin, sie zog die Kinder auf, pflegte das Heim und hielt ihrem Mann den Rücken frei. Der revanchierte sich mit Gehässigkeiten und beschämte sie bei jeder Gelegenheit. Als er aufgrund einer schweren Krankheit im Pflegeheim verschwand, empfand Grace nur eines: Erleichterung. Jetzt würde sie aufhören, sich nach anderen zu richten, sich zu verbiegen. Aber die Einsicht kam zu spät: Grace starb binnen eines Jahres. „Lassen Sie niemals zu, dass irgendjemand Sie von dem abhält, was Sie wollen!“ Dieses Versprechen nahm sie ihrer Pflegerin ab. Es ist die wichtigste und erste Einsicht in Wares Buch, sie wird vor allem von Frauen artikuliert: „Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, ein Leben nach meinen Vorstellungen zu leben.“

          Glückliches Leben: Freunde gehen vor Uni-Stress

          Die ehemalige Bankerin Bronnie Ware befolgt diese Regel ohne Wenn und Aber; statt für eine Festanstellung im Finanzwesen entschied sie sich für den unsicheren Weg als Musiklehrerin und Komponistin. So geriet sie auch an den Job, der ihr mittlerweile am wichtigsten ist: Sie gibt Songwriting-Kurse für Frauen im Gefängnis.

          Schon verrückt, dass wir heute so viel Freiheiten haben und diesen Spielraum oft nur nutzen, um vorgegebene Muster zu erfüllen. „Ja, es ist tragisch“, sagt Ware. „Deshalb müssen wir bescheiden anfangen. Am Anfang der Ausrichtung auf ein gutes Leben stehen nicht große Pläne, sondern Besinnung und kleine Schritte.“
          Und was empfiehlt sie den Gehetzten und Vielbeschäftigten des Jahres 2013, wenn der Uni-Tag voll ist und der Nebenjob noch mehr Zeit auffrisst? „Nicht das Treffen mit einem Freund zum x-ten Mal verschieben. Ein Projekt nicht verfolgen, nur weil es ein bisschen mehr Prestige bedeutet, aber jede Menge Stress. Und jemandem sagen, dass man ihn mag.“

          Quelle: F.A.Z.

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