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Veröffentlicht: 10.05.2017, 09:00 Uhr

Frauenkarrieren Spitzen-Frauen

Margret Suckale, Bettina Limperg und Brigitte Zypries sind besondere Karrieren gelungen. Mut, Neugier und Teamkompetenz haben die drei Juristinnen dabei vorangebracht.

von Julia Bröder
© BASF Margret Suckale hat es in den Vorstand von BASF geschafft.

Eigentlich wollte Margret Suckale Richterin werden, mit einem Schwerpunkt in Handels- und Gesellschaftsrecht. Ihre Examensnoten hätten das locker zugelassen, Suckale entschied sich jedoch zunächst für eine Tätigkeit in einem Unternehmen. „Um später als Richterin bessere Urteile fällen zu können, wollte ich mir einen Einblick verschaffen, wie es in der Wirtschaft zugeht“, so die heute 60-Jährige. Suckale begann als Syndikusanwältin bei der Mobil Oil AG, wo sie europaweit verschiedene Bereiche verantwortete. Die Aufgaben gefielen ihr so gut, dass sie ihren Plan, nach zwei Jahren in die Justiz zu wechseln, verwarf und Managerin blieb. Berufsbegleitend erwarb sie einen MBA und einen Executive Master of European and International Business Law. Von 1997 bis 2009 war die Juristin in Führungspositionen für die Deutsche Bahn tätig, seit knapp acht Jahren arbeitet sie bei BASF, wo sie 2011 in den Vorstand berufen wurde – als erste Frau in der 150-jährigen Unternehmensgeschichte.

„Sie ist die erste Frau in dieser Position.“ Dieser Satz fällt oft, wenn es darum geht, dass die Spitze eines Konzerns oder auch einer öffentlichen Institution weiblich besetzt ist. Laut dem „Mixed Leadership-Barometer“ von Ernst & Young waren im Sommer 2016 gerade einmal 6,4 Prozent aller Vorstandsmitglieder deutscher börsennotierter Unternehmen Frauen. In absoluten Zahlen sind das 43 weibliche im Verhältnis zu 627 männlichen Vorständen. In mehr als drei von vier Unternehmen sei die oberste Ebene weiterhin ausschließlich mit Männern besetzt, so die Studie. Wie stark indes Juristinnen in den Chefetagen vertreten sind, lässt sich schwer sagen. Personalberaterin Sylvia Tarves schätzt, dass in den Toppositionen mehr Juristinnen und BWLerinnen sitzen als Absolventinnen anderer Fachrichtungen. Laut Ursula Matthiessen-Kreuder vom Deutschen Juristinnenbund (djb) ist – genauso wie bei den Männern – allerdings der Anteil der Managerinnen mit juristischer Ausbildung in den vergangenen Jahren gesunken.

Von der Staatsanwältin zur BGH-Präsidentin

Trotzdem: Ein guter Grundstein für die Karriere ist ein Jurastudium allemal. Weniger wegen der einzelnen Paragraphen, die man hier lernt, als wegen der Herangehensweisen. Es sei vor allem die Methodenkompetenz, die sie für ihre späteren Aufgaben stark gemacht habe, sagt Bettina Limperg: „Zusammenhänge erklären zu können, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden und Komplexes herunterzubrechen.“ Limperg ist ebenfalls eine „erste Frau in ihrer Position“. Seit knapp drei Jahren leitet die 57-Jährige als Präsidentin den Bundesgerichtshof in Karlsruhe. Geplant habe sie ihren Werdegang so nicht. „Präsidentin dieses Gerichts zu werden ist als Ziel dann doch etwas zu kühn“, lacht die Mutter zweier erwachsener Kinder. Dennoch sei es ihr wichtig gewesen, Stück für Stück mehr Verantwortung im Beruf zu übernehmen. Von der Staatsanwältin wurde Limperg zur Richterin, zur Direktorin eines Amtsgerichts, zur Vizepräsidentin des großen Landgerichts Stuttgart und 2011 zur Ministerialdirektorin und damit Chefin des Justizministeriums Baden-Württemberg ernannt, bevor sie 2014 als BGH-Präsidentin antrat. Welche Fähigkeiten ihr in dieser Position besonders zugutekommen? „Neben den fachlichen Kompetenzen sind das sicherlich die vielzitierten Soft Skills“, so Limperg. „Mein Antrieb war es sowohl als Richterin als auch in Verwaltungspositionen immer, auszugleichen, zwischen verschiedenen Positionen zu vermitteln und dort, wo Streit herrscht, möglichst zu befrieden.“

Jungen Juristinnen rät sie, den Perspektivenwechsel zu trainieren, zum Beispiel in Debattierclubs und -formaten, die zahlreiche Universitäten anbieten. Informationen dazu gibt es zum Beispiel auf der Website des Verbands der Debattierclubs an Hochschulen(VDCH). Entscheidende Bedeutung bei der Frage nach dem beruflichen Fortkommen habe aber auch, immer wieder aktiv Veränderungen zu suchen oder sonst den Horizont zu erweitern, weiß Limperg.

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