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Alles ganz easy! Oder? : Stress im Studium: Tricks gegen den Leistungsdruck

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Alles ganz easy? Vielen Studenten fällt es schwer, mit dem Stress im Studium umzugehen. Bild: Norman Konrad

Jeder zweite Student kämpft mit Selbstzweifeln. Ein mieses Gefühl – aber ein wichtiges. Denn oft zeigt es, dass wir etwas ändern müssen, um nicht im Burn-out zu landen oder in einem Job, der uns nicht glücklich macht.

          Vielleicht lag es auch an den Cocktails, dass Melanie Krämers (Name von der Redaktion) Kommilitonin vor einem Jahr dieser Satz so leicht über die Lippen kam. Die Medizinstudentinnen sprachen auf einer Party über den Druck durch das mörderische Lernpensum, da sagte die Freundin: „Im ersten Semester hatte ich vor einigen Klausuren richtige Heulattacken. Phasenweise denke ich immer noch, ich schaffe das nicht.“ Melanie Krämer ist ihr heute noch dankbar für diese Ehrlichkeit. „Viele Kommilitonen tun so, als wäre alles ganz easy“, sagt die 21-Jährige, die heute im vierten Semester ist und sich aufs Physikum vorbereitet. „Da fragt man sich schon manchmal: Bin ich eigentlich besonders doof?“

          Stress im Studium: Oft ist es der eigene Ehrgeiz

          Zum Beispiel vor der Histologieklausur, da ging es ihr „so richtig dreckig“. Sie versuchte, sich 400 Seiten mit Namen und Aussehen verschiedener Gewebe einzubläuen. Bis sie kurz vor Mitternacht bei ihren Eltern anrief und ihr vor Erschöpfung die Tränen kamen. Vielleicht, sagt Melanie, befeuern aber nicht nur die Menge an Stoff und der Vergleich mit den anderen ihre Selbstzweifel. Sondern auch ihr eigener Ehrgeiz. „Ich bin mir zwar total sicher, dass ich Ärztin werden möchte. Aber wenn ich dann einen Rückschlag erlebe und meinen Maßstäben nicht gerecht werde, stelle ich mich schnell selbst infrage.“ Zum Beispiel, als sie durch eine Anatomieprüfung fiel: Mit dem Präparierbesteck stand sie vor der Leiche, doch der Begriff „Trizepsschlitz“, den die Prüferin hören wollte, war wie aus ihrem Gedächtnis gelöscht. „Hinterher fragte ich mich: Wenn ich mir jetzt das schon nicht merken kann, wie soll ich das erst im Examen hinkriegen?“

          Angenommen, das Studium wäre eine einzige Party – und so hatte man sich das schließlich nach dem Abi vorgestellt: die erste eigene Wohnung, Vorlesungen frühestens ab zehn, abends feiern gehen –, dann sind Selbstzweifel die Party-Crasher. Ungebetene Gäste, die dir die Zeit versauen, die du dir als schönste deines Lebens vorgestellt hast. Gründe gibt es viele: ein hoher Anspruch an sich selbst, so wie bei Melanie. Andere verzweifeln, weil der Prof da vorn Formeln an die Tafel malt, von denen sie noch nie was gehört haben. Oder weil es in dem Fach, das man sich ausgesucht hat, um ganz andere Dinge geht, als man sich vorgestellt hatte.

          Stress im Studium: Selbstzweifel weit verbreitet

          Selbstzweifel sind unter Studenten extrem weit verbreitet, weiß Professor Rainer Holm-Hadulla, leitender Arzt der Psychosozialen Beratungsstelle des Studentenwerkes Heidelberg. Nicht jeder bekennt sich zu seinen Zweifeln, doch mehr als 50 Prozent erleben sie, schätzt er. „Das Studium ist eine sensible Phase im Leben. Es dient ja nicht nur der akademischen Qualifikation, sondern auch der Entwicklung der Persönlichkeit. Dieser Reifeprozess ist manchmal mit Zerreißproben verbunden“, sagt er und zitiert als Beleg dafür gern Goethe. Denn der geriet, von seinem Vater zum Jurastudium gedrängt, in eine Krise und schrieb, er könne nicht einen „Funken von Wert“ in sich entdecken und fühle sich wie ein „Wurm im Staube“. Mit Jammern hat das Problem allerdings wenig zu tun: Bei immerhin jedem fünften Studenten beeinträchtigten Selbstzweifel die Studierfähigkeit, so der Psychotherapeut. Von ihnen schaffe es etwa die Hälfte allein oder mit der Unterstützung von Freunden und Familie wieder aus der Krise heraus. Die anderen benötigten professionelle Hilfe.

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