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Veröffentlicht: 12.04.2016, 11:11 Uhr

Titelthema Wie wird man CEO?

Der Weg nach oben ist nicht leicht. Neben Talent und fachlichen Kompetenzen gehört auch eine gute Portion Glück dazu. Darüber sind sich die Experten einig.

von Merle Schmalenbach
© privat Früher Fußballer, heute CEO: Der studierte Betriebswirt Lutz Lehmann leitet heute das Konsumgüterunternehmen Hermes Hansecontrol.

Lutz Lehmann hat schon früh an seinen Zielen gearbeitet: Als junger Fußballer schaffte er es in den Kader der U-16-Mannschaft – und wurde mit ihr Europameister. Knapp zwanzig Jahre später, mit nur 35 Jahren, gelang dem Betriebswirt der Sprung zum CEO. Beim Unternehmen Hermes Hansecontrol, das Konsumgüter auf Sicherheit überprüft, ist er verantwortlich für 500 Mitarbeiter und sieben Standorte – darunter solche in China und Indien. „Fußball und eine CEO-Karriere haben einiges gemeinsam“, sagt der heute 40-Jährige. „Man braucht Talent, Glück und die passende Persönlichkeit.“
 

Viele Studenten träumen von einer solchem Karriere: Schließlich verspricht der CEO-Posten Prestige, Macht und ein hohes Gehalt. Wann immer ein bekannter CEO eine Hochschule besucht, sind die Hörsäle voll. Als zuletzt fünf große Unternehmen den „CEO of the Future“ suchten, bewarben sich 2100 Nachwuchsmanager. Doch wie genau klappt es mit der CEO-Karriere? Anruf beim Karriereberater Jürgen Nebel, der das Buch „Die CEO-Bewerbung“ geschrieben hat. Er dämpft zunächst die Erwartungen: „CEO bei einem Dax-30-Konzern zu werden ist praktisch so schwer, wie Trainer in der Ersten Bundesliga zu werden – da gibt es nur 30 Plätze, dort 18“, sagt er. Wer tüchtig und ehrgeizig sei, für den sei ein „normaler“ CEO-Posten – etwa bei einer Firma mit 200 Millionen Euro Jahresumsatz – jedoch durchaus erreichbar.

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„Man sollte sich allerdings ehrlich fragen, warum man einen CEO-Posten anstrebt“, sagt die Headhunterin Susanne Scherp-Keresztes von Delta Management Consultants. „Wenn es einem nur um den Titel und das Gehalt geht, wird es nicht klappen. Man sollte sich von dem leiten lassen, was einem ehrlich Freude macht und einem entspricht – nur dann ist man auch erfolgreich.“ Neben hervorragenden Fachkenntnissen seien die Soft Skills wesentlich für die CEO-Karriere. Das sieht auch der Coach Benjamin Büscher so: „Man muss Menschen mögen, Vertrauen herstellen können und empathisch sein. Ob man diese Fähigkeiten mitbringt, kann man schon früh feststellen: Ist man im Privatleben jemand, der den Freundeskreis zusammenhält und Aktivitäten organisiert – und hören die anderen auf einen? Oder lässt man sich lieber in der Gruppe treiben?“ Viele CEOs hätten schon als Jugendliche Führungsrollen eingenommen, etwa als Schulsprecher oder im Sportverein. So wie Lutz Lehmann: „Ich war als Fußballer fast immer Mannschaftskapitän und habe meine Meinung gesagt. Als CEO sollte man extrovertiert sein, gut zuhören können und selbstreflektiert sein.“

Gute Ausbildung als Basis

Wie wichtig die Persönlichkeit für eine CEO-Karriere ist, hat im vergangenen Jahr eine Studie der German Graduate School of Management and Law (GGS) untersucht und sich dabei auf die Dax-30-CEOs konzentriert. Das Ergebnis: Alle begutachteten Topmanager schienen demnach äußerst gewissenhaft, ehrgeizig, zielstrebig, belastbar und besonders leistungsstark zu sein. Allerdings: Auch eine eher geringe Anpassungsfähigkeit fiel auf, die sich in einem kompetitiven und herausfordernden Verhalten bemerkbar machte. 

Neben der starken Persönlichkeit spielt auch eine fundierte Ausbildung eine wichtige Rolle. „Die meisten CEOs sind Betriebswirte“, sagt Jürgen Nebel. „Juristen sind deutlich seltener anzutreffen.“ Ihnen rät er, das zweite Staatsexamen zu absolvieren und anschließend in ein Beratungsunternehmen oder eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft einzusteigen. Auch MINT-Studiengänge könnten sinnvoll sein. „Gern gesehen wird auch ein Doppelstudium“, sagt Susanne Scherp-Keresztes. Empfehlenswert sei beispielsweise eine Kombination aus Betriebswirtschaftslehre und Ingenieurswissenschaften. Benjamin Büscher rät zu eher ungewöhnlichen Kombinationen, wie etwa Psychologie und Betriebswirtschaft. „Dadurch lernt man, unterschiedliche Perspektiven einzunehmen. Man sollte auch Dinge tun, ohne ständig zu überlegen: Was mache ich damit? Wenn es nur darum geht, den Lebenslauf zu verschönern, hat man am Ende lauter Sammelbilder im Schaukasten, die einem im Berufsalltag nicht unbedingt weiterhelfen.“

Für eine CEO-Karriere empfiehlt Susanne Scherp-Keresztes grundsätzlich ein Universitätsstudium. „Die Wahl der Hochschule ist allerdings nicht vorrangig wichtig.“ Die Diplomarbeit sollte idealerweise mit Praxisbezug in Zusammenarbeit mit einem Unternehmen geschrieben werden. Benjamin Büscher sieht wiederum Vorteile in einem dualen Studium, da man auf diese Weise schon früh die Arbeit in einem Unternehmen kennenlerne. Ein wichtiger Punkt seien außerdem Auslandsaufenthalte. „Je nach Branche sind neben den Vereinigten Staaten besonders Stationen in Asien oder in einem arabischen Land von Vorteil.“ Nach dem Studium sollte man dann möglichst in einem großen Konzern einsteigen, empfiehlt Jürgen Nebel.

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