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Aktualisiert: 26.10.2015, 10:00 Uhr

Karrierepfade, Teil 9 Wie wird man CFO bei Borussia Dortmund, Herr Treß?

Eigentlich hatte Thomas Treß mit Fußball überhaupt nichts zu tun. Bis er Finanzvorstand bei Borussia Dortmund wurde. Seitdem muss er den Grat zwischen Emotion und Vernunft bewältigen. Ein Portrait.

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© dpa Wichtiger Mann bei Borussia Dortmund: Finanzchef Thomas Treß

Norbert Dickel rief alle Namen, und es waren die Namen von Helden. So empfanden es zumindest die rund 400.000 Menschen, die an diesem Sonntag im Mai 2011 auf den Beinen waren, um die deutsche Meisterschaft von Borussia Dortmund zu feiern. Roman Weidenfeller, der Kapitän. Jürgen Klopp, der Trainer. Aki Watzke, der Präsident. Mario Götze, das Nachwuchstalent. Oder Lucas Barrios, der vielfache Torschütze. Alle waren da, jeder Einzelne wurde auf die Bühne geholt und dort frenetisch bejubelt. Nur Thomas Treß nicht. Sicher, Stadionsprecher Dickel rief auch ihn auf. Immerhin hatte Treß, der für Finanzen zuständige Geschäftsführer der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA, eine entscheidende Rolle gespielt auf dem Weg, den der Fußballklub zwischen 2005 und 2011 gegangen war: vom Abgrund zur deutschen Meisterschaft.

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Treß’ Name war zum Sinnbild für den Turnaround geworden: von einem von Insolvenz bedrohten Unternehmen zum deutschen Fußballmeister. Doch
als sein Name genannt wurde, konnte ihn Thomas Treß nicht hören. Er war nämlich nicht mehr da. „Ich saß im Auto auf dem Weg nach Hause“, sagt er. Es ist der Satz, der seine Denkweise und seinen Charakter am ehesten beschreibt, verkürzt, aber treffend. Denn während fast eine halbe Million Menschen einen sportlichen Erfolg bejubelte, den auch er, mit seinen unternehmerischen Mitteln, möglich gemacht hatte, hatte sich Treß längst aus dem Scheinwerferlicht zurückgezogen. „Ich nehme mich nicht so ernst und nicht so wichtig.“

Thomas Treß ist der Herr der Zahlen bei Borussia Dortmund, das mittlerweile pro Jahr einen Umsatz von 250 Millionen Euro erwirtschaftet. Im obersten Stockwerk der Geschäftsstelle, unweit vom Stadion entfernt, führt der 49-Jährige mit ruhiger Hand seine Geschäfte – Tür an Tür mit dem auch in den Medien allgegenwärtigen Hans-Joachim Watzke. Doch dass er eines Tages mal jeden Morgen auf dem Weg in sein Büro an dem großen gelben BVB-Wappen im Eingangsbereich vorbeigehen würde, war lange Zeit nicht abzusehen.

Thomas Treß: Keine Ahnung von Fußball

Denn: Vom Fußball hatte Treß keine Ahnung. Als 2005 die Anfrage aus Dortmund kam, dort in der Geschäftsführung die Finanzen zu übernehmen, „war Fußball für mich so weit weg wie der Mond von der Erde“. Treß war Wirtschaftsprüfer, und das mit Leib und Seele.

Nach der mittleren Reife absolvierte Treß zunächst eine kaufmännische Ausbildung in einem Autohaus und entschied sich, mit dem Titel „Groß- und Einzelhandelskaufmann“ im Gepäck, das Abitur an der Wirtschaftsoberschule in Stuttgart nachzuholen. Anschließend studierte er ein Semester Wirtschaftsmathematik. „Aber das war nicht mein Ding.“ Er wechselte in die Betriebswirtschaftslehre. Das Grundstudium sei zunächst eine Art Orientierungsphase gewesen. „Viele Studenten legen sich zu früh fest“, kritisiert Treß. Eine Spezialisierung, etwa auf das Fach Sportökonomie, sei erst im Hauptstudium oder heute im Master zu empfehlen, rät er Studenten. Die Zeit davor sei eine wichtige Grundausbildung, die auch der Orientierung diene. Treß probierte sich aus, weilte ein halbes Jahr lang für ein Praktikum bei Siemens in Mexiko-Stadt, und er fasste einen Entschluss: Er wollte eine Karriere als Steuerberater und Wirtschaftsprüfer anstreben. Der Grund: „Ich liebe diesen Beruf.“

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