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Karriere als Bestsellerautor : Wie wird man eigentlich Bestsellerautor? | Im Interview: Timur Vermes

  • -Aktualisiert am

Er ist wieder da: Timur Vermes in der Münchner Stadtbibliothek. Bild: Thorsten Jochim

Timur Vermes’ Debütroman „Er ist wieder da“ belegte Platz 1 der Bestsellerliste, auch die Verfilmung steht nun auf Platz 1 der deutschen Kinocharts. Wie wurde aus dem Geschichtsstudenten ein Bestsellerautor?

           

          Dass er Hitler einmal zum idealen Weihnachtsgeschenk machen würde, damit hätte Timur Vermes nicht gerechnet. Im Oktober 2012 präsentierte er seinen Debütroman „Er ist wieder da“ auf der Frankfurter Buchmesse, in dem Adolf Hitler 2011 auf einer Wiese in Berlin erwacht und sich binnen kürzester Zeit zum Fernsehstar entwickelt. Über 2 Millionen Mal verkaufte sich die Satire bisher. „In der Woche vor Weihnachten 2012 wurden allein 80.000 Bücher verkauft“, erinnert sich der Wahl-Münchner.

          Es ist ein heißer Tag im Juli. Timur Vermes sitzt an einem kleinen Bistrotisch vor der Münchner Stadtbibliothek und denkt an diese Zeit im Jahr 2012 zurück. Er trägt ein kariertes Kurzarmhemd zur dunklen Jeans mit Turnschuhen. Die Augen blinzeln hinter einer Brille mit runden Gläsern in die Münchner Mittagssonne. Den wahnsinnigen Erfolg seines Debütromans sieht man ihm nicht an. Aber wenn er über das Gefühl spricht, Platz 1 der Bestsellerliste zu belegen, schwingt Stolz in seiner Stimme mit. Denn: Schon vor dem berühmten Debütroman hatte er Bücher veröffentlicht, doch sein eigener Name war auf den Covern nicht zu lesen.

          Den ersten Schreib-Job hatte Vermes während seines Studiums der Geschichte und Politik an der Uni Erlangen bei der „Nürnberger Abendzeitung“. Die Arbeit als Journalist bildete den Gegenpol zum theoretischen Geschichtsstudium. „Das Studium war eine furchtbare Zeit für mich“, erzählt Vermes. Die Inhalte seien zu theoretisch, zu wenig praxisorientiert gewesen. „Und ich zweifelte, ob mir mein Geschichtsstudium je einen Job sichern würde.“ Ein Problem für den sicherheitsliebenden Studenten, doch: „In der Sprache hatte ich ein Werkzeug gefunden, mit dem ich arbeiten konnte. Der Berufswunsch Journalist stand schon früh fest.“

          Über Umwege zur Karriere als Bestsellerautor

          Nach dem Studium absolvierte Vermes zunächst zwei Jahre ein Volontariat in Nürnberg, bevor er als Redakteur in den Redaktionen des „Kölner Express“ und später der Frauenzeitschrift „Shape“ in München arbeitete. Zur Schriftstellerei gelangte der heute 48-Jährige schließlich über Umwege. Nachdem er bei „Shape“ aus wirtschaftlichen Gründen als Textchef gekündigt worden war, nahm er seinen ersten Job als Ghostwriter an. Als „Ghost“ schrieb er die Biogra­phien von Peyman Amin, Modelscout und Ex-Juror bei „Germany’s Next Topmodel“, oder auch vom Gewinner der Fernsehshow „Das Supertalent“, Michael Hirte. „Wer für andere Leute Bücher schreibt, muss sich bewusst sein, dass es nicht der eigene Name ist, der das Buch verkauft“, sagt Vermes. Den Ruhm erhielten die Promis, Vermes sicherte die Arbeit als Ghostwriter jedoch ein einigermaßen regelmäßiges Einkommen.

          Aber nur bis zu jenem Zeitpunkt, als sich längere Zeit kein Job mehr für ihn bot. Der Wendepunkt in Vermes’ Schriftstellerkarriere. „Wir waren gerade im Urlaub in der Türkei, als ich auf einem Markt ein Buch mit dem Titel ‚Hitler’s second book‘ entdeckte“, erinnert sich der Autor. „Da dachte ich: Wenn das das zweite Buch ist, kann ich auch das dritte Buch schreiben.“ Der Grundstein für „Er ist wieder da“ war gelegt. Innerhalb eines halben Jahres hatte Vermes das Manuskript geschrieben und es seiner Agentin vorgelegt. Elf Verlagen schlug die Agentin das Buch vor – zehn davon wollten es verlegen. „Wir wussten, dass es eine ungewöhnliche Geschichte ist. Aber ich war mir sicher, dass es ein Erfolg wird.“

          Zwei Jahre später gibt es bereits eine sehr erfolgreiche Hörbuchversion, gelesen von Christoph Maria Herbst. Seit kurzem läuft auch die Verfilmung im Kino. Viel Zeit und eine intensive Auseinandersetzung mit der Hauptfigur und auch der historischen Figur Adolf Hitler steckte Vermes in seine Geschichte. Man schreibe einen Roman eben immer auf eigenes Risiko, sagt er. Ohne Garantie dafür, ob die Mühe entsprechend entlohnt wird. „Schließlich mit der eigenen Geschichte auf Nummer 1 der Bestsellerliste zu landen ist ein bewegendes Gefühl.“

          Quelle: F.A.Z.

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