http://www.faz.net/-i7g-8bm8o

Karriere als Moderatorin : Wie wird man eigentlich Finanzjournalistin | Im Interview: Anja Kohl

  • -Aktualisiert am

Profi auf dem Börsenparkett: Moderatorin Anja Kohl. Bild: Robert Zolles

Anja Kohl berichtet seit rund 15 Jahren für die ARD von der Börse in Frankfurt. Dabei war ihr Weg in den Finanzjournalismus nicht unbedingt vorgezeichnet.

          Anja Kohl war unter den letzten 30 von 1.000 Bewerbern. Das war gegen Ende ihres Studiums. Nach dem Aufnahmetest war sie sich sicher, dass es gut gelaufen war. Kurze Zeit später lag der Brief im Briefkasten ihrer damaligen WG in Mainz: eine Absage. Anja Kohl war an der Deutschen Journalistenschule in München abgelehnt worden. Das war’s, dachte sie damals. „Das war die Chance, und jetzt ist es vorbei.“

          Anja Kohl sitzt in einem Büro an der Frankfurter Börse. Am Abend wird sie in der Sendung „Börse vor acht“, die in der ARD ausgestrahlt wird, zu sehen sein. Kurz darauf wird noch ein Bericht von ihr in der Tagesschau laufen. Seit gut 15 Jahren arbeitet sie nun als Börsenkorrespondentin für den Hessischen Rundfunk. Dabei war Anja Kohls Weg in den Finanzjournalismus nicht unbedingt vorgezeichnet.

          Ihr Studium der Germanistik, Politikwissenschaften und Publizistik begann sie in Bamberg. Als Kind wollte sie eigentlich Lehrerin werden. „Ich hatte immer den Wunsch, etwas zu vermitteln und zu erklären“, erzählt sie. Ihr Berufswunsch „Journalistin“ entwickelte sich aus diesem inneren Antrieb heraus. „In Bamberg gab es für mich damals jedoch zu wenige Möglichkeiten, mich beispielsweise in Praktika auszuprobieren“, erinnert sie sich. Also wechselte sie bald an die Universität Mainz. Im Studiengang Publizistik konnte sie sehr praxisnah studieren. Dort kam sie auch zum ersten Mal mit dem Fernsehjournalismus in Berührung. „Ich merkte schnell, dass mir diese Form der Berichterstattung besonders liegt.“

          Karriere als Moderatorin: Fachliche Bildung wichtig

          Anja Kohl bezeichnet sich selbst als zielstrebige Studentin. „Ich ging auch zu Vorlesungen um neun Uhr, wenn ich mich dazu entschieden hatte“, erzählt sie. Und wenn nicht, was ganz selten der Fall war, habe sie ein schlechtes Gewissen gehabt, sagt sie schmunzelnd. Und dennoch, im Rückblick stellt sie fest: „Die fachliche Bildung ist ohne Frage sehr wichtig. Aber es ist essentiell, sich persönlich zu entwickeln.“ Jeder brauche Menschen, die an einen glauben, die gut finden, was man tut – und vor allem, die einen auch als Person schätzen. Anja Kohl machte diese Erfahrung in ihrem Auslandssemester in Baltimore in den USA. „Ich hatte dort einen Professor, der meine Arbeit gut fand und der an mich glaubte.“

          Der Moment des Zweifelns kam trotzdem wieder. Als sich Anja Kohl zum Ende des Studiums an der Deutschen Journalistenschule bewarb – und abgelehnt wurde. „Doch seit dieser Erfahrung weiß ich, dass das vermeintliche Scheitern einen erst auf den richtigen Weg bringt“, sagt sie. Denn: „Hätte ich dort keine Absage erhalten, wäre ich vermutlich nie zum Fernsehen gekommen.“ Nach dieser Enttäuschung bewarb sie sich bei Bloomberg TV in London. Eine Moderatorin für die erste deutsche Redaktion wurde gesucht. „Man fragte mich, ob ich moderieren könne“, erinnert sie sich. Die Antwort: „Ja, ich denke. Aber von Finanzthemen habe ich keine Ahnung.“ Kohl absolvierte die Castings – und wurde eingestellt.

          Zu Politik und Wirtschaft hatte sie bereits zu Beginn ihrer Karriere einen Bezug, zu Finanzen und Börse dagegen nicht, sagt sie heute. „Aber fachlich kann man sich alles aneignen.“ Thematisch war es harte Arbeit. Und das ist es auch heute noch. „Die Themen sind sehr dynamisch. Man muss immer am Ball bleiben.“ Sie fühle sich heute in der Finanzwelt zu Hause. „Ich liebe es, tagesaktuell zu arbeiten.“

          Nach einem halben Jahr in London wechselte Anja Kohl in die Nachrichtenredaktion von n-tv in Berlin. Dort blieb sie drei Jahre. Bis sie, über Umwege, das Angebot vom Börsenstudio des Hessischen Rundfunks in Frankfurt erhielt. „Wirtschaft und Börse sind für die meisten Zuschauer sehr trockene Themen“, weiß sie. „Ich versuche jeden Abend die Menschen, die zusehen, thematisch abzuholen. Darum geht es mir.“ Letztlich gehe es ja nicht nur um Aktienkurse. „Es ist viel wichtiger, den Zuschauern das große Ganze zu vermitteln.“ Ihr gehe es immer darum, Informationen ehrlich und direkt einzuordnen, komplexe Sachverhalte zu dechiffrieren und auf das absolut Wesentliche zu konzentrieren. Studierende dürften deswegen neben all der Karriereplanung nicht vergessen, dass Studium und Praktika zwar wichtig seien. Doch am Ende, sagt Anja Kohl, mache immer der Mensch den Unterschied. „Man sollte wissen, wer man ist und wer man sein möchte.“

          Quelle: F.A.Z.

          Topmeldungen

          Suche nach U-Boot : Flugzeug entdeckt Objekt auf Meeresgrund

          Bei der Suche nach dem vermissten argentinischen U-Boot sind die Retter laut Medienberichten auf eine Wärmequelle in 70 Metern Tiefe gestoßen. Wegen des Sauerstoffmangels spricht die Marine von einer „kritischen Phase“.

          F.A.Z. exklusiv : Lindner: Wir fühlten uns gedemütigt

          Im Interview mit der F.A.Z. spricht der FDP-Vorsitzende über die Gründe für den Ausstieg aus den Jamaika-Sondierungen. Vor allem einer Partei wirft Christian Lindner fehlende Kompromissbereitschaft vor.
          Der Jeep des Überläufers bleibt stecken.

          Korea-Konflikt : Video zeigt Jagd auf nordkoreanischen Soldaten

          Das Kommando der Vereinten Nationen in Südkorea wirft dem Norden vor, bei der Jagd auf einen Überläufer den Waffenstillstand gebrochen zu haben. Zum Beweis veröffentlicht es Videoaufnahmen, die an einen Actionfilm erinnern.
          Die Runde von Sandra Maischberger

          Talk-Kritiken : Im Beichtstuhl des Bundespräsidenten

          Nach dem vorläufigen Scheitern von Jamaika ist der Bundespräsident Herr des Verfahrens. Die Debatten in Talkshows zeigen: Auf das Staatsoberhaupt wartet keine leichte Aufgabe.