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Karriere als Schauspielerin : Wie wird man eigentlich Schauspielerin? | Im Interview: Karoline Herfurth

  • -Aktualisiert am

„Ich lerne schon immer wahnsinnig gerne.“ – Karoline Herfurth über den Dächern Berlins. Bild: Espen Eichhöfer

Ihre erste Fernsehrolle hatte sie mit elf Jahren, den Durchbruch auf der Kinoleinwand schaffte sie mit 16. Doch trotz ihrer Erfolge ist Karoline Herfurth neben der Schauspielerei noch Studentin. Ganz freiwillig.

          Karoline Herfurth hatte noch nie ein Vorstellungsgespräch. Zumindest keines, bei dem man klassisch nach seinen Stärken und Schwächen gefragt wird. Aber mit ihren 31 Jahren hatte sie bereits unzählige Castings und Vorsprechen. Und spätestens seit dem Kinoerfolg des Films „Fack ju Göhte“, dessen zweiter Teil derzeit in deutschen Kinosälen aufgeführt wird und in dem sie eine Lehrerin spielt, kennt die zierliche Schauspielerin mit den roten Haaren in Deutschland jeder. Schauspiel bedeutet für sie vor allem Emotion und Leidenschaft. Doch in ihrer Karriere stecken ebenso viel Disziplin und Ausbildung.

          Ihre erste Rolle für die ZDF-Fernsehreihe „Achterbahn“ drehte Herfurth mit elf Jahren. Damals wurde sie in ihrer Tanztheatergruppe von den Verantwortlichen entdeckt und zum Casting eingeladen. „Dafür habe ich acht Tage in den Sommerferien gedreht“, erinnert sie sich. Als kurz darauf das nächste Angebot folgte, intervenierten ihre Eltern. „Die sagten: ‚Jetzt reicht’s mal. Jetzt machst du erst mal deine Schule.‘“ Eine gute Entscheidung, auch für ihre Schauspielkarriere, wie sich herausstellen sollte. Im Jahr 2000 wurde sie für den Film „Crazy“ im Rahmen von Schulhofcastings entdeckt, erzählt die gebürtige Berlinerin.

          Nach dem großen Erfolg von „Crazy“, ihrem Debüt auf der Kinoleinwand, spielte die damalige Schülerin ein Jahr später im Kinofilm „Mädchen, Mädchen“ eine Hauptrolle. Sie wollte das Schauspielen zum Beruf machen, das wusste sie spätestens, als sie sich für ein Studium an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin entschied. „Während der Schulzeit war es ein Ausnahmezustand, der völlig verrückt war. Während des Studiums wurde das Schauspielen zu meinem Beruf.“

          Karriere als Schauspielerin: Demut und Sachlichkeit

          Ein guter Schauspieler benötige Demut, Teamfähigkeit und ein hohes Maß an Sachlichkeit, sagt Karoline Herfurth. Auch wenn der Beruf sehr emotional sei. „Man muss bereit sein, seelisch die Hüllen fallen zu lassen“, findet sie. „Aber es geht nie darum, sich selbst auszutoben, es geht immer um die Rolle.“ Während ihres Schauspielstudiums lernte sie diesen sachlichen Umgang mit dem Beruf, auch wenn die Zeit sehr nervenaufreibend war, wie sie heute sagt. „Es gab während meines Schauspielstudiums Situationen, in denen ich daran gezweifelt habe, ob ich das wirklich kann“, erzählt sie. „Aber das Scheitern gehörte dazu, um zu verstehen, worum es geht.“ Der Sprechunterricht habe sie beispielsweise zur Verzweiflung gebracht. „Meine Sprechlehrerin sagte einmal: ‚Karoline, vorlesen musst du mir den Text nicht. Das Besondere ist, was ein Schauspieler aus einem Text macht. Wie er die Wörter bebildert, welchen Subtext er hat.‘“

          In der Pause zwischen dem ersten und dem zweiten Jahr des Schauspielstudiums drehte Herfurth fünf Tage „Das Parfum“. Damit schaffte sie auch international den Durchbruch als Schauspielerin. Nach dem Abschluss der Schauspielschule 2008 immatrikulierte sie sich an der Freien Universität Berlin für die Fächer Soziologie und Politikwissenschaft. Ein Kopfstudium, wie sie sagt. „Ich lerne schon immer wahnsinnig gerne – und ich wollte nicht damit aufhören.“

          Die Folge dieser Mehrfachbelastung: „Es gab Situationen, da hab ich morgens in der Maske Aristoteles und Platon gelesen. Oder auch in Drehpausen. Aber gerade politische Texte kann man nicht nebenher lesen.“ Herfurth studiert an der Universität in Teilzeit, um mehr Zeit für den Beruf zu haben. Leistungsnachweise wie beispielsweise Gruppenarbeiten sind zeitlich kaum machbar. Zwischen der Schauspielerei und ihrem Studium an der Freien Universität sieht Karoline Herfurth gewisse Parallelen: „Filme gehören heutzutage zur Sozialisation und prägen sie. Sie schaffen neue Wirklichkeiten. Mit diesen Themen beschäftige ich mich auch im Studium.“

          Heute sitzt Karoline Herfurth im Produktionsbüro für ihren neuen Film in Berlin. Diesmal spielt sie nicht nur die Hauptrolle, sie führt auch selbst Regie. Noch ein Job – ganz ohne Vorstellungsgespräch. Obwohl, ein solches Gespräch hatte Herfurth sehr wohl, und zwar zur Übung, in einem Kurs an der Uni. Sie lacht, als sie davon erzählt: „Mein Bewerbungsschreiben wäre zwischen den anderen einfach untergegangen.“

          Quelle: F.A.Z.

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