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Veröffentlicht: 09.06.2016, 15:15 Uhr

Karriere als Fernsehanwalt Wie wird man eigentlich Fernsehanwalt, Herr Lenßen?

Fernsehserien und ein Spielfilm – Anwalt Ingo Lenßen ist fester Bestandteil der Medienlandschaft. Wie schafft man es vom Gerichtssaal ins Fernsehen?

von Thomas Metschl
© SAT.1 Gold/Katrin Zeidler Anwalt Ingo Lenßen ist ein fester Bestandteil der Medienlandschaft.

Es war ein Tag wie jeder andere in Ingo Lenßens Kanzlei, als er fast seine Fernsehkarriere verpasst hätte. Das Schreiben einer Produktionsfirma, die auf der Suche nach Anwälten für eine Fernsehsendung war, hielt er für unseriös. Und nur weil seine Frau und der Bruder nicht lockerließen, meldete er sich doch bei der Firma zurück – der Beginn seiner TV-Laufbahn.

Wenn der Jurist mit dem auffälligen Bart heute in seiner Kanzlei am Bodensee sitzt, kann er auf eine 15-jährige Karriere im Fernsehen zurückblicken. „Und das, obwohl ich früher nie eine Affinität zur Kamera hatte“, sagt er. Strafverteidiger wollte er hingegen bereits in jungen Jahren werden. Während seiner Schulzeit war er mehrmals Klassensprecher – und Kapitän in seiner Eishockeymannschaft: „So habe ich damals schon für andere Menschen Partei ergriffen und ihre Interessen vertreten.“ Außerdem beschäftigte ihn die Frage nach Recht und Unrecht.

Nach dem Studium in die Selbständigkeit

Rechtswissenschaften studierte Lenßen in Konstanz. Neben Erbrecht und internationalem Recht interessierte ihn besonders Strafrecht. Das Studium sei ihm nicht leichtgefallen, sagt er. Und doch würde er sich heute wieder für Jura entscheiden, parallel dazu aber Wirtschaftswissenschaften studieren. Weil einem dann ein breiteres Berufsfeld offenstehe. Während seines Referendariats zog es ihn ins Ausland, nach Rio de Janeiro. Dort arbeitete Lenßen für ein Jahr in einem Anwaltsbüro. Zurück in Deutschland begann er ein zweites Studium: Europawissenschaften in Saarbrücken. Danach stand er vor der Wahl: „Entweder bin ich als Wirtschaftsjurist im Ausland tätig, oder ich gehe in eine Kanzlei in Deutschland“, erzählt er. Er entschied sich für die Selbständigkeit und eröffnete 1990 gemeinsam mit einem Studienkollegen eine eigene Kanzlei.

Hier bekam er elf Jahre später den entscheidenden Brief. Vom Nachmittagsfernsehen hatte er damals keine Ahnung. Vorbild der neuen Sendung sollte die Show mit Richterin Barbara Salesch sein. „Als ich das gesehen hatte, musste ich schmunzeln und konnte mir überhaupt nicht vorstellen, bei so etwas mitzumachen“, sagt Ingo Lenßen heute. „Ich war aber neugierig und wollte wissen, wie Fernsehen funktioniert.“ Und so ließ er sich auf das Experiment ein.

Schon am ersten Drehtag der Sendung „Richter Alexander Hold“ war ihm klar, dass er gern vor der Kamera steht. „Am Set herrschte eine Leichtigkeit, die mein eigentlicher Beruf schon länger verloren hatte“, erklärt der Jurist. Schließlich folgte das Angebot für eine eigene Sendung. Die Pilotfolge von „Lenßen & Partner“ lief gut: „Sechs Wochen später bot mir der Sender einen Vertrag für 200 Folgen und riet mir, meine Kanzlei zu schließen“, erinnert sich der 55-Jährige. Dass er das trotz der Doppelbelastung nicht getan hat, stellte sich im Jahr 2009, als die Sendung abgesetzt wurde, als Vorteil heraus.

„Learning by doing“

Von Anfang an hielt er sich bei der Schauspielerei an das Prinzip „Learning by doing“, und der Erfolg bestätigte, dass das die richtige Methode war. „Vor der Kamera haben mir aber auch Disziplin und ein gewisser Abstand zu mir selbst geholfen“, erklärt er. Sein juristisches Fachwissen war für seine Fernsehrolle ebenfalls wichtig. „Ein Schauspieler hätte sich in die komplexen rechtlichen Sachverhalte in der kurzen Produktionszeit wohl nicht einarbeiten können.“

Nach dem Serienende ist er dem Fernsehen treu geblieben, produzierte einen Spielfilm, bekam mehrere kleine Sendungen und erschuf das juristische Internetportal Advopedia, für das er heute täglich Videomaterial dreht. Auch seine Kanzlei Lenßen & Partner existiert weiterhin. Was da wohl noch kommt? „Ehrlich gesagt, ist meine neue Liveshow die Spitze der Spannung, und ich möchte einfach so weitermachen. Sollte aber jemand mit einer neuen Idee ankommen, die ich interessant finde, bin ich sofort mit Freude dabei“, sagt er.

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