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Aktualisiert: 03.02.2016, 12:09 Uhr

Lehrstuhlnachfolge Wie wird man Professor, Herr Professor?

Es gibt viele Doktoranden, doch nur wenige Lehrstühle. Professor zu werden, erscheint vielen Studenten daher als unerreichbares Ziel. Wer sich dennoch durchsetzen will, braucht Biss, Visionen und sollte sich schon während des Studiums darin üben, wie ein Professor zu arbeiten.

von Von Marvin Milatz
© ViktorCap/Thinkstock/Getty Images Wie wird man Professor? Der Weg ist weit, bis man einen Lehrstuhl ergattert hat.

Marc Erich Latoschik hat es gut: Der Professor für Human-Computer-Interaction an der Universität Würzburg hat vom Land Bayern Geld für einen neuen Lehrstuhl bewilligt bekommen. Gleich zwei neue Professuren will die Universität zum kommenden Wintersemester besetzen. „Das ist eindeutig der Ausnahmefall“, sagt Latoschik. Höchstens eine von zehn ausgeschriebenen Professuren werde komplett neu eingerichtet, schätzt der Informatiker. Ansonsten werde nur dann ein Lehrstuhl frei, wenn ein altgedienter Professor abdanke. Für Latoschik, der den Auswahlkommissionen vorsitzen wird, beginnt nun ein monatelanger Prozess, an dessen Ende sich zwei Wissenschaftler über eine Beamtenstelle mit allem Drum und Dran freuen können.

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Die Besetzung eines Lehrstuhls ist in Deutschland ein seltenes Ereignis. Neue Professuren sind rar, bereits existierende Lehrstühle werden erst nachbesetzt, wenn ein Professor emeritiert, sprich in den Ruhestand geht. Im Jahr 2013 erreichten 67.117 Bewerbungen auf Professorenstellen die Briefkästen und E-Mail-Eingänge aller deutschen Universitäten und Fachhochschulen. Dem gegenüber standen nur 3.175 Berufungen von Wissenschaftlern an einen Lehrstuhl, das hat die „Gemeinsame Wissenschaftskonferenz“ (GWK), ein Zusammenschluss aus Wissenschafts- und Wirtschaftsministern von Bund und Ländern ermittelt. Nur jede 21. Bewerbung führte demnach zum Erfolg.

Für Studenten scheint es daher schwer vorstellbar, sich eines Tages selbst Professor nennen zu können. Wer es dennoch schafft, hat oft einen langen, steinigen Weg hinter sich. Er hat sich eine Doktorandenstelle erkämpft, hat mit Auszeichnung promoviert, sich danach oft mehrere Jahre über Stipendien als Post-Doc an Universitäten weltweit selbst finanziert. Nebenbei muss er mit exzellenten Ergebnissen geforscht, mehrere Veröffentlichungen von großer akademischer Bedeutung vorweisen. Nicht zuletzt hat ein Professor bewiesen, dass er Forschungsgelder in Millionenhöhe einwerben kann. Da ist es schon fast das geringste Problem, sich zum Schluss mit den Besten der Besten in einer öffentlichen Vorlesung – dem sogenannten Vorsingen – vor Studenten, Professoren und einer Prüfungskommission messen zu müssen. Denn eine gute Lehrveranstaltung muss ein Professor eben auch noch halten können. „Eine Prüfungskommission testet Kandidaten wirklich auf Herz und Nieren“, weiß Latoschik. „Wenn sie jemanden beruft, haben schließlich zumindest einige der Professoren bis zu ihrem Lebensende mit dem neuen Kollegen zu tun.“

Trotz dieser riesigen Hürden wollen viele Studenten an der Uni bleiben. Laut einer Studie des Deutschen Zentrums für Hochschulforschung (DZHW) plant etwa ein Viertel der Doktoranden aus Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und technischen Fächern eine Hochschullaufbahn. Und so aussichtslos es zunächst auch für viele von ihnen aussehen mag: Es gibt durchaus die Möglichkeit, sich auf die akademische Karriere vorzubereiten und letztlich seine Chancen zu verbessern. „Richtig gute Kandidaten können sich eine Professur aussuchen“, bestätigt Latoschik. „Sie haben gleich mehrere Angebote und können dementsprechend selbstbewusst auftreten.“ Wie aber kommt man als Student eines Tages in solch eine Position?

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