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Karrierepfade, Teil 6 : Interview | Wie wird man Verkaufschef bei Adidas, Herr Auschel?

  • -Aktualisiert am

Karriere bei Adidas: Roland Auschel ist Global-Sales-Vorstand bei Adidas. Bild: Adidas AG

Roland Auschel ist Global-Sales-Vorstand bei Adidas. Dabei konnte er sich zu Beginn seiner Karriere einen Job im Vertrieb eigentlich überhaupt nicht vorstellen.

          Es ist das Gefühl der Dynamik, das Roland Auschel liebt. Jenes Gefühl, dass sich das Thema Sport jeden Tag weiterentwickelt, sagt der Global-Sales-Vorstand bei Adidas. Seit Oktober 2013 ist der gebürtige Baden-Württemberger im Vorstand des Sportartikelherstellers aus Herzogenaurach. Seine Leidenschaft für den Sport half ihm sicher auf dem Weg bis in die Vorstandsebene der Drei-Streifen-Marke. Aber: Als Vorstand für Global Sales sollte man auch ein guter Verkäufer sein. Und dieses Ziel hatte Roland Auschel zu Beginn seiner Karriere keineswegs.

          Karriere bei Adidas: Auf keinen Fall Klinkenputzen

          „Als ich 1989 zu Adidas kam, konnte ich mir alles vorstellen, außer Vertrieb“, erinnert sich Auschel und lacht. „Ich dachte beim Thema Vertrieb an Haushaltsvertreter und Klinkenputzen.“ Dass sich diese Einschätzung als falsch erwies, sollte sich erst ein paar Jahre später herausstellen. Zunächst stieg der damals 26-Jährige nach dem Studium in die Strategische Planung bei Adidas ein. „Nach meinem MBA in den USA bewarb ich mich bei 20 Unternehmen. Ich bekam Zusagen von Adidas und Procter & Gamble.“ Obwohl Procter & Gamble den finanziell lohnenderen Einstieg geboten hätte, wählte Auschel den Job bei Adidas. Die Entscheidung für das Unternehmen aus Herzogenaurach fiel auch wegen des damaligen Vorstandsvorsitzenden René Jäggi. „Er war dynamisch, sportlich und hatte eine Vision“, erzählt Auschel.

          Die Verbindung aus Sport und Wirtschaft fasziniert den heute 52-Jährigen schon seit der Schulzeit, denn: „Meine Familie hatte ein eigenes Unternehmen, deswegen war das Thema Wirtschaft immer omnipräsent.“ Als Jugendlicher habe er sich intensiv mit Sport beschäftigt. Er spielte Tennis und Fußball und begann, sich auch für die Vermarktung von Sport zu interessieren. Noch heute treibt Auschel fünf bis zehn Stunden in der Woche Sport. Privat beim Tennisspielen mit der Familie, aber auch im beruflichen Umfeld. „Mit den Kollegen verabrede ich mich im Fitnessstudio. Oder wir starten bei Meetings mit einem Work-out gemeinsam in den Tag.“

          Karriere bei Adidas: Leidenschaft als Karrieretreiber

          Tatsächlich war es auch der Sport, der Roland Auschel dem Thema Vertrieb bei Adidas näher brachte. „Anfang der neunziger Jahre gab es bei Adidas schnelle Entwicklungen. In den ersten Jahren hatte ich mehr als zehn verschiedene Jobs“, erzählt der passionierte Tennisspieler. Zu den Aufgaben gehörte auch der Aufbau des Key-Account-Managements. In seiner damaligen Position hatte er die Verantwortung für die Betreuung der vier weltweit größten Kunden von Adidas. Eines Tages sei er mit dem damaligen Vertriebsleiter laufen gegangen. „Dieser forderte mich heraus: ‚Du machst nur die großen Kunden‘, sagte er. ‚Von den kleinen hast du keine Ahnung‘“, erinnert sich Auschel. „Das hat mich so motiviert, dass ich mich entschieden habe, den Vertrieb von der Pike auf zu lernen.“

          Roland Auschel beim Lauftreff mit Vertretern seiner Global-Sales-Organisation in Schanghai.
          Roland Auschel beim Lauftreff mit Vertretern seiner Global-Sales-Organisation in Schanghai. : Bild: Privat

          Der damalige Vertriebsleiter war Herbert Hainer, der heutige Vorstandsvorsitzende von Adidas. Die wichtigste Lektion, die Auschel damals lernte: Dinge einfach auszuprobieren. Gerade am Anfang des Berufslebens gehe es nicht um Karriere oder Geld. „Jeder Berufsanfänger sollte tief in sich hineinhorchen und sich fragen, was ihm wirklich Spaß bereitet.“ Und wofür er bereit wäre, auch zehn Stunden am Tag zu arbeiten, so Auschel. „Der eigenen Leidenschaft zu folgen ist nicht immer leicht. Aber es lohnt sich.“

          Die Leidenschaft für den Sport sei wesentlich dafür, einen guten Job als Verkäufer zu machen, sagt Auschel. „Ich liebe es, jeden Tag mit dem Thema Sport zu tun haben. Und ich versuche auch meine Mitarbeiter über die Leidenschaft zum Sport zu motivieren.“ So wie Anfang Juli dieses Jahres, als das Meeting mit den Vertretern der Global-Sales-Organisation mit einem gemeinsamen Lauftreff in Schanghai startete.

          Neben dem Sport treibt Roland Auschel die Kundennähe in seinem Job an. „Das Thema Kundennähe fand ich schon immer spannend. Und ich versuche auch heute möglichst nah am Kunden zu sein.“ Ein guter Verkäufer, das weiß er heute, habe wenig mit Klinkenputzen zu tun. Vielmehr sollte er seine Produkte mit Leidenschaft verkaufen können. „Ein guter Verkäufer empfindet diese Leidenschaft nicht nur, er kann sie auch rüberbringen.“ Außerdem benötige man dafür Disziplin – wie ein guter Sportler eben auch. Und schließlich wohl auch einen langen Atem – um den einen oder anderen Lauf mit dem Chef durchzuhalten. Denn der könnte, wie in Auschels Fall, die Karriere verändern.

          Auschels Karrieretipps

          1. Folgen Sie Ihrer Leidenschaft – dann werden Sie immer zu den Besseren gehören.

          2. Das Studium ist keine Einbahnstraße – auch danach gibt es noch jede Menge Wahlmöglichkeiten.

          3. Sprachen sind heute Grundvoraussetzung und kein Differenzierungsmerkmal.

          4. Mobilität ist entscheidend in den ersten Jahren nach dem Einstieg.

          Quelle: F.A.Z.

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