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Karrierepfade, Teil 8 : Wie wird man Vorstand bei KPMG, Christian Sailer?

  • -Aktualisiert am

Christian Sailer ist seit 2014 Bereichsvorstand Audit bei KPMG. Bild: KPMG

Christian Sailer mochte als Schüler keine Mathematik und wollte lieber in einer großen Werbeagentur arbeiten. Trotzdem hat er als Wirtschaftsprüfer Karriere gemacht.

          Ein kleines Apartment, keine 60 Quadratmeter, irgendwo in der Upper East Side, New York City. Aus dem Küchenfenster im 25. Stock reicht der Blick bis zu den Wipfeln des Central Parks und der Skyline der Upper West Side. So oder so ähnlich muss in den Jahren von 1998 bis 2002 Christian Sailers Ausblick aus seiner New Yorker Wohnung gewesen sein. Damals hatte der heutige Head of Audit gerade bei KPMG in New York angefangen, war noch kein examinierter Wirtschaftsprüfer. „Das Geld reichte meist bis zum 20. des Monats“, erzählt er. „Danach war ich oft Stammgast im chinesischen Schnellrestaurant an der Straßenecke.“ Seit diesen Jahren in New York ist in Sailers Karriere viel passiert.

          Christian Sailer sitzt in der futuristischen Cafeteria der Frankfurter Niederlassung von KPMG am Flughafen Frankfurt. Der Raum unter der großen verglasten Kuppel ist eingerahmt von Büro-Stockwerken mit bodentiefen Fenstern. An der Kaffeebar unterhalten sich Männer in Anzügen mit Frauen in Kostümen und High Heels. Christian Sailer setzt sich auf eine der Bänke ohne Lehne, in der Hand ein Kaffeebecher aus Pappe, das Modell „To go“. Das Bild passt gut zu Sailers Lebenslauf. Eine gewisse Aufbruchsstimmung zieht sich durch seine gesamte Karriere.

          Karriere in der Wirtschaftsprüfung: Flexibel sein und Chancen nutzen

          Nach der Schule entschied sich der gebürtige Kemptener zunächst für ein reines BWL-Studium in Nürnberg. Und das, obwohl Mathe in der Schule nicht zu seinen Lieblingsfächern gehört hatte. „Ich mochte Deutsch – Hermann Hesse habe ich immer gerne gelesen“, erinnert er sich. Obwohl er auch Kunst nicht besonders gern mochte, hatte er damals den Berufswunsch, in einer Werbeagentur zu arbeiten. „Ich wollte Werbung für eine große Marke wie Coca-Cola machen“, berichtet er. Deswegen wählte Sailer im Studium den Schwerpunkt Marketing. Unter Wirtschaftsprüfung konnte sich der heute 48-Jährige damals nur wenig vorstellen.

          So fing alles an: Christian Sailer bei seiner Einschulung 1973 in Kempten.
          So fing alles an: Christian Sailer bei seiner Einschulung 1973 in Kempten. : Bild: Privat

          Eher aus Zufall gelangte Sailer dann doch während seines Studiums zur Wirtschaftsprüfung. „Es gab in der Uni einen Aushang für einen Recruiting-Tag bei einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft mit anschließendem Abendessen“, erzählt er. „Zusammen mit einem Freund habe ich mich dafür beworben.“ Im Anschluss an den Recruiting-Tag bewarb sich Sailer für ein Praktikum. „Ich wusste nicht, was mich erwartet, aber ich wollte es ausprobieren.“

          Im Praktikum fand Sailer schnell Gefallen an der Wirtschaftsprüfung. Die ersten Wochen verbrachte er bei Schulungen in Lübeck und Tirol, eines der ersten Mandate im Praktikum führte ihn an den Bodensee. Neben der Reisetätigkeit schätzte er auch noch eine andere Eigenschaft: „In der Wirtschaftsprüfung gibt es Zahlen und Regeln, an denen man sich orientieren kann“, sagt Sailer. „Das empfand ich im Gegensatz zum Marketing als sehr komfortabel.“

          Und so kam es, dass sich Sailer nach seinem Abschluss zum Diplom-Ökonom an der Universität Augsburg für eine Karriere in der Wirtschaftsprüfung entschied. Seine Karriere bei KPMG begann 1995, für eine der ersten Stationen ging es von Augsburg nach New York. Das Geld reichte für ein kleines Apartment in der Upper East Side. Sailers Berufsleben damals war stressig, ständig saß er im Flieger und reiste zu den Kunden quer durch Nordamerika. In dieser Zeit habe er vor allem gelernt, sich selbst zu organisieren. „Oft musste ein Job innerhalb von zwei Tagen erledigt sein. Ansonsten nahm ich die Arbeit noch mit zum nächsten Kunden.“ 

          An einer Vision festhalten

          Nach zwei Jahren schrieb Sailer aus New York sein Wirtschaftsprüfer-Examen und verlängerte danach seinen Aufenthalt in der Metropole um weitere zwei Jahre. „Nach vier Jahren in einer Stadt muss man sich entscheiden, ob man sein Leben dort weiterführen möchte oder nicht.“ Christian Sailer zog mit seiner Frau nach Berlin. Dort arbeitete er in der Grundsatzabteilung. „In Berlin lernte ich, sehr detailliert zu arbeiten und Probleme strukturiert zu lösen.“ Doch nach nur zwei Jahren in der deutschen Hauptstadt zog es Sailer wieder ins Ausland, er hatte Schanghai und Detroit zur Auswahl – und entschied sich schließlich für einen Umzug nach Detroit im US-Bundesstaat Michigan.

          Sailer rät für die Karriere zu Mobilität und mentaler Flexibilität. „Jungen Mitarbeitern rate ich, mutig zu sein, die eigene Komfortzone zu verlassen und die Chancen, die sich bieten, zu nutzen.“ Eines sei jedoch wichtig: immer an einer Vision festzuhalten. „Ich wollte immer international arbeiten und irgendwann eine Führungsaufgabe übernehmen“, beschreibt Sailer seine Berufsziele. Seit 2007 lebt Christian Sailer mit seiner Familie in München, aber das Verlangen nach neuen Herausforderungen, das besitzt er noch immer. „Es ist für mich Stärke und Schwäche zugleich“, sagt er. „Es ist Teil meiner Person und prägt noch immer meine Karriere.“

          Sailers Karrieretipps

          - Bleiben Sie mobil und mental flexibel. Haben Sie den Mut, die eigene Komfortzone zu verlassen und die Chancen, die sich bieten, zu nutzen.

           
          - Halten Sie an einer Vision fest, nicht an einem starren Karriereplan.

           
          - Entwickeln Sie in Phasen der beruflichen Stagnation Durchhaltewillen. Die nächste Chance ergibt sich zur richtigen Zeit.

          Quelle: F.A.Z.

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