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Telekommunikation Glück auf dem Asphalt

07.11.2011 ·  Die Telekommunikationsbranche stagniert. Doch es gibt einen Riesenmarkt, der noch brach liegt: das vernetzte Auto.

Von Peter Trechow
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© dpa Das war ein hochtechnologisches Autocockpit in den Achtzigern: K.T.T.T. kämpfte in der US-Serie „Knight Rider“ mit David Hasselhoff alias Michael Knight gegen das Böse. Das Auto konnte sprechen und faszinierte eine ganze Generation von jungen Fernseh-Zuschauern.

Telekommunikation ist ein schwieriges Geschäft. Die aktuellen Marktdaten liegen auf dem Niveau von 2004. Und das, obwohl es im Mobilfunk dank Smartphones mit Geräteverkäufen und Datendiensten
aufwärtsgeht. Hoffnungen ruhen auf Verkehrstelematik und neuen Datendiensten rund ums Automobil.

Das zweite Jahr in Folge wird der deutsche Telekommunikations-(TK-)Markt 2011 wachsen. Die frohe Botschaft des Branchenverbands BITKOM hat allerdings einen Haken: Nach 0,6 Prozent Zuwachs im Vorjahr erwartet der Verband in diesem Jahr ganze 0,3 Prozent Steigerung. Mit 64,3 Milliarden Euro liegt der TK-Markt damit nahezu exakt auf dem Niveau von 2004.

Im stagnierenden Gesamtmarkt gibt es Gewinner und Verlierer. Zu Letzteren zählen die Hersteller von Festnetztelefonen, deren Markt schon mehrmals hintereinander um eine Milliarde Euro jährlich schrumpfte. Auch Mobilfunk-Anbieter bewegen sich in einem schwierigen Umfeld. Einerseits investieren sie hierzulande rund zehn Milliarden Euro in den Aufbau des LTE-Netzes für mobilen Breitband-Datenverkehr. Auf der anderen Seite schrumpft der Markt für mobile Sprachdienste um fünf Prozent. Dafür brummt dank Smartphones, iPad und leichten Netbooks das mobile Internet. Laut BITKOM verdoppelte sich das übertragene Datenvolumen seit 2009 auf 70 Millionen Gigabyte. Und da Smartphones bei Kunden weiterhin hoch im Kurs stehen, rechnet der Verband bei deren Verkauf mit 24 Prozent Umsatzsteigerung.

Bis 2016 soll es 200 Millionen vernetzte Autos geben
 

In einem stagnierenden Markt gehen solche Zuwächse zu Lasten der Konkurrenz. Wer als Handyanbieter keine Smartphones anbietet, verliert Marktanteile. Und je mehr per Handy telefoniert wird, desto weniger Telefonate können Festnetzanbieter abwickeln. Für die Unternehmen rücken in dieser Marktsituation vor allem zwei Themen in den Vordergrund: Kundenpflege durch differenzierte Angebote und die Suche nach neuen Geschäftsfeldern. Doch gerade das Potenzial im Kundenmanagement ist begrenzt. In einer aktuellen Studie beziffert die Managementberatung OliverWyman die mögliche Gewinnmaximierung durch optimiertes Bestandskundenmanagement auf zwei bis fünf Prozent. Bei stagnierenden bis rückläufigen Umsätzen reicht das gerade, um Verluste zu vermeiden. Geld für Investitionen in Netze, Forschung und Entwicklung oder in die Erschließung neuer Märkte bleibt so kaum hängen.

Die Branche braucht also neue Wachstumsfelder. Und die vermutet sie auf der Straße. Denn die Automobilbranche setzt auf vernetze Fahrzeuge, um ihren Kunden auch am Steuer Internetanbindung und vor allem neue Telematik-Dienste anbieten zu können. Die Oliver-Wyman-Berater prognostizieren, dass bis 2016 weltweit über 200 Millionen vernetzte Fahrzeuge auf den Straßen rollen werden. Heute verfügen erst 45 Millionen Fahrzeuge über entsprechende TK-Systeme.

Ein wichtiges Einfallstor für die Vernetzung sind Notrufsysteme. Ab 2015 müssen alle Neufahrzeuge in der EU mit dem sogenannten „e-call“ ausgestattet sein, der im Falle eines Unfalls automatisch eine Sprachverbindung zur Notrufzentrale aufbaut und zugleich eine SMS mit GPS-Standortdaten, der sensorisch erfassten Schwere des Unfalls und dem betroffenen Fahrzeugtyp an die Zentrale übermittelt. Studien belegen, dass die Rettungskräfte dank des automatisierten Notrufs gerade im ländlichen Raum doppelt so schnell am Unfallort eintreffen – und sich dank der übermittelten Daten schneller am Unfallort orientieren können. Für Verletzte mit hohem Blutverlust oder schlechter Sauerstoffversorgung des Gehirns können so rettende Minuten gewonnen werden. Die EU hofft, mit der E-Call-Pflicht bis zu 2.500 Leben retten zu können. Und nebenbei taugt die Maßnahme zur Beatmung der schwächelnden TK-Branche.

Denn wenn erst einmal jedes Auto über entsprechende Kommunikationsschnittstellen verfügt, lassen sich weitere Datendienste umsetzen. „Im Telematikmarkt stehen alle Zeichen auf Revolution“, erklärt denn auch Matthias Bentenrieder, Automobilexperte bei Oliver Wyman. Das Auto werde künftig eines von zahlreichen smarten Endgeräten in einer vollständig vernetzten Welt. Vorteile für die Nutzer sieht er in besagten E-Call-Systemen ebenso wie in rascher Fahrzeugortung nach Diebstählen, Vorabdiagnosen bei Pannen oder in der Möglichkeit, das Fahrzeug mit PCs, Smartphones oder MP3-Playern zu vernetzen.

„Im Telematikmarkt stehen die Zeichen auf Revolution“


Bisher versuchen Autohersteller den Markt mit eigenen Systemen zu besetzen. In ihrer Studie zweifeln Bentenrieder und sein Team diese Strategie an. Es sei unerlässlich, die Systemarchitekturen sukzessive zu öffnen und so die langwierige Entwicklung neuer Fahrzeuggenerationen von den schnellen Innovationszyklen im Infotainment-Bereich zu entkoppeln. Allerdings werden sich die Autohersteller damit den Wettbewerb von Netzanbietern, Webservice-Dienstleistern, Softwarehäusern und natürlich auch von Endgeräteherstellern ins Auto holen. Die Berater raten ihnen, diese Konkurrenten als Partner mit ins Boot zu holen. Denn trotz des Wachstums sei mit hartem Wettbewerb, engen Margen und rasantem Innovationstempo zu rechnen. Und genau mit solchen Märkten konnten die TK-Unternehmen in den letzten Jahren jede Menge Erfahrungen sammeln. In einem ist Bentenrieder sicher: „Rund um das vernetzte Fahrzeug wird in den nächsten fünf Jahren die Post abgehen.“
 

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