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Was der BND sagt, wenn man sich als Spion bewirbt „Wie werde ich Agent?“

Mit nur dieser einen Frage im Notizblock meldet sich unser Autor beim Bundesnachrichtendienst. Und bekommt tatsächlich einen Interview-Termin. Aber wie führt man ein Gespräch mit Leuten, deren Jobbeschreibung aus den beiden Worten „Nix verraten“ besteht?

© www.spionage.de/oberhasuen Vergrößern

Elias Eichhorn steckt in einem Dilemma. Er soll ein Loblied auf seinen Arbeitgeber singen – und darf gleichzeitig nichts über ihn verraten. Eine undankbare Aufgabe für den Herrn mir gegenüber, der sich Eichhorn nennt und auf keinen Fall fotografiert werden darf. Das Gespräch aufzeichnen? Nein, das geht auch nicht. Mit dem Zitieren ist es ebenfalls so eine Sache: Jeden Satz, den er in der kommenden Stunde von sich geben wird, muss das Bundeskanzleramt vor der Veröffentlichung noch freigeben. Selbst seine Kleidung signalisiert, dass Elias Eichhorn nicht gerade zu Vertraulichkeiten neigt: Der schlaksige 41-Jährige hat sein kurzärmeliges Sommerhemd geradezu demonstrativ bis oben zugeknöpft. Genau so ist er auch: Alles an ihm ist Vorsicht und Kontrolle. Heute muss er aber mal ein bisschen raus aus seiner Deckung, denn Eichhorn soll Werbung für die geheimste Behörde des Landes machen. Von sich und seinem Job erzählen. Aber bloß nicht zu viel. „Wir bieten ungewöhnliche Tätigkeiten an ungewöhnlichen Orten“, sagt Eichhorn. Ein Satz, der so leer ist, dass sich dahinter alles verbergen könnte, vom Animateursjob in den Anden bis zur Undercover-Mission in Nordkorea. „Bei uns hat man viel Abwechslung und gleichzeitig die Sicherheit, die nur eine Anstellung beim Staat bieten kann.“ Wie schön.

Elias Eichhorn arbeitet beim Bundesnachrichtendienst (BND), dessen 6.500 Mitarbeiter die Bundesregierung mit Erkenntnissen über das Ausland, Terrorgruppen und das organisierte Verbrechen versorgen. Dafür braucht der BND ständig Politologen, Islamwissenschaftler, Juristen, Ingenieure, Informatiker, Naturwissenschaftler und andere Akademiker. Auf Jobmessen, im Internet und mit einer hübschen Imagebroschüre wendet sich der Dienst darum an potenziellen Nachwuchs und versucht, Hochschulabsolventen eine Karriere als Agent, Auswerter oder Techniker schmackhaft zu machen.

Ein Job beim Geheimdienst: Das klingt nach Herrschaftswissen und Abenteuer, Weltreisen und Hightech. Nach einer Aufgabe, die einen scharfen Verstand und ein heißes Herz verlangt. Was sind das für Menschen, die in Afghanistan, im Irak oder in Syrien für Deutschlands Sicherheit spionieren und in Pullach und Berlin Lageberichte für die Regierung schreiben? Und wie wird man einer von ihnen? Das wollte ich vom BND wissen. Nach einigem Hin und Her kam tatsächlich eine Gesprächseinladung der einst äußerst verschwiegenen Behörde. Denn der BND hat sich selbst Transparenz verordnet. Und so sitzen mir heute Elias Eichhorn und zwei seiner Kollegen im ansonsten menschenleeren BND-Pressesaal in Berlin-Lichterfelde gegenüber. Eichhorn soll den deutschen Auslandsgeheimdienst bei Kaffee und Mineralwasser als attraktiven Arbeitgeber für Hochschulabsolventen verkaufen. Er kann einem fast ein bisschen leidtun. Denn selbst wenn er wollte – sagen dürfte er ja doch nichts. Nicht einmal seinen Namen: Natürlich heißt der Mann nicht wirklich Elias Eichhorn, aber seine wahre Identität ist topsecret. Und obwohl wir nur im Besucherzentrum am Rand des BND-Geländes sitzen, erklärt Eichhorns Nebenmann, Pressesprecher Dieter Arndt, selbst ein Smartphone zum Sicherheitsrisiko. Dabei ist weit und breit nichts zu sehen außer Stühlen und Tischen. Geheime Aktenordner und BND-Computer befinden sich in sicherer Entfernung hinter einer hohen Mauer auf dem ehemaligen Kasernengelände, das die Berliner Dependance des Dienstes beherbergt. Mich hat man nur in den Vorhof der Geheimniskrämerei gelassen.

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Veröffentlicht: 12.11.2012, 09:00 Uhr

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