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Mobiles Arbeiten : Die große Freiheit?

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Wunsch nach Flexibilität ansprechen

Was also tun, wenn man zu den Menschen zählt, denen dieses Maß an Selbstbestimmung wichtig ist? „Grundsätzlich spricht nichts dagegen, den Wunsch nach flexiblen Strukturen zu äußern“, sagt Karrierecoach Albers. Dazu bieten sich Mitarbeiter- oder Jahresgespräche an, man kann aber auch gezielt um ein Gespräch bitten. „Wem das Thema sehr wichtig ist, der sollte es schon im Vorstellungsgespräch ansprechen“, rät der Experte und gibt zu bedenken,  dass die Bewerbung dann an den Vorstellungen scheitern könnte. Gerade kleinere Unternehmen können oder wollen diesen Erwartungen oft nicht gerecht werden. Albers hat aber auch schon erlebt, dass eigens passende Strukturen für neue Mitarbeiter geschaffen wurden. „Proaktives Vorgehen ist wichtig. Wer nicht fragt, kommt in der Sache nicht weiter.“
In größeren Unternehmen sieht der Experte hingegen ein ganz anderes Problem: „Dort hat man mitunter gar nicht mehr die Wahl, ob man mobil arbeiten will oder nicht.“ Schließlich setzen viele Unternehmen nicht aus Menschenliebe, sondern aus ökonomischen Interessen auf mobile Arbeitsstrukturen. Sie erhoffen sich Einsparungen durch kleinere Büroräume, produktivere Mitarbeiter und die Nutzung eigener Geräte. Das schafft ein neues Spannungsverhältnis zwischen den Unternehmen und den Bedürfnissen der Mitarbeiter. Wer sich bewusst darauf einlässt, sollte sich entsprechend wappnen: „Eigenverantwortliches Arbeiten erfordert ein gutes Management der eigenen Ressourcen, die Fähigkeit, Grenzen zu setzen und trotz unerledigter Arbeit mit gutem Gewissen Feierabend zu machen“, erläutert Albers. Gerade in Zeiten schneller Datenverarbeitung sei der Druck oft enorm, das Arbeitspensum hoch. „Man muss damit klarkommen, nicht immer alles zu schaffen“, sagt Albers. Mobiles Arbeiten ist letztlich also auch eine Typfrage. Was auf den ersten Blick modern, cool und spaßig wirkt, liegt längst nicht jedem: Für manche Menschen sind technische Abläufe, weniger Kollegenkontakt, das Fehlen eines festen Arbeitsplatzes und die etwas unverbindlichen Regelungen eher ein Problem als ein Gewinn.

Eigenverantwortung nimmt zu

Studien zeigen außerdem, dass Mitarbeiter mehr Überstunden machen, je freier sie sind. Fehlt die Stechuhr, mangelt es auch oft an klaren Regelungen zur Arbeitszeit. In diesem Fall drohen Stress und Überlastung durch ständige Erreichbarkeit, Mehrarbeit und die zunehmende Verschmelzung von Freizeit und Beruf. Unterm Strich sind die Anforderungen beim mobilen Arbeiten jedenfalls keineswegs geringer: Zu diesem Ergebnis kommt auch eine Studie der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin und der Deutschen Gesellschaft für Personalführung. Sie zeigt, dass mobile Mitarbeiter deutlich mehr Selbständigkeit, Flexibilität, Verantwortungs- und Leistungsbereitschaft an den Tag legen müssen als normale Bürokollegen. 
Damit die Freiheit nicht zum Fluch wird, rät Albers jungen Bewerbern, auf einen aktiven Betriebsrat, realistische Zielvorgaben und verbindliche Regelungen zur mobilen Arbeit zu achten. Die meisten großen Unternehmen können solche mittlerweile vorweisen. Auch die Unternehmenskultur ist wichtig. Denn was bringen alle Freiheiten, wenn in der Führungsebene noch der Geist der Anwesenheitskultur weht? Mobile Arbeit erfordert besondere Kompetenzen, sowohl vom Arbeitnehmer als auch vom Führungspersonal. Inwieweit sich der Trend fortsetzt, bleibt ohnehin abzuwarten. Die Generation Z hat jedenfalls Forschern zufolge bereits völlig andere Wünsche an die Arbeitswelt. Sie legen Wert auf eine strikte Trennung von Beruf und Freizeit, unbefristete Verträge, geregelte Arbeitszeiten, feste Arbeitsplätze – und einen unantastbaren Feierabend.

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