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Mobiles Arbeiten : Die große Freiheit?

  • -Aktualisiert am

Bild: Illustration: Florian Thiemann

Viele Berufseinsteiger wünschen sich mehr Flexibilität und Freiraum. Große Konzerne nehmen die Wünsche ihrer jungen Mitarbeiter ernst und setzen auf mobile Arbeitsmodelle. Damit die Freiheit nicht zum Fluch wird, sollte man allerdings einiges beachten.

          Lufthansa-Chef Carsten Spohr hält die Präsenzpflicht für ein Auslaufmodell, Dieter Zetsche hat bei Daimler unlängst 100.000 Angestellten eine flexi¬ble Arbeitsgestaltung ermöglicht, und Adidas-Chef Kasper Rorsted ist nicht nur egal, wo seine Mitarbeiter arbeiten – er prophezeit klassischen Bürostrukturen sogar eine düstere Zukunft: „Die Digitalisierung wird das beenden.“ Solche Statements machen deutlich, dass mobiles Arbeiten in den Unternehmen angekommen ist. Die Möglichkeit, unsere Arbeitswelt flexibler zu gestalten, wollen immer mehr von ihnen nutzen. Letztlich haben sie auch keine andere Wahl, wenn sie für junge Talente und im Kampf um Fachkräfte attraktiv bleiben wollen. Die Digitalisierung erfordert Anpassungen, aber auch die Ansprüche der Nachwuchskräfte haben sich verändert. Umfragen zeigen, dass sich drei von vier Arbeitnehmern mehr Freiheiten im Job wünschen und dass Flexibilität als Kriterium bei der Jobwahl immer wichtiger wird. „Der Wunsch nach mehr räumlicher und zeitlicher Freiheit bei der Arbeitsgestaltung ist gerade bei jungen Menschen oft sehr ausgeprägt“, sagt Josef Albers, Diplom-Psychologe und Leiter der Kölner Karriereberatung Kernfindung.

          Mobiles Arbeiten ist allgegenwärtig

          Während der Mittelstand in Sachen mobiler Arbeit noch etwas hinterherhinkt, bieten große Konzerne in dieser Hinsicht meist schon viele Möglichkeiten: „All unsere Mitarbeiter sind unabhängig von der Hierarchie mit Laptops und mobilen Endgeräten ausgestattet und können räumlich und zeitlich frei arbeiten“, sagt Rebecca Hambsch vom Softwarekonzern SAP. „Bei uns gibt es weniger Schreibtische als Mitarbeiter. Statt auf klassische Büros setzen wir auf einen ‚Open Work Space‘. Mitarbeiter wählen ihren Arbeitsplatz dabei jeden Tag neu oder arbeiten von zu Hause aus oder von unterwegs“, heißt es aus dem Hause Lufthansa. Microsoft setzt auf ein ähnliches Modell: „Eine feste Arbeitsplatzzuordnung ist im digitalen Zeitalter überholt; Anwesenheitspflicht gibt es bei uns schon seit drei Jahren nicht mehr“, erklärte Personalchef Markus Köhler in einem Interview. Die Liste ließe sich lange fortführen: Bei Siemens dürfen die Mitarbeiter ohne Angabe von Gründen einen Tag pro Woche von zu Hause aus arbeiten, die Versicherungskammer Bayern bietet ihren Mitarbeitern von überall Zugriff auf das Firmennetz, und bei Bosch pflegen die Mitarbeiter ihre Arbeitszeiten seit 2014 selbst ins System ein. Diese Beispiele zeigen, wie vielfältig die Möglichkeiten des mobilen Arbeitens sind. Sie reichen vom Homeoffice über die freie Arbeitsplatzwahl bis hin zu offen gestalteten Arbeitsräumen. Die Bedeutung von Präsenzpflicht nimmt ab; stattdessen setzen Firmen vermehrt auf Vertrauensarbeitszeit, Zielvereinbarungen, Meetings via Skype, firmeninterne Messenger zur Vernetzung und Tools für digitale Teamarbeit. Auch die Nutzung eigener mobiler Endgeräte wird in vielen Unternehmen gefördert, und dank der Cloud ist der Zugriff auf Firmendaten von überall zu jeder Zeit längst leicht geworden. Der Wunsch, sich in solchen Strukturen zu bewegen, ist ausgeprägt. Claudia Scheerer von der Versicherungskammer Bayern beobachtet das vor allem bei jungen Mitarbeitern: „Zwar bekommen wir auch Anfragen aus der Bestandsbelegschaft, doch für junge Angestellte sind mobile Strukturen oft eine Basisanforderung an den Arbeitsplatz.“

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