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Digitale Studienhelfer : Darf’s ein bisschen weniger sein?

  • -Aktualisiert am

Bild: bokan76/istock/Thinkstock

Studenten brauchen nun mal einen Laptop. Aus Überzeugung, dass es nicht anders geht, bewegen sich ganze Seminare gebückt durch die Flure der Universitäten, auf dem Rücken kiloweise Technologie. Dabei ist mehr nicht immer besser.

          7 Min.

          Nützlich ist ein Laptop, wenn er aufgeklappt auf dem Tisch steht; wenn er klaglos Mitschriften schluckt und aufruft, wenn er PDFs anzeigt, Podcasts abspielt und heimlich Ebay checkt, während der überforderte Tutor auf der Suche nach einem Tafellappen den Seminarraum verlässt. Aber Studieren besteht ja nicht nur aus Stundenplan. Das Wichtigste passiert zwischen den Seminaren. Doch in der Mensa,
          auf der Campuswiese und an der Haltestelle ist der Laptop nichts als ein Ziegel im Rucksack.

          Gut wäre es also, wenn er nicht zu viel wiegen würde. Wer allerdings einfach nur den kleinsten und leichtesten Laptop kauft, der hat im Zweifelsfall einen langsamen Klapprechner mit eingepferchter Tastatur und eingeengten Inhalten auf einem zu kleinen Bildschirm. Wie sieht ein guter Kompromiss aus?

          Notebook-Leichtgewichte

          Dell hätte da einen Vorschlag: Der aktuelle XPS 13 findet eine meisterhafte Balance zwischen Leistung und Mobilität. Dazu sieht er elegant aus, aber nicht langweilig. Der große Hingucker am Notebook ist der Bildschirm. Er ist 13 Zoll groß, steckt aber in einem kleinen Gehäuse. Der knapp 1,3 Kilogramm leichte Laptop bietet mindestens ein brillantes Full-HD-Display mit einem Rand, den man so schmal eher bei einem Smartphone erwartet. Der Rest am Notebook ist stilsicheres Understatement. Das Gehäuse ist mit Aluminium- und Carbonfaser-Elementen gut verarbeitet, die Tastatur wirkt stabil und geräumig, das Touchpad ist ansprechend groß. Was im XPS 13 steckt, hängt vom Modell ab. Es gibt ihn mit einem Touchscreen in höherer Auflösung, mit schnelleren Prozessoren, mit mehr Arbeitsspeicher und größeren SSDs. Doch es müssen nicht immer die schnelleren Prozessoren sein. In der günstigeren Ausstattung kommt der XPS 13 dank sparsamer Komponenten auf beeindruckende Akkulaufzeiten – theoretisch bis zu 22 Stunden. Die Ausdauer reicht also auch für lange Tage, die spät und in fremden WGs enden. Und zugleich spart man noch Gewicht.

          Der XPS 13 von Dell ist ab 1.499 Euro beim Hersteller erhältlich.

          Ein optionaler Touchscreen ist nicht schlecht. Der Lenovo Yoga 720 geht sogar einen Schritt weiter. Das 2-in-1-Gerät ist genauso Tablet wie Notebook – es überzeugt in beiden Disziplinen. Fühlt sich der Wechsel zwischen den Betriebsmodi bei vielen anderen Geräten wie ein Gimmick an, geht er hier schnell und nahtlos. Das Display lässt sich leicht herumklappen, bietet nicht zu viel Widerstand, wackelt aber auch nicht beim eifrigen Tippen – da gibt es auch Geräte in der Luxusklasse, die sich wegen wackliger Scharniere billig anfühlen. Mit einem perfekt platzierten Fingerabdruck-Sensor ist das Convertible außerdem immer ganz schnell entsperrt. Auch gut: Der Sound ist laut und kräftig. So kann man dieses Yogabook nach getaner Arbeit perfekt im Tent-Modus aufstellen und Videos schauen.

          Das Lenovo Yoga 720 ist ab 1000 Euro im Fachhandel erhältlich.

          Wenn auch die Luxusklasse im Budget ist, dann landen Studierende in diesem Semester bei einem ungewöhnlichen Anbieter: bei Microsoft. Der Konzern hat mit dem neuen Surface Book eine edle, originelle Mischung aus Tablet und Notebook geschaffen. Das Modell ist nicht billig, aber es eignet sich perfekt für alle, die es ernst meinen. Schon das ungewöhnliche Bildschirmformat von 3:2 macht klar, dass hier gearbeitet wird. Von dem Bonus in der Vertikalen profitieren keine Videos, sondern lange Texte. Und mit seiner ungewöhnlichen Tastaturbasis ist dieses Convertible eine Ecke ergonomischer als die meisten anderen mobilen Geräte. Den großen Unterschied macht ein kleiner Abstand zwischen Tastatur und Scharnier, das sich nicht flach zusammenfaltet, sondern rollt. Das sieht nicht nur futuristisch aus, es ist vor allem praktisch: Der Bildschirm sitzt etwas stabiler und abgerückt vor den Augen des Betrachters. Und die Tasten berühren auch beim Zuklappen des Surface Book nicht den Screen, sie hinterlassen keine fettigen Fingerabdrücke. Das abgehängte Tablet arbeitet flüssig, aber als Laptop noch eine Ecke flotter. Möglich macht das eine zusätzliche Grafikeinheit im Tastaturdock. Damit und mit dem Touch-Stift ist das Modell auch für Multimedia-Arbeit gut geeignet.

          Das Microsoft Surface Book ist ab 2.600 Euro im Fachhandel erhältlich.

          Aus Smartphone wird Computer

          Der größte Luxus wäre natürlich, überhaupt keinen Laptop zu brauchen. Ist das im Studium überhaupt machbar? Für die meisten Studierenden eher nicht. Aber Besitzer eines Samsung-Smartphones Galaxy S8 können zumindest ein futuristisches Experiment wagen. Unter dem Namen Samsung DeX verkauft der südkoreanische Konzern eine kleine, unscheinbare Dockingstation. Aber statt nur das Handy zu laden, macht DeX einen echten Computer daraus. Der Schritt ist eigentlich naheliegend; technisch gesehen sind moderne Smartphones auch nur Computer in einer anderen Verpackung. Entsprechend muss DeX nicht viel mitbringen, kostet einen Bruchteil des Handys und wiegt nur 230 Gramm. Geboten wird vor allem Anschluss: An die USB-2- und -C-Ports lassen sich Geräte anschließen, an den HDMI-Port ein Bildschirm. Maus und Tastatur finden per Kabel oder Bluetooth zum Handy. Aufbau und Anschluss klappen leicht und schnell, der Computer funktioniert verblüffend gut. Natürlich stößt auch ein aktuelles Smartphone wie das S8 an Grenzen, wenn die Nutzer zu viele Apps auf einmal öffnen. Aber eine reibungslose Erfahrung beim Surfen, Schreiben, Planen und Kommunizieren bietet das runde Dock allemal. Wer seine Notizen dann ab-fotografiert oder gleich diktiert, der steht das Studium vielleicht wirklich ohne Laptop durch.

          Die Angelbird SSD2GO PKT mit 256 GB ist ab 240 Euro erhältlich, 1 Terabyte kostet beim Hersteller 708 Euro.

          Wer Dokumente und Mitschriften im großen Stil fotografiert, der sollte sich nicht mit der Handykamera begnügen. Schneller und schöner geht es mit dem PUP, einem Handscanner. Nach einem großen Crowdfunding-Erfolg steht der verspielte kleine Barren kurz vor dem Verkaufsstart; eventuell können kurzentschlossene Käufer noch billig vorbestellen, bevor sich der Preis fast verdoppelt. Der PUP sieht aus, wie ein Handyakku oder eine Taschenlampe. Auf dem winzigen Display wird kurz ausgewählt, was mit dem Dokument nach dem Scan passieren soll: mailen, online speichern, veröffentlichen? Dann wird der PUP in die Hand genommen, ein roter Leuchtrahmen zeigt Größe und Ausrichtung des Scanbereichs, und mit einem einfachen Knopfdruck wird das Dokument gescannt und verarbeitet. So schnell ging das noch nie.

          Der PUP-Scanner kann unter pup-scan.com noch kurze Zeit für etwa 184 Euro vorbestellt worden. Erhältlich sein soll er gegen Ende des Jahres, dann kostet er 359 Euro.

          Brücken zwischen analogen und digitalen Dokumenten haben auch andere Hersteller gebaut. Bei Moleskine ist das eine echte Überraschung. Denn die Notizbücher (und nicht etwa Notebooks) sind ein Liebhaberstück für Menschen, die nicht gern am Computer tippen. Das Schreiben auf Touchscreens funktioniert inzwischen zwar, aber es wird sich nie so gut anfühlen wie das Gleiten eines Stiftes auf Papier. Und eine gut strukturierte Mitschrift per Hand ist flexibler als jedes Word-Dokument. Dass es trotzdem nicht immer analog geht, hat auch Moleskine verstanden und präsentiert das Smart Writing System. Es besteht aus einem smarten Stift, aus speziellen Papiernotizbüchern und aus Apps für Android oder iOS. Wenn der Stift nun in ein kompatibles Notizbuch oder in den Smart Diary/Planer schreibt, dann wird jeder Strich in Echtzeit erfasst. Und die Notizen leben auf dem Bildschirm weiter: Wie ein Film lässt sich ihr Entstehen abspielen, sie können ganz einfach verändert, modifiziert und geteilt werden. Plötzlich sind die ersten Mitschriften per Hand kein Umweg mehr, sondern ein ebenso sinnlicher wie produktiver Arbeitsschritt. Der Smart Diary/Planner geht noch einen Schritt weiter: Wer hier einen Termin in den Kalender einträgt, findet ihn im Kalender des Handys wieder. Und das sogar mit Handschrifterkennung.

          Preis und Verfügbarkeit für das Lenovo Home Assistant Pack stehen noch nicht fest.

          Die Welt vernetzt sich, Geräte leben um uns herum. Da wirkt nicht mehr die Handschrift altmodisch, sondern die abgekapselte Arbeit am Bildschirm. Eine weitere Verbindungslinie zieht Lenovo mit dem Home Assistant Pack. Hinter dem sperrigen Namen steckt ein kleiner aufstellbarer Lautsprecher mit Mikrofon, in den Tablets der Lenovo-Tab-4-Serie aufrecht eingesteckt werden können. Und dann dürfen die Anwender sich auf dem Sofa zurücklehnen und mit dem Computer sprechen, statt zu tippen. Die Kombination aus dem Sprachassistenten Amazon Alexa und dem Tablet ermöglicht es, Infos und Inhalte vom Kalender über Nachrichten bis zum Video per Sprache zu steuern. Längere Texte werden wohl nur die tapfersten Anwender in den Lautsprecher diktieren, aber für eine kurze E-Mail reicht es durchaus. Mit einer Tastatur zum Tablet ergibt der Home Assistant Pack einen originellen Ersatz für normale PCs.

          Die Samsung EE-MG950 DeX Dockingstation ist für 129 Euro im Handel erhältlich. Voraussetzung für die Nutzung ist ein Handy der Serien Galaxy S8/S8+.

          Speichern für Profis

          Wenn wichtige Daten auf mobilen Geräten her­umgeschleppt werden, dann spielen Speichermedien eine große Rolle. Speckige und verkratzte USB-Sticks sind so billig und so allgegenwärtig wie Einwegfeuerzeuge – und sie halten auch ungefähr so lange. Wer sich auf die Sicherheit der Daten verlassen muss, wer auch mal größere Datenmengen transportiert und wer nicht auf schleppend langsame Kopiervorgänge warten will, der landet schnell bei externen SSD-Laufwerken. Eine besonders starke Vorstellung liefern die mit dem Reddot Award ausgezeichneten SSD2GO-PKT-Laufwerke von Angelbird. Die Laufwerke gibt es in Kapazitäten von 256 Gigabyte bis 1 Terabyte. Den eleganten, aber unscheinbaren Gehäusen sieht man erst gar nicht an, wozu sie dienen. Aber die kompakte Bauweise soll nicht nur gut aussehen: Die SSD2GO ist gegen Magnete, Röntgenstrahlen, Staub, Elektroschocks, Wasser und extreme Temperaturen geschützt. Sie hält viel aus. Auch an die übliche Sollbruchstelle, das USB-Kabel, hat Angelbird gedacht. Das Kabel wird tief in das Gehäuse gesteckt, so dass am Port nichts brechen oder knicken kann. Schnell sind die USB-3-Laufwerke auch. Damit bietet die SSD2Go eine der wenigen Möglichkeiten, mit einem Wechselspeicher Aufsehen zu erregen.

          Das Smart Writing System von Moleskine kostet 229 Euro, der Smart Planner 30 Euro.

          Damit die Daten wirklich sicher sind, reicht allerdings ein gut geschütztes Laufwerk nicht aus. Ein Back-up tut not. Wer die sensiblen Daten, von unveröffentlichten Arbeiten bis zu Partyfotos, nicht auf anonyme, international verteilte Server der großen Cloud-Anbieter laden möchte, der sollte die My Cloud Home von Western Digital mal ins Auge fassen. Die Lösung ist besonders gut für WGs und Wohnheime geeignet, denn die Daten bleiben auch dann sicher, wenn mehrere Menschen darauf zugreifen. Jeder Nutzer bekommt seinen Speicherplatz zugewiesen, auf den nur er oder sie zugreifen kann. Das hübsche Gehäuse erinnert von weitem an einen Lautsprecher. Es wird einfach an Strom und Netzwerk gehängt, schon können je nach Modell zwischen 2 und 8 Terabyte an Daten gesichert werden. Die Box findet auch Verbindung ins Internet und macht Daten so unterwegs zugänglich. Bilder und Dokumente hochladen, Medien unterwegs streamen – alles kein Problem.

          Großen Hörgenuss bringen Musik und Filme in vollen Mensen allerdings selten. Wer auf einem lebendigen Campus ein Fleckchen Ruhe sucht, der sollte sich mal die Ohrhörer WI-1000X mit Geräuschunterdrückung aufsetzen. Die Ohrstecker mit Nackenbügel sitzen besonders bequem und können die Außenwelt erstaunlich gut herunterregeln. Wer gern dicke Ohrmuscheln aufzieht, bekommt mit dem WH-1000XM2 ein Modell mit mehr Tragekomfort und Einstellungsmöglichkeiten. Aber schon das Modell mit Nackenbügel kann per App wunderbar fein eingestellt werden. Es verändert den Klang je nach Umgebung, damit immer möglichst wenig Welt und möglichst viel Musik im Ohr ankommt. Neue Sensoren erfassen sogar den Luftdruck und sorgen dafür, dass die Kopfhörer auch im Flugzeug gut funktionieren. Wer nicht gern über Akkulaufzeiten nachdenkt, bekommt mit dem WH-1000XM2 ein angenehmes Polster – bis zu 30 Stunden halten sie auch bei drahtloser Nutzung durch.

          Die Preise der My Cloud Home von Western Digital reichen von 180 Euro für 2 Terabyte bis 370 Euro für 8 Terabyte.

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