https://www.faz.net/-ihq-9hasd

Digitalkameras : „Im Innenraum hört es bei Smartphones schon auf“

  • -Aktualisiert am

Bild: privat

Was neue Kameras können, erklärt Rico Wolf, Inhaber des Fotofachladens Foto Wolf mit knapp 80 Jahren Erfahrung aus drei Generationen, im Interview.

          Herr Wolf, für Schnappschüsse reicht eigentlich die Handykamera. Ab wann brauche ich mehr?

          Teilweise sind Handys sehr gut, sie haben aber relativ kleine Sensoren. Das ist ein Nachteil. Im Innenraum oder bei Dämmerung oder wenn man zoomen möchte, hört es bei vielen Smartphones schon auf. Einiges sieht auf dem Display vielleicht noch gut aus, aber wenn man sich das genauer anschaut, ist es vorbei.

          Doch das reicht, um die klassische Kompakt­kamera zu ersetzen …

          Ja, das stimmt, die Kompaktkameras werden weniger. Behaupten können sich in dem Segment noch Zoomkameras, weil Handys noch keinen starken optischen Zoom bieten. Und eine Stufe größer gibt es gute Kompaktkameras mit größeren Sensoren. Aber den Bereich unter 200 Euro decken Smartphones schon ab.

          Und darüber?

          Sonst gibt es noch Bridge-Kameras, die sind ein Zwischenschritt zur Spiegelreflex. Man hat eine kompakte Kamera ohne Wechselobjektiv, aber mit starkem Zoom und mit größerem Sensor. Die bleiben im Trend, weil sie einen Brennweitenbereich abdecken, für den eine Standard-Spiegelreflexkamera zwei, drei Wechselobjektive brauchte.

          Und mit Wechselobjektiv kann ich ja auch Systemkameras benutzen. Ab wann lohnen die sich?

          Da geht es bei 500 Euro los. Auf die neuen Systeme von Nikon, Canon und Fuji lohnt sich ein Blick. In der Preislage bis 1.000 Euro findet man sehr gute Systemkameras – auch mit einem größeren Objektiv, mit denen man bei einigen sogar vom Weitwinkel bis Tele alles abdecken kann. Und für mehrere tausend Euro gibt es Systemkameras mit Vollformatsensor und entsprechend lichtstarken Objektiven.

          Aber Kameras mit Vollformatsensor sind eher noch etwas für diejenigen, die Fotografieren sehr ernst betreiben?

          Ja, aber die Preise gehen nach unten. Profikameras entwickeln sich weiter, und die Technik, die etwas älter ist, sinkt im Preis und wird für den Normalverbraucher erschwinglicher.

          Der Knackpunkt bei der Kaufentscheidung bleibt die Sensorgröße?

          Das ist richtig. Je größer der Sensor ist, desto mehr Spielraum habe ich. Wenn das Licht fehlt, wenn ich jemanden mit einem unscharfen Hintergrund freistellen will, ist immer die Frage der Sensorgröße wichtig. Deswegen verbauen jetzt viele Hersteller Vollformatsensoren in Systemkameras.

          Ein beliebtes Kamera-Buzzword ist gerade KI. Kann Künstliche Intelligenz Fotos besser machen?

          Bei uns spielt das Thema keine große Rolle. Gesichtserkennung gibt es schon seit einer Weile, da ist es vielleicht praktisch, wenn Namen automatisch zugewiesen und in Ordner sortiert werden. Aber Verfremdungstechniken oder irgendwelche Automatiken, die etwas schönrechnen, wollen nach meiner Erfahrung nur die wenigsten.

          Meine Handybilder werden inzwischen automatisch in meine Cloud hochgeladen. Können Ihre Kameras das auch?

          Da sind wir noch in der Vorstufe. Es gibt Modelle mit W-Lan-Modul, die sich dann vor allem mit dem Smartphone verbinden. Aber man muss es bewusst freigeben, damit nicht alle Bilder automatisch rübergeladen werden. Nikon Snap Bridge kann Bilder in reduzierter Auflösung automatisch auf das Handy übertragen, damit man sie von dort weiterschicken kann.

          Viele Kameras filmen auch gut. Kommen auch Videofans zu Ihnen?

          Das sind schon noch zwei Welten. Wer sich ernsthaft mit dem Videothema befasst, braucht schnell das Drumherum: Mikrofone, Stative, Software. Deswegen schreckt es viele noch ab. Aber inzwischen kommen schon Videoleute zu uns und kaufen Fotokameras, weil die Sensoren größer sind. Gerade gezielte Unschärfe lässt sich inzwischen oft mit Fotokameras besser umsetzen als mit Videokameras.

          Es gibt einen anhaltenden Retro-Trend. Für wen ist das was? Nur für Insider, die sich nicht weiter für digitale Fotografie interessieren?

          Nein, prinzipiell sind Analogkameras wunderbar geeignet, Grundlagen zu lernen: Was ist eine Verschlusszeit? Was ist eine Blende? Da muss ich bei jedem Bild noch vorher überlegen. Mit automatischen digitalen Kameras kann man das nicht mehr so gut lernen, da knipst man einfach drauflos. Im Analogen ist es ein anderes Feeling: Den Film einlegen, durchfotografieren, entwickeln – das ist für einige Leute viel schöner, als gleich das Bild auf dem Display zu sehen. Die Fotografie ist bewusster. Und die Kameras haben eine ganz andere Haptik.

          Aber analoge Fotografie wird teurer, oder?

          Das stimmt. Die Filme werden weniger, die Entwicklung wird teurer, weil es einfach immer weniger gibt.

          Dann vielleicht lieber eine von diesen auf Retro getrimmten Sofortbildkameras mit angehängtem Drucker? Da werden die Bilder sofort entwickelt.

          Das ist nur zum Spaß geeignet. Die Kameras sind nicht so preisintensiv, aber die Filme kosten im Schnitt ein bis zwei Euro pro Bild. Nach dem Motto: zehn Bilder, zwanzig Euro. Außerdem sind die Bilder klein, und die Qualität ist schlecht.

          Was verkaufen Sie denn einem an Fotografie interessierten Laien, der bei Ihnen in den Laden kommt?

          Na ja, wir machen zunächst eine Bedarfsanalyse. Wir empfehlen Modelle nach den Bedürfnissen der Kunden, markenfrei und unabhängig. Dafür gibt es ja Fachgeschäfte: Sie können auch online irgendetwas Beliebtes kaufen, aber es passt vielleicht nicht zu Ihnen.

          Das Interview führte Jan Bojaryn.

          Topmeldungen

          Bayern 3:3 in Amsterdam : „Ein sensationell gutes Spiel“

          Beim 3:3 der Münchner in Amsterdam spielt der Fußball verrückt. Trainer Niko Kovac ist zufrieden. Doch die Partie offenbart einige Baustellen beim FC Bayern. Vor allem einer spricht sie an.

          Vor EU-Gipfel in Brüssel : Maas bleibt hart bei Brexit-Vertrag

          Nach ihrem überstandenen Misstrauensvotum will Theresa May das Brexit-Abkommen in Brüssel nachverhandeln – doch dafür sieht die Bundesregierung kaum Chancen. Man sei „auf alles vorbereitet“, sagt der Außenminister.