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Berufsunfähigkeit : „Junge Menschen sichern sich niedrige Einstiegsprämien“

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Bild: BdV

Warum schon Studierende eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen sollten, erklärt Kim Paulsen, Pressereferent beim Bund der Versicherten.

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          Herr Paulsen, solange man studiert, muss man sich noch nicht gegen eine Berufsunfähigkeit absichern. Oder doch?

          Man muss nicht. Empfehlenswert wäre es aber schon. Junge Menschen sind gesünder als ältere. Somit ist die Einstiegsprämie niedrig, und man sichert sich langfristig einen niedrigen Beitrag zur Versicherung. Noch ein Punkt: Die gesetzliche Absicherung ist ungenügend. Eine Erwerbsminderungsrente vom Staat bekommt man frühestens, nachdem man fünf Jahre in die gesetzliche Rentenkasse eingezahlt hat. Jemand, der direkt nach dem Studium erkrankt, hat ohne private Absicherung also keinen Schutz.

          Aber als Akademiker wird man doch wahrscheinlich einen eher ungefährlichen Beruf ergreifen. Warum braucht man dann eine Berufsunfähigkeitsversicherung?

          Weil man nicht nur durch einen Arbeitsunfall berufsunfähig werden kann. Gerade wer am Schreibtisch sitzt, kann später psychische oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen bekommen. Auch Probleme mit dem Rücken sind oft der Grund für eine Berufsunfähigkeit. Unfälle dagegen sind in weniger als zehn Prozent der Fälle die Ursache.

          Wenn man Allergien hat oder schon jung krank ist – bekommt man dann überhaupt eine Berufsunfähigkeitsversicherung?

          Ja. Es gibt die Möglichkeit, einen Aufschlag für die Krankheit zu bezahlen oder sie aus dem Versicherungsschutz auszuschließen. Wäre die ausgeschlossene Krankheit also die Ursache für die Berufsunfähigkeit, würde die Versicherung nicht bezahlen. Genau darum raten wir dazu, einen Aufschlag zu bezahlen. Denn wenn beispielsweise der Rücken schon beim Abschluss der Versicherung Probleme macht, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass er später der Grund für eine Berufsunfähigkeit ist.

          Muss man bestehende Krankheiten beim Abschluss der Versicherung angeben?

          Ja. Man muss die sogenannten Gesundheitsfragen wahrheitsgemäß und vollständig beantworten, am besten mit Hilfe eines Arztes. Stellt sich später heraus, dass man nicht die Wahrheit gesagt oder vielleicht einen dummen Fehler gemacht hat, kann es sein, dass die Versicherung nicht bezahlt. Darum sollte man sich die Patientenunterlagen der vergangenen fünf oder zehn Jahre ansehen. Die bekommt man von der Krankenkasse oder von den Kassenärztlichen Vereinigungen. Bei den Krankenkassen gibt es hierbei große Unterschiede. Darum sollte man sich bei der eigenen Versicherung erkundigen, wie man am besten vorgeht, um die Patientenakten zu bekommen.

          Wie findet man die passende Versicherung?

          Es geht bei der Berufsunfähigkeitsversicherung um viel Geld. Darum sollte man sie nicht zwischen Tür und Angel abschließen. Sinnvoller ist es, sich von einem unabhängigen Versicherungsberater oder einer Verbraucherschutzorganisation beraten zu lassen. Versicherungsberater können zudem bei verschiedenen Gesellschaften anonyme Risikoanfragen stellen. So erfährt man, inwieweit man auch mit einer gesundheitlichen Einschränkung oder einem gefährlichen Hobby beim angefragten Versicherer angenommen werden würde.

          Was tun, wenn man später feststellt, dass die Berufsunfähigkeitsversicherung sehr teuer ist oder eine andere Gesellschaft bessere Konditionen bietet?

          Mit zunehmendem Alter wird es zwar oft schwieriger, die Versicherung zu wechseln, es ist aber möglich. Wenn der Gesundheitszustand kein Problem ist, sollte man seine Versicherung ab und zu unter die Lupe nehmen. Beispielsweise wenn sich die Lebensumstände geändert haben oder wenn ein neues Gesetz gilt. Dann sollte man sehen, ob man noch richtig und gut abgesichert ist.

          Bei der Berufsunfähigkeitsversicherung gibt es auch eine Dynamisierung: Dabei steigt die Prämienhöhe jährlich. Ist das sinnvoll?

          Ja. Es wird bei der Dynamisierung angenommen, dass auch das Gehalt und die Lebenshaltungskosten steigen. Allerdings muss man nicht jede Erhöhung mitmachen. Man kann ihr beispielsweise zweimal widersprechen, muss dafür aber im dritten Jahr wieder zustimmen. Denn dreimal hintereinander darf man die Dynamisierung nicht aussetzen.

          Das Interview führte Bettina Blass.

          Mehr Informationen zur Berufsunfähigkeitsversicherung

          Bund der Versicherten:
          www.bundderversicherten.de

           

          Verbraucherzentrale:
          www.verbraucherzentrale.de
           

          Gesamtverband der Deutschen
          Versicherungswirtschaft (GDV):
          www.dieversicherer.de
           

          Deutsche Rentenversicherung:
          www.deutsche-rentenversicherung.de

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