https://www.faz.net/-i7g-9j753

Asien für Berufseinsteiger : Mit Spezialwissen und Beharrlichkeit

  • -Aktualisiert am

Berufseinstieg in Japan: Das klappt vor allem dann, wenn sich Interessierte früh­zeitig mit den Gepflogenheiten des Landes vertraut machen. Bild: yongyuan/iStock;

Der Berufseinstieg in Asien ist nicht immer einfach – trotzdem können die „kleinen Tiger“ und Hightech-Länder Asiens lohnende Ziele für Absolventen sein.

          In Asien nicht nur Urlaub machen, sondern gleich dort arbeiten? Das könnte für den ein oder anderen Berufseinsteiger eine spannende Option sein. Denn in Hongkong, Singapur, Südkorea, Japan und Taiwan ist der Lebensstandard hoch – und auch in Sachen Gehalt und Arbeitsbedingungen stehen diese Länder vergleichsweise gut da. Sie sind extrem innovationsbereit – das kommt Absolventen der MINT-Fächer entgegen –, und auch das Bewerbungsprozedere ist in Zeiten der Globalisierung international nahezu einheitlich. Doch wie realistisch ist der Berufseinstieg in einem asiatischen Land tatsächlich?

          Ganz ohne Herausforderungen ist der Einstieg vor Ort nicht. Zum einen gehen von den Universitäten dieser Länder selbst viele Naturwissenschaftler und Techniker auf hohem Niveau ab: „Rund 70 bis 80 Prozent eines Jahrgangs studieren in Südkorea“, berichtet beispielsweise
          Susanne Woehrle, Project Manager Ausbildung der Deutsch-Koreanischen Industrie- und Handelskammer (AHK Korea); in den anderen aufstrebenden Ländern Asiens sehe es nicht anders aus, das sorge für Konkurrenz.

          Wer in Hongkong beruflich einsteigen möchte, muss wissen, dass er vor allem mit spezifischem Know-how punkten kann.

          Auslandssemester als erster Schritt

          Aus der Ferne tun sich Bewerber ohnehin schwerer, denn Beziehungen spielen in Asien ganz allgemein eine große Rolle. Was nicht unbedingt mit Vetternwirtschaft zu tun hat – alle hier genannten Länder stehen in dieser Hinsicht sehr gut da –, sondern eher mit der kulturellen Ferne. Wird der Bewerber sich im fremden Umfeld einfügen? Kennt er die lokalen Gepflogenheiten? Arbeitsmarktexperten aller genannten Länder empfehlen daher unbedingt, entweder ein Auslandssemester einzulegen oder ein Praktikum vor Ort zu absolvieren. Und das nicht nur, um die potentiellen Arbeitgeber kennenzulernen, sondern auch, so Axel Limberg, Delegierter der
          deutschen Wirtschaft bei der AHK Taipei, „um herauszufinden, ob man sich im fernöstlichen Kulturraum wirklich wohl fühlt. Denn es gibt natürlich schon kulturelle Unterschiede.“ Neben diesen „Hürden“ zeichnen sich die Länder durch regionale Besonderheiten am Arbeitsmarkt aus.

          Singapur: Multikulti auch auf dem Arbeitsmarkt

          In Sachen Sprache ist Singapur – theoretisch – ein Heimspiel: Sehr gutes Englisch reicht in der Regel aus, um in Singapur nicht nur zu arbeiten, sondern sich auch langfristig zu Hause zu fühlen. Im MINT-Bereich „gibt es sicher Bedarf“, erklärt Franz-Josef Kleideitert, Managing Director bei Kienbaum. Trotzdem seien europäische Bewerber nicht unbedingt die erste Wahl der Arbeitgeber. „Der Direkteinstieg ist ausgesprochen schwierig, denn ausländische Absolventen konkurrieren mit Bewerbern aus China und Indien, die nicht nur sprachliche Vorteile mitbringen, sondern auch mit kultureller Nähe punkten.“

          In dem multikulturellen Staat schadet es eben doch nicht, wenn man Chinesisch spricht (so wie die meisten Singapurer) oder Tamil, denn auch die Inder stellen einen wichtigen Teil der Bevölkerung. Bedarf an Arbeitskräften gibt es in Singapur durchaus; vor allem dann, wenn der Bewerber schon etwa Erfahrung mitbringt: „Vorzugsweise in der Region“, ergänzt Kleideitert. Auch er empfiehlt ernsthaft Interessierten, erst ein Semester in Singapur zu studieren oder ein Praktikum zu machen. Zudem gelte die Vorrangregelung: „Der Arbeitgeber muss nachweisen, dass auf dem lokalen Arbeitsmarkt kein geeigneter Kandidat gefunden werden konnte. Das zieht mitunter einen größeren Aufwand nach sich, den Arbeitgeber scheuen“, erklärt Kleideitert. Besondere Kenntnisse, die den Bewerber aus der Menge hervorheben, seien unbedingt von Vorteil, wenn nicht sogar eine Grundvoraussetzung.

          Taiwan: Technologischer Spitzenreiter

          „Die Wirtschaft brummt, es herrscht großer Bedarf an Arbeitskräften aus dem MINT-Bereich, aber vorzugsweise aus den eigenen Reihen“, erklärt Limberg. Vor allem im Bereich Halbleitertechnik und Elektrotechnologie steht Taiwan an der Weltspitze. Obwohl gute Chinesisch-Kenntnisse langfristig von großem Vorteil sind, gibt es durchaus Unternehmen, in denen Arbeitnehmer auf Englisch klarkommen. Sicher ist: Spezialkenntnisse sind auch hier der Schlüssel zum lokalen Arbeitsmarkt für ausländische Absolventen – und gute Kontakte, wie man sie nur bei einem längeren Aufenthalt bekommt. Dies sollte man rechtzeitig planen, denn auch „ein Praktikum ist nur möglich, solange der Praktikant noch immatrikuliert ist“, hält Limberg fest. Später ändere sich der aufenthaltsrechtliche Status, und man brauche eine reguläre Arbeitserlaubnis. Diese gibt es generell für Bachelorabsolventen erst ab zwei Jahren Berufserfahrung, Masterabsolventen sind von dieser Regel ausgenommen.

          Japan: Kulturerfahrung gewünscht

          Die Mär, japanische Unternehmen würden nie und nimmer einen Ausländer einstellen, stimmt so nicht mehr. Schwierig ist es dennoch, denn nicht ganz zu Unrecht vermuten viele Personaler, Ausländer seien nicht mit den japanischen Gepflogenheiten vertraut. Japan-Erfahrung, egal ob durch einen Austausch oder eine bisherige Zusammenarbeit erworben, kann hilfreich sein. Essentiell sind auch gute Sprachkenntnisse, meist wird in Stellenanzeigen explizit Level 2 des Japanese Language Proficiency Test (JLPT) verlangt. Um dieses Niveau zu erreichen, muss man schon recht lange lernen und wirklich eine Unterhaltung führen können, die über die täglichen Floskeln hinausgeht. Allerdings gibt es gerade im Bereich Technik, Digitalisierung und Informatik durchaus auch Arbeitsangebote, die ohne Japanisch-Kenntnisse auskommen.

          Rechtliche Beschränkungen erschweren auch in Japan den Zugang: Ausländische Bewerber müssen mindestens ein vierjähriges Studium vorweisen, also ein Diplom oder einen Masterabschluss. In jedem Fall lohnt es sich, vor der Stellensuche nach Japan zu fahren. Auf Messen und in Business-Vereinigungen lassen sich schnell Kontakte knüpfen. Falsch wäre es allerdings, die Suche nur auf den Großraum Tokio zu beschränken. Gerade im Norden des Landes sind die Menschen ausländischen Bewerbern gegenüber offen eingestellt.

          Hongkong: Sprachlich kompliziert

          Als Dienstleistungszentrum ist Hongkong kein Topziel für Absolventen der MINT-Fächer, obwohl es natürlich auch hier immer Bedarf in den Forschungs- und Entwicklungsabteilungen gibt. „Ob bei der Stellensuche oder einer Geschäftspartnersuche – Kaltakquise ist selten erfolgreich. Im hiesigen Kulturkreis zählt die Herstellung eines Kontaktes durch einen Mittler sehr viel, in den Umgangsformen wie auch als vertrauensbildende Maßnahme“, erklärt Wolfgang Ehmann, Execu­tive Director der AHK Hongkong. Auch sprachlich hat sich Hongkong in den vergangenen Jahren verändert: War in technischen und naturwissenschaftlichen Berufen früher eher Englisch die Arbeitssprache, vollzieht sich hier derzeit ein Wandel: Je mehr die vollständige Übergabe an die Volks-
          republik China näher rückt, desto wichtiger werden Kenntnisse des Hochchinesischen und des lokalen Kantonesisch. Doch auch Ehmann sieht Ausnahmen: „Spezifisches Knowhow eines Kandidaten wiegt mangelnde Sprachkenntnisse im Zweifel auf, und es gibt eine ganze Reihe von Tätigkeiten, die sich auf andere Märkte in Asien richten, die von Hongkong aus gemanagt werden.“

          Südkorea: Spezialwissen gefragt

          Keine Frage, Südkorea ist ebenfalls ein Hightechland. „Besonders begehrt sind Qualifikationen im Bereich Automatisierung, Robotics und neue Techniken“, erklärt Susanne Woehrle, Project Manager Ausbildung der AHK Korea. Gleichzeitig gibt es auch in Südkorea eine beachtliche Konkurrenz im MINT-Bereich. Auch Antje Resech, Vice President der AHK Korea, unterstreicht: „In den vergangenen Jahren kamen jeweils rund zwei Drittel der eingestellten ausländischen Personen in südkoreanischen Unternehmen aus dem IT-Bereich sowie aus dem technischen Bereich, zum Beispiel aus dem Ingenieurwesen.“ Solide Sprachkenntnisse sind gerade in kleineren Unternehmen wichtig. „Agiert das südkoreanische Unternehmen auf internationaler Ebene, könnte es auch vorkommen, dass der Bewerber mit keinen oder geringen koreanischen Sprachkenntnissen für die Stelle angenommen wird“, so Resech weiter. Susanne Woehrle schlägt als Alternative den „Einstieg in eine ausländische Firma vor Ort“ vor. „Für die Unternehmen ist das eine attraktive Alternative, denn dies geschieht zu lokalen Bedingungen und ist damit günstiger als eine Entsendung aus dem Ausland nach Südkorea.“ Ein guter Anknüpfungspunkt sei die AHK Korea, erklärt sie weiter: „Wir helfen bei der Suche nach einem Arbeitgeber und reichen die Bewerbung weiter.“

          Resech empfiehlt Uniabsolventen, die „Job Fair“ in Seoul zu besuchen, die internationalen Talenten eine Beschäftigungsmöglichkeit in Südkorea bieten soll. Auch die Kotra (Korea Trade-Investment Promotion Agency) ist eine Möglichkeit für internationale Uniabsolventen, mit südkoreanischen Unternehmen in Verbindung zu treten. Die „Contact Korea“, die innerhalb der Kotra gegründet wurde, soll südkoreanische Unternehmen bei der Suche nach internationalen Fachkräften unterstützen sowie internationale Fachkräfte bei der Suche nach einem Job in Südkorea helfen, erklärt Resech. Auch der südko­reanische Staat prüfe allerdings, ob es nicht einen Einheimischen gebe, der dieselbe Qualifikation mitbringe.

          Warm stieg in Korea ein

          Einer, der es – allen Hürden zum Trotz – ausgerechnet in Südkorea geschafft hat, ist Henrik Warm. Nach dem Studium der Versorgungs- und Energietechnik in Berlin zog es ihn aus Interesse an der koreanischen Kultur nach Südkorea. „Ein bisschen Koreanisch konnte ich schon, ich hatte ein Jahr an der Uni nebenbei einen Kurs belegt.“ Genug, um sich im Land zurechtzufinden, aber sicher nicht genug, um sich am Arbeitsplatz zu verständigen. „Ich habe mich sehr, sehr oft auf Englisch beworben. Mein Glück war letztlich, dass ich mich mit einer Software für Simulationen in der Gebäudetechnik gut auskannte. Darüber habe ich schließlich einen Arbeitsplatz in einem Ingenieurbüro für Gebäudetechnik gefunden, der allerdings von vornherein auf sechs Monate ausgelegt war.“ Wenig später gelang es dem heute 42-Jährigen noch mal, die Sprach- und Kulturhürde zu nehmen. Nach einem zweijährigen Intermezzo in Deutschland bewarb er sich in Japan bei einem deutsch-japanischen Jointventure. Diesmal waren es Spezialkenntnisse in der Klimatechnik für Automobile, die ihn aus der Menge hoben. Mittlerweile ist er beim TÜV Rheinland Japan Ltd. als Leiter der Zertifizierungsstelle für Produkte für Asien/Pazifik beschäftigt. Dem Kontinent ist er also treu geblieben. Sein Tipp für die asiatischen Länder: sich um ein Young-Professional-Stipendium bemühen, um erst einmal vor Ort Fuß zu fassen.

          Lokale Jobbörsen

          Auch wenn auf internationalen Websites mittlerweile viele Stellen in Asien ausgeschrieben werden, sind auch die lokalen Jobbörsen lohnenswert. Hier einige Beispiele:

           

          Hongkong

          www.jobsdb.com.hk

          nach Branchen sortiert

          hk.jora.com

          chinesische und englische Jobsuche

           

          Taiwan

          www.jobsintaipei.com

          Jobbörse für englischsprachige Ausländer, vor allem in Taipei

          taiwan.xpatjobs.com

          landesweite Suche für ausländische Bewerber

           

          Japan

          jobs.gaijinpot.com

          Jobbörse für englischsprachige Ausländer

          www.careercross.com/en

          Jobsuche nicht nur nach Branche, sondern auch nach dem erforderlichen Sprachniveau

           

          Singapur

          www.stjobs.sg

          rund 30.000 Angebote im Stadtstaat

          www.jobstreet.com.sg

          mehr als 60.000 Angebote für alle Branchen

          jobscentral.com.sg

          Portal mit vielen Hintergrundinfos

           

          Südkorea

          www.jobsee.kr

          ausführliche Jobbeschreibungen

          www.arjk.net

          Jobs im akademischen Umfeld und in der Forschung

          Topmeldungen

          Trump und die Steuern : Ein Präsident zieht vor Gericht

          Seit Donald Trump im Amt ist, fordern die Demokraten, dass er seine Steuererklärungen veröffentlicht. Jetzt klagt der Präsident, damit ihn der Kongress nicht dazu zwingen kann.