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China-Kompetenzen : Fit für das Reich der Mitte

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Kalligraphische Augenweide: chinesische Schriftzeichen. Wer sie tatsächlich selbst schreiben oder lesen können will, braucht einiges an Übung. Bild: picture alliance / ZUMA Press

Gerade bei Auslandseinsätzen in China sind Ingenieure gefragt – so heißt es zumindest. Was ist dran? Und was sollten ideale Kandidaten mitbringen?

          Ingenieur/-in im internationalen Vertrieb, Länderbetreuung China“ oder „Projektleiter Industrialisierung China, Shenyang“: Solche Ausschreibungen bringen angehende Ingenieure ins Träumen. Wie wäre es mit einigen Jahren im Reich der Mitte? Einfach mal über den Tellerrand schauen, Exotik schnuppern und Auslandserfahrungen sammeln. Rein statistisch gesehen, stehen die Chancen gar nicht so schlecht: China ist nicht nur ein wichtiger Produktionsstandort deutscher Unternehmen, sondern zunehmend auch ein bedeutender Absatzmarkt – und Ingenieure sind in China nach wie vor besonders gefragt, wenn auch die Anforderungen gestiegen sind.

          Noch vor zwanzig Jahren waren die Grundvoraussetzungen für einen Auslandseinsatz in China – neben der fachlichen Qualifikation –
          ziemlich leicht zu erreichen: Sehr gute Englischkenntnisse, Bereitschaft zum Reisen und ein bisschen Abenteuergeist galten für deutsche Techniker und Ingenieure als Ticket nach Fernost. Vor Ort rangierten die Expats, also all jene, die als Expatriates außerhalb ihres Heimatlandes arbeiten, aufgrund ihres Seltenheitswertes irgendwo zwischen bunter Hund und Wunderkind.

          Doch die Anforderungen haben sich geändert, China ist selbstbewusster geworden. Nicht zuletzt weil das Reich der Mitte mittlerweile selbst über eine ganze Reihe sehr guter Hochschulen verfügt und nahezu unbemerkt Europa hier und da, zum Beispiel bei der digitalen Vernetzung oder im E-Commerce, sogar überholt hat. Gleichzeitig haben auch die deutschen Unternehmen dazugelernt: Sprach- und Kulturkenntnisse, die noch vor zwanzig Jahren bestenfalls als nette Zusatzqualifikation galten, sind heute auf der Prioritätenliste ein gutes Stück nach oben gerutscht: Eine Internetsuche nach den Begriffen „Stellenangebot China, Ingenieur“ zeigt schnell einen wichtigen Trend: „Gute Basiskenntnisse des Chinesischen“ lautet eine weitverbreitete Voraussetzung – die im Übrigen gar nicht so unrealistisch zu erreichen ist. Zwar gilt Chinesisch noch immer als schwer erlernbar, doch dies ist nur begrenzt richtig (siehe Kasten). Logisch, dass der potentielle Arbeitgeber bei Sprachkenntnissen auch von einer gewissen kulturellen Sensibilität ausgeht.

          Mindestens genauso oft findet man den Satz: „Sie sprechen Chinesisch auf muttersprachlichem Niveau“, was im Grunde nichts anderes bedeutet als ein verstecktes: „Sie sollten chinesischen Ursprungs sein“, schließlich verlassen nur die wenigsten Deutschen die Universität mit solch hervorragenden Sprachkenntnissen. Anzeigen, in denen die Sprachkenntnisse keine Erwähnung finden, machen nicht einmal die Hälfte aus.

          Nicht nur „Chinesisch verstehen“

          Diplom-Ingenieur Axel Kruse, seit 15 Jahren in China für einen deutschen Sportartikelhersteller tätig und mittlerweile selbst des Chinesischen mächtig, kann dies bestätigen: „Vor allem mündliche Sprachkenntnisse sind essentiell. Man muss nicht unbedingt eine perfekte Präsentation auf Chinesisch hinlegen können, aber man sollte schon grob verstehen, worüber gesprochen wird. Niemand stellt dem Ausländer heute noch über Jahre hinweg einen Übersetzer zur Seite.“ Lesen und Schreiben, die eindeutig schwierigeren Disziplinen, hält Kruse dagegen für zweitrangig. Wenn es an den Chinesischkenntnissen hapert, sollten zumindest „flüssige Englischkenntnisse vorhanden sein und die Bereitschaft, sich schnell sprachlich einzuarbeiten“, so Kruse weiter.

          In Anbetracht dieser hohen Anforderungen wundert es wenig, dass „deutsche Firmen heute vorrangig nach chinesischen Absolventen europäischer Universitäten suchen“, erklärt Dirk Mussenbrock, Geschäftsführer des auf China spezialisierten Recruitingdienstleisters Mussenbrock & Wang. „Sie haben den Vorteil, dass sie beide Seiten gut kennen, natürlich beide Sprachen sehr gut beherrschen und auch in kultureller Hinsicht keine Einarbeitung brauchen.“ Zudem, so erläutert Mussenbrock weiter, „wird die Vorrangprüfung in China mittlerweile sehr strikt durchgezogen“. Ausländische Unternehmen müssen also nachweisen, dass kein geeigneter chinesischer Kandidat gefunden werden konnte. Das ist nicht ungewöhnlich, erklärt Stefan Geiger, Geschäftsführer des gemeinnützigen Vereins Chinaforum Bayern: „Generell passt sich China an die internationalen Gepflogenheiten an, auch in dieser Hinsicht.“ Erschwerend kommt hinzu, dass es seit kurzem keine Visumskategorie für Praktika mehr gibt, ergänzt Mussenbrock, damit reduzieren sich die Möglichkeiten, deutsche Nachwuchskräfte China-Luft schnuppern zu lassen.

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