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Vor Publikum : Vorträge meistern

  • -Aktualisiert am

Bild: André Gottschalk

Wie aus einer guten Präsentation eine exzellente wird – und was man gegen Nervosität tun kann.

          3 Min.

          Es spielt keine Rolle, ob man gern vor Publikum spricht oder nicht – um Vorträge, meist in Form von Referaten, kommt man an der Uni nicht herum. Für viele Studenten bedeutet das schlaflose Nächte und zahlreiche Stunden der Nervosität. Sie haben Angst, den Ansprüchen der Profs nicht gerecht zu werden, die Kommilitonen zu langweilen oder gar kein Wort herauszubringen. An der Freien Universität (FU) Berlin schafft in diesem Fall beispielsweise der Workshop „Referate halten ohne Angst“ der psychologischen Beratung Abhilfe.

          „An erster Stelle steht natürlich die inhaltliche Vorbereitung“, erklärt Brigitte Reysen-Kostudis von der FU Berlin. „Wer sich gut im Thema auskennt, tritt automatisch sicherer auf.“ Oftmals, räumt die Psychologin ein, machten sich die Studenten dabei zu wenige Gedanken darüber, warum sie sich für ein bestimmtes Thema gemeldet haben. Sie rät: „Arbeiten Sie Referate nicht passiv ab, sondern überlegen Sie sich aktiv, welche Aspekte Sie an einem Thema besonders interessieren. Das ist die beste Grundlage für einen
          guten Vortrag.“

          Ist der thematische Fokus gesetzt, geht es an den Aufbau. Dabei kann man sich, so Coach Ole Tillmann, an Zeitungs- oder Blogartikeln orientieren: Headline, Subheadline, Kapitel, Kapitel, Kapitel, Zusammenfassung. Ein guter Vortrag hat demnach einen klaren Anfang, einen ausführenden Mittelteil und ein erkennbares Ende. Essentiell sind klare Formulierungen und kurze, nicht verschachtelte Sätze. Damit die Zuhörer folgen können, aber auch, damit man es sich selbst nicht schwerer macht als nötig. Wer seinen Vortrag besonders lebendig gestalten möchte, kann zwischendurch direkte Ansprachen ans Publikum einplanen und beispielweise um Handzeichen zu Fragen bitten.

          Erster Schritt: Text und Folien

          Ebenfalls Teil der Vorbereitung ist die Gestaltung der Folien. Diese sind bei Vorträgen ab 20 Minuten Standard und sollten vor allem übersichtlich gestaltet sein. Powerpoint bietet hierfür die passenden Vorlagen, mit denen sich auch Bilder und Grafiken ohne Probleme integrieren lassen. Zudem gibt es eine Referentenansicht für Notizen oder Texte, die dem Vortragenden als roter Faden dienen.

          Stehen der Text und die Folien, heißt es: üben, üben, üben. „Halten Sie Ihren Vortrag mindestens ein, vielleicht sogar mehrere Male probeweise vor Kommilitonen, Freunden oder Familie“, rät
          Reysen-Kostudis. „So bekommen Sie ein Gefühl dafür, an welchen Stellen Sie ablesen, an welchen Sie frei sprechen sollten, wo Pausen angebracht sind und wo Sie vielleicht noch einmal an der Formulierung feilen müssen.“ Außerdem zeigt eine Simulation, wie viel Redezeit man tatsächlich benötigt.

          Wer seine Vortrags-Skills langfristig verbessern möchte, kann dies mit Hilfe von Coachings tun. Bestandteil der Workshops an der FU Berlin etwa sind kurze Referate im öffentlichen Raum, durch die die Teilnehmer lernen sollen, laut zu sprechen und den Blicken des Publikums standzuhalten. Eine gute Methode, die eigenen Macken zu erkennen und die Selbst- mit der Fremdwahrnehmung abzugleichen, sei zudem die Videoanalyse, meint Ole Tillmann. „Viele müssen sich zwar erst an den Klang der eigenen Stimme gewöhnen, aber die videogestützte Selbstanalyse finden die Teilnehmer meiner Workshops immer besonders wertvoll.“

          Spazierengehen gegen die Aufregung

          Und wenn es ernst wird? Wenn am großen Tag dann doch die Aufregung überwiegt? „Dann hilft es, um den Block zu gehen oder im Waschraum einmal feste auf den Boden zu trampeln“, weiß Reysen-Kostudis. Auf Kaffee ist aus ihrer Sicht lieber zu verzichten, stattdessen kann man sich ein Glas Wasser aufs Pult stellen, an dem man sich zwischendurch auch gern „festhalten“ darf. Um das Eis zu Beginn des Vortrags zu brechen, empfiehlt die Expertin, die Zuhörer zuerst auf einer noch nicht inhaltlichen, sondern eher unverbindlichen Ebene zu begrüßen, zum Beispiel mit einer Bemerkung zum Wetter oder zur Umgebung. Das lockere die Stimmung und baue schon einmal eine Kommunikations­ebene zwischen Vortragendem und den Zuhörern auf.

          Erst danach folgen die thematische Einleitung, der Hauptteil und schließlich die Zusammenfassung und Diskussion. „Viele Studierende sind ganz froh darüber, wenn am Ende nicht so viele, vielleicht sogar unbequeme Nachfragen kommen“, stellt Reysen-Kostudis fest. Dabei sei eine lebendige Diskussion genau das, was einen guten Vortrag zu einem exzellenten mache. Ihr Tipp: „Lassen Sie mindestens zehn Minuten dafür übrig, und eröffnen Sie den Austausch mit einer provokanten These oder einem streitbaren Zitat. Damit kommen die Zuhörer schnell untereinander ins Gespräch. Sie stehen nicht mehr allein im Fokus und können die Diskussionsleitung übernehmen.“

          Übung macht den Meister

          Wer so als Vortragender eine gewisse Routine erlangt und noch dazu sein Publikum begeistert, ist für Präsentationen im Job bestens vorbereitet. So wie Paula Auksutat, die im dritten Mastersemester Communication Management in Leipzig studiert und es geschafft hat, ihre anfängliche Nervosität zu besiegen: „Durch das Präsentieren in der Uni nehme ich drei wichtige Punkte ins Berufsleben mit: Zum einen kann ich komplizierte Sachverhalte in reduzierter Form darstellen und vermitteln. Außerdem habe ich ganz schlicht Erfahrung gesammelt. Gerade im Masterstudium musste ich in fast jedem Seminar ein Referat halten. Je öfter ich vor Menschen stehe und präsentiere, desto wohler fühle ich mich dabei auch.“ Das Wichtigste aber, das sie mitnimmt? „Spaß haben und das auch zeigen. Am besten sind die Präsentationen, bei denen man zu 200 Prozent für das Thema brennt. Dann ist man nicht nur inhaltlich top vorbereitet, sondern strahlt seine Begeisterung auch aus – und überzeugt die Zuhörer, was ja im Job meist das Ziel ist.“

          So gelingt der Vortrag

          Gute inhaltliche Vorbereitung. Dass man das Thema, über das man referiert, verstanden haben muss, ist klar. Noch besser kommt es an, wenn man dazu auch eine Haltung entwickelt und sich ganz klar macht, warum man sich dafür entschieden hat.

           
          Einfacher Aufbau. Ein Vortrag muss einer einfachen Gliederung folgen (Einleitung, Ausführung, Zusammenfassung, Diskussion) und in kurzen einfachen Sätzen formuliert sein. Sonst steigen die Zuhörer aus.

           
          Im Vorfeld üben. Und zwar mindes­tens einmal und laut. Das gibt
          Sicherheit, weil es Stolperstellen aufdeckt und zeigt, wie viel Zeit der Vortrag einnehmen wird. Die Simulation nicht kurz vor knapp einplanen, damit noch ein Puffer für eventuelle Anpassungen bleibt.

           
          Bewegen. Gegen Nervosität am Tag des Vortrags hilft es, vorher eine Runde zu gehen oder sich einmal kräftig auszuschütteln.

           
          Zuhörer einbeziehen. Es sind nur Menschen, die da im Hörsaal sitzen! Konzentrieren sollte man sich auf diejenigen, die Blickkontakt suchen oder bestätigend zunicken. Durch kurze Fragen ans Publikum stellt man eine Dynamik her, die den Vortrag lebendiger macht.

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