https://www.faz.net/-i7g-7i8wl

Der neue Online-Marktplatz Fairnopoly : Shoppen fürs Karma

  • -Aktualisiert am

Radikale Optimisten: Die Fairnopoly-Mitarbeiter auf einem Kreuzberger Flohmarkt. In der Mitte mit Fairnopoly-Schild: Firmengründer Felix Weth. Bild: Julian Röder

Einkaufen mit gutem Gewissen, Gewinne für alle. So einfach klingt die Idee des neuen Online-Marktplatzes Fairnopoly. Die Berliner Mini-Firma will den Handel im Web neu erfinden und Amazon Konkurrenz machen. Wir haben die Gründer besucht.

          Als die Polizei am Nachmittag auf dem kleinen Flohmarkt in Kreuzberg vorbeischaut, sucht sie eigentlich nur Verantwortliche für die Musik, über die sich Nachbarn beschwert haben. Dass hier der nächste gesellschaftliche Umschwung geplant wird, stört sie nicht weiter. „Fairnopoly. Dreh’ das Spiel um“ steht auf einem gebastelten Protestschild an einem Stand.

          Es ist ein heißer Tag, sogar die Insekten sind zu träge, um durch die Landschaft zu surren. An den Ständen stapeln sich neben klassischem Flohmarkttrödel auch fair gehandelte Gewürzmischungen, vegane Quiche und Getränke namens BioZisch. Auf einer provisorischen Bühnenfläche hat gerade ein Gitarrist angefangen zu spielen, die verstärkten Klänge wabern durch die Luft. Zielstrebig stapfen die Polizisten darauf zu.

          Jemand zieht aus einer Box eine Genehmigung. Die Polizisten nicken. Alles in Ordnung, alles geregelt. „Aber falls viele Be-schwerden kommen, informieren Sie uns doch bitte“, sagt eine junge Frau. Man wolle ja keinen stören, nur Fairnopoly bekannt machen. Die Revolution der Zukunft soll keinen vertreiben, verärgern oder ausschließen.

          Im Gegenteil: Jeder soll mitmachen, alle sollen Verantwortung übernehmen, jeder soll am Gewinn beteiligt werden. Der Flohmarkt in Kreuzberg, er ist eine Promo-Aktion für einen neuen Flohmarkt im Netz: Fairnopoly.

          „Wir wollen Ebay und Amazon Konkurrenz machen“, sagt der Gründer Felix Weth und klatscht dabei leicht in die Hände, als wol-le er sagen: Auf, los gehts!

          Fairnopoly war Felix Weths Idee – ein faires Verkaufsportal. „Um etwas in der Welt zu bewegen, muss man Wirtschaft anders denken“, sagt er. Felix ist 33, doch er wirkt jünger. Vielleicht liegt es an den blonden Locken, vielleicht auch daran, dass er ständig in Bewegung ist. Mal sucht er nach Kindern, die einem Märchenerzähler zuhören wollen, mal spannt er eine Slackline zwischen Bäumen. Felix ist Idealist. Er hat Politik, Philosophie und VWL studiert, ein Praktikum bei Transparency International gemacht – und danach beschlossen, ein soziales Unternehmen zu gründen, also eine Firma, die andere Ziele hat als nur Gewinnmaximierung.

          „Ich habe immer weniger Verständnis für unsere wirtschaftlichen Rahmenstrukturen“, sagt er und rauft sich die Haare. „Ich glaube, ein Unternehmen, das den Nutzern gehört, funktioniert einfach anders. Wir wollen zum Beispiel Steuern zahlen und sie nicht einsparen, wir fühlen uns dem Gemeinwohl verpflichtet und bestehen auf transparente Strukturen.“ Wie gern würde Felix diese Prinzipien jetzt erklären und Überzeugungsarbeit leisten – wenn nur Menschen zum Markt kämen. Aber es sind 34 Grad, die Luft drückt, und manchmal findet auch die schönste Botschaft nur schwer zum Empfänger. Sogar die Händler mit ihren Trödelständen zucken mit den Achseln. Sie haben nur vom Flohmarkt gehört. Was Fairnopoly ist, wissen viele nicht so genau. „Meine Mitbewohnerin macht da mit, das ist irgendwas mit fairem Handel“, sagt eine, „keine Ahnung, mein Chef hat uns da angemeldet“, meint der Nächste.

          Fast eine Viertelmillion Euro Startkapital kamen durch Crowdfunding zusammen.

          Topmeldungen

          Bayern 3:3 in Amsterdam : „Ein sensationell gutes Spiel“

          Beim 3:3 der Münchner in Amsterdam spielt der Fußball verrückt. Trainer Niko Kovac ist zufrieden. Doch die Partie offenbart einige Baustellen beim FC Bayern. Vor allem einer spricht sie an.

          Vor EU-Gipfel in Brüssel : Maas bleibt hart bei Brexit-Vertrag

          Nach ihrem überstandenen Misstrauensvotum will Theresa May das Brexit-Abkommen in Brüssel nachverhandeln – doch dafür sieht die Bundesregierung kaum Chancen. Man sei „auf alles vorbereitet“, sagt der Außenminister.