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Die spannendsten Zukunftsjobs in der Autobranche : Karriere mit vier Rädern

  • -Aktualisiert am

Es bewegt sich! Wirtschaftsingenieurin Rebecca Pascal, 29, hat für BMW ein System entwickelt, mit dem Autos auf Knopfdruck selbständig einparken können. Bild: Oliver Kröning

Keine Branche ist bei Wirtschafts- und Ingenieursstudenten so beliebt wie die Autoindustrie. Wir haben uns auf die Suche nach den Jobs von morgen gemacht: im Großkonzern, im Mini-Start-up – und im Uni-Labor, in dem Autos lernen, um die Ecke zu sehen.

          Klingt nach Blinker

          Tobias Beitz lässt die Autotür des Coupés vor ihm zufallen. ­Wuummmp. „An diesem Geräusch würde ich immer erkennen, dass es ein Mercedes ist“, sagt der 41-Jährige. Klingt nach einer „Wetten, dass ..?“-reifen Leistung, doch die Tür macht nicht irgendein Geräusch, sondern genau das, das Beitz will. Kein einziges Piepen, Ploppen oder Dröhnen eines Autos überlassen die Hersteller dem Zufall. Stattdessen sorgen Sounddesigner wie Beitz für den richtigen Klang der Fahrzeuge.

          „Das Auto ist wie ein Orchester mit unzähligen Geräuschquellen, die wie Instrumente harmonieren müssen“, sagt Beitz. Als Chef der „aktiven Klanggestaltung“ bei Daimler dirigiert er ein gigantisches Orchester: Sitzversteller, Schiebedach, Klimagebläse, Ablagen – schon bevor das Auto anspringt, gibt es um die 80 Geräuschquellen, auf die er achten muss. Und da ist er noch nicht beim Herzstück, dem Motor.

          Beitz steht in einem riesigen Raum, dem Prüfstand für Außengeräusche, „die leiseste Turnhalle der Welt“, wie er ihn nennt. Die Wände sind mit Schaumstoffspitzen verkleidet, damit keine Reflexion den Sound verzerrt. In der Mitte steht das neuste Modell der S-Klasse, an den Rädern festgekettet wie ein wildes Tier. Ringsherum sind mehrere Dutzend Mikrofone aufgebaut. „Wir zeichnen die Geräusche auf, analysieren sie am Computer und verändern sie, bis sie den Klangcharakter treffen, den wir uns vorstellen“, erklärt Beitz. Vor allem geht es hier um den richtigen Sound des Motors. Beitz steigt in den Wagen, lässt ihn an, beschleunigt – ein sattes Dröhnen. Sitzt man drinnen auf den roten Ledersitzen, hört man nur ein sanftes Schnurren. Beitz schaut zufrieden.

          Bevor es den richtigen Sound hat, muss ein Fahrzeug schon während seiner Entwicklung immer wieder durch diesen Raum. Die Arbeit der Akustiker beginnt bereits, wenn es noch nicht mehr als ein Modell am Computer gibt. „Wenn man da nicht die richtigen Grundgene für den Klang legt, bekommt man das später nicht mehr hin“, sagt Beitz. Etwa ein Drittel seiner Arbeit besteht daher aus Kommunikation, aus Gesprächen mit den Kollegen und aus der Suche nach Kompromissen. Für den Akustiker habe der ideale Reifen zum Beispiel kein Profil, sagt Beitz, doch das lasse kein Fahrdynamiker durchgehen. „Das Optimum dazwischen müssen wir finden.“

          Es kommt schon mal vor, dass Beitz mitten in der Nacht einen Anruf bekommt: Wir haben ein Geräuschproblem. Einmal war es so schlimm, dass sie es den Kunden nicht zumuten wollten. Die Produktion wurde gestoppt, bis Beitz und sein Team den Fehler gefunden hatten. Ein Lieferant hatte ein Material ausgetauscht – und so die gesamte Komposition zerstört.

          Beitz’ Kollegen sind Maschinenbauer, Elektrotechniker, Psychologen, er selbst hat Physik studiert. Auf die Akustik stieß er, weil er auf der Suche nach etwas war, was sein Interesse für Technik und Musik verbindet. Beitz spielt Gitarre und singt in einer Band. Das helfe ihm manchmal bei der Arbeit, sagt er.

          Beitz führt in einen zweiten, viel kleineren Prüfstand. Zwei Kollegen stehen mit Messgeräten an einer Heckklappe. Sie geht auf Knopfdruck auf und zu – wie schnell, wird hier genau austariert. „Sie muss gleichmäßig laufen und mit einem angenehmen Geräusch ins Schloss fallen“, erklärt Beitz. Lange ging es in der Automobilbranche genau darum: bestehende Geräusche zu optimieren, den Motorsound satter und das Fahrzeug leiser zu machen.

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