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Scheitern, und dann? : Hinfallen, aufstehen, weitermachen

  • -Aktualisiert am

Bild: Laura Breiling

Scheitern gehört zum studentischen Alltag. Damit daraus keine persönliche Krise wird, sollte man nachsichtig und klug mit den kleinen Misserfolgen umgehen.

          Als die Fünf dick und fett auf meinem Handydisplay stand, hat es sich angefühlt, als ob mir jemand in den Magen geschlagen hätte“, schreibt Nadine im Studierendenblog USUS der Universität Stuttgart. Sie erzählt von ihrer Erfahrung, im sechsten Semester durch die Statistikprüfung ihres BWL-Studiums gefallen zu sein. „Man fühlt sich einfach wie ein Versager. Aber ich versuche, mich immer damit zu trösten, dass es einfach dazugehört.“

          Elena, die Autorin des dazugehörigen Beitrags, in dem sie sich mit dem zweifachen Nichtbestehen einer Germanistikprüfung auseinandersetzt, beschreibt eindrücklich ihre eigene Verzweiflung vor dem letzten Versuch: „Auf der einen Seite versuchte ich alles Wissen aufzusaugen wie ein Staubsauger, und auf der anderen Seite fragte ich mich nach jedem Absatz, den ich auswendig konnte: Und wenn es trotzdem nicht reicht? Und jeden Tag stand ich morgens auf und wollte das ganze Studium gegen die Wand fahren.“

          So wie Nadine und Elena geht es einem Großteil der Studierenden: den schriftlichen Test vergeigt, die Hausarbeit misslungen, Blackout in der mündlichen Prüfung. Die kleineren und größeren Niederlagen gehören zum ganz normalen Studierendenalltag. Und doch sind insbesondere die Studienanfänger immer wieder überrascht. „Im Vergleich zum Studium genügte es in der Schule oftmals, einige Buchseiten auswendig zu lernen. Eine Semesterprüfung hingegen fragt wesentlich mehr Stoff auf einem deutlich höheren Niveau ab“, sagt Romy Fischer. Die 30-Jährige verfügt über reichlich Prüfungserfahrung; nach einem Bachelor- und Masterabschluss absolviert sie derzeit ein Fernstudium. „Bis man die eigenen Lernmethoden an das Universitätssystem angepasst hat, können die ersten Rückschläge in Form von nicht oder nur schlecht bestandenen Prüfungen bereits eingetreten sein. An der Universität nimmt einen niemand mehr an die Hand.“

          Die äußeren Umstände

          Fischer sieht auch äußere Ursachen für das Scheitern der Studierenden. Etwa wenn Dozierende in den „Aussiebesemestern“ mit einer hohen Durchfallquote drohen. „Nicht die Studierenden lernen in der Regel zu wenig, mindestens ebenso maßgeblich sind die Bedingungen der Prüfungssituation“, ist Fischer überzeugt. Bei den Arbeiterkindern fehle der Rückhalt, weil sie nicht aus einem Bildungshaushalt stammen. In naturwissenschaftlichen Fächern mangele es nach wie vor an weiblichen Vorbildern für die Studentinnen. Auch das Streben der Universitäten nach Exzellenz und die erschöpften Kapazitäten aufgrund der Studierendenschwemme spielen für Fischer eine Rolle, wenn „ausgesiebt“ wird.

          Das Thema bleibt auch im späteren Verlauf des Studiums noch aktuell. Vor allem in den Prüfungsphasen, wenn innerhalb weniger Tage sieben, acht oder mehr Prüfungen zu bestreiten sind. Dann zeigt sich, ob man den Lernstoff richtig eingeschätzt hat, das Hausarbeitsthema klar eingegrenzt war, das eigene Zeitmanagement funktioniert, die Zielsetzung realistisch war oder die eigene Motivation den nötigen Ansporn gegeben hat. Die Ursachen für das Nichtbestehen von Prüfungen sind so individuell wie die Studierenden, die mit der Niederlage umgehen müssen.

          Zeitmanagement und Prokrastination

          Petra Kucher-Sturm, Diplom-Psychologin beim Studierendenwerk Stuttgart, beschreibt das Bewusstsein für die eigenen Grenzen als höchst verschieden: „Was ich überhaupt als Misserfolg empfinde, hängt von meinen Werten ab“, erklärt sie. „Während die einen sich dadurch erst angespornt fühlen, atmen andere einmal tief durch und machen unbeirrt weiter; wieder andere knabbern lange an einer nichtbestandenen Prüfung, so dass ihr Selbstwertgefühl darunter leidet.“

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