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Theaterwissenschaft studiert und dann? : Künstlerisch am Puls der Zeit

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Bild: iStockphoto

Theaterwissenschaftler entwickeln Konzepte und organisieren Kultur­events, manche gehen in die Regie, andere bearbeiten Stücke – viele arbeiten in der freien Szene. Kontakte lassen sich schon während des Studiums knüpfen. In der kleinen, überschaubaren Theaterbranche sind Netzwerke entscheidend für den Berufseinstieg.

          Stücke lesen, den Spielplan für die nächste Saison gestalten, Proben begleiten – der Weg in die Dramaturgie zählt für Theaterwissenschaftler nach wie vor zu den klassischen und besonders beliebten Arbeitsbereichen. Nach zwei Spielzeiten am Theater in Ingolstadt hat Lene Grösch gerade noch einmal einen Vertrag über zwei Jahre erhalten. Nach dem Wechsel des Intendanten ist sie die Einzige in der Dramaturgie, die bleibt – und die Abläufe kennt. „Normalerweise wird der Vertrag im Herbst pro Spielzeit verlängert“, sagt die 28-Jährige. Die Theaterwissenschaftlerin wusste, worauf sie sich mit ihrem Beruf einlässt: „Man sollte nicht zu lange an einem Ort bleiben, um immer wieder Neues kennen­zulernen.“ Für den künst­lerischen Austausch engagiert sich Lene Grösch auch als eine der „dg:möglichmacher“, einer Untergruppe der „Dramaturgischen Gesellschaft.“ Die Nachwuchsdramaturgen organisieren beispielsweise Stipendienprogramme, um Studierenden die kostenfreie Teilnahme an der dg-Jahrestagung zu ermög­lichen. Die Möglichmacher bauen ein Netzwerk auf, um miteinander ins Gespräch zu kommen und den Übergang vom Studium in die Praxis zu erleichtern. „Dazu gehören auch Treffen, bei denen es um ganz pragma­tische Themen wie Vertragsgestaltung geht“, sagt Lene Grösch. „Da gibt es ein großes Defizit, die meisten rutschen so rein in den Vertrag.“

          Über Geld zu reden, das verursacht in Theaterkreisen häufig ein mulmiges Gefühl. Prekäre Arbeitsverhältnisse sind in der künstlerischen Branche gang und gäbe. „Es ist eine Gratwanderung“, sagt Birgit Lengers, Leiterin des Jungen DT in Berlin. „Auf der einen Seite ist es wichtig, Erfahrungen zu sammeln und in Projekten mitzuarbeiten. Aber man muss aufpassen, dass man sich dabei nicht selber verbrennt und unter Wert verkauft.“ Wer künstlerisch arbeiten will, bringt in der Regel eine große Portion Idealismus mit. „Berufseinsteiger wissen, wie schwierig die Verhältnisse sind, und sind oft froh, überhaupt etwas machen zu können“, sagt Birgit Lengers. Die Theaterwissenschaftlerin und Dramaturgin hat lange in der freien Szene gearbeitet. Sie hat Lehraufträge und Moderationen übernommen, Rezensionen und Fachbeiträge geschrieben oder als Produktions­leiterin gearbeitet. Der Blick für die szenische Umsetzung eines Projekts kommt ihr heute ebenso zugute wie die theater­pädagogische Ausbildung, die sie noch während des Studiums am Theaterpädagogischen Zentrum in Köln gemacht hat. Am Deutschen Theater in Berlin hat Birgit Lengers in den vergangenen zwei Spielzeiten ein Programm aufgebaut, das sich mit künstlerisch am­bi­tionierten Projekten an junge Menschen wendet und versucht, ihr Interesse am Theater zu wecken. „Wir gehen auch raus aus dem Theater, dorthin, wo die Jugend­lichen sind, und spielen in Klassenzimmern“, sagt die Theaterleiterin. Ihre Arbeit ist erfolgreich und wird gut angenommen, das DT verzeichnet eine deut­liche Verjüngung des Publikums. Auch inhaltlich profitieren die Spielmacher von den unmittelbaren, inten­siven Begegnungen mit jungen Menschen.
          „Die Frage ist ja immer auch, wie kriegt man was von denen mit?“, so Lengers. „Das Theater braucht diese Impulse.“

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