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Unsere neue Serie über Jobs in der Provinz: Landpartie No. 1 : Weit draußen

  • -Aktualisiert am

Ferien auf dem Bauernhof? Nein, das ist für immer: Biologe Jens Jurgeleit arbeitet in einem Pflanzenlabor im Wendland. Bild: Foto Christian Burkert

Kein Starbucks, kein Bahnhof, nicht mal permanenter Handyempfang. Jens Jurgeleit ist nach dem Studium für den Job umgezogen. Von der Stadt in die Provinz. Kann das gut gehen? „Ihr könnt mich gern besuchen“, sagt er über eine knisternde Telefonleitung. Haben wir gemacht.

          Das neue Leben von Jens Jurgeleit begann morgens um halb acht mit einer Fahrt übers Land. Es war Anfang Mai und die Sonne schien, als er seinen schwarzen Golf an Wiesen voller Maulwurfshügel und grasenden Kühen vorbeisteuerte. Er fuhr durch Alleen, durchquerte ein Waldstück und erreichte schließlich ein gelbes Ortsschild mit der Aufschrift „Solkau, Gemeinde Schnega“ im Wendland. Ein paar Minuten später parkte er den Wagen vor einem alten Bauernhaus – und klingelte bei seinem neuen Arbeitgeber, dem Institut für Pflanzenkultur.

          Jens Jurgeleit hatte einen hervorragenden Abschluss gemacht: Mit einer Note von 1,1 in Biologie hätte er überall anfangen können. Gleich nach dem Ende seines Studiums bekam er ein Job- und Promotionsangebot vom Helmholtz-Zentrum in Braunschweig. Doch der 1,90 Meter große Mann mit den dunkelblonden Haaren lehnte ab. „Natürlich wäre das ein toller Arbeitgeber gewesen“, sagt er. Was ihn störte: wie das Dissertationsstudium dort abläuft, dass es einen Stundenplan gibt und Seminare, die man besuchen muss. Er sehnte sich nach Freiraum.

          Und noch etwas anderes spielte bei seiner Entscheidung, aufs Land zu ziehen, eine große Rolle: die Liebe. Am Ende seines Studiums hatte er auf einer Party einen Mann kennengelernt, und es war schnell klar, dass die beiden einander sehr mochten. Schon bald besuchte Jurgeleit seinen neuen Freund im Wendland. „Da erlebte ich diese bombastische Region zum ersten Mal und war sofort begeistert von den alten Fachwerkhäusern, den freundlichen, alternativen Menschen und von der Weite, die einen hier umgibt“, erzählt er, und seine Stimme klingt dabei weich. Man spürt, dass er sich damals nicht nur in den Mann aus der Gegend verliebte. Sondern auch in die Gegend selbst.
          Jens Jurgeleit begann, sich nach Arbeitgebern im Wendland umzuschauen. Es war seine Mutter, die ihn schließlich auf die Idee brachte, die Internetseite des Institutes für Pflanzenkultur anzuklicken – eines mittelständischen Unternehmens, das Pflanzen produziert, indem es Klone von ihnen herstellt. Insgesamt 40 Mitarbeiter arbeiten hier, im Sommer sind es mehr als 60, dann gibt es auf den Feldern und in den Gewächshäusern am meisten zu tun.

          Gemeinsam mit seinem Freund kam Jurgeleit eines Samstags nach Schnega, um sich das Unternehmen anzuschauen. Hinter einer roten Backsteinmauer sah er ein altes, efeubewachsenes Fachwerkhaus mit der Inschrift „Anno 1833“. Er hinterließ seinen Namen. Wenig später verschickte er eine Initiativbewerbung an das Institut und bekam einen Praktikumsplatz angeboten. Ein paar Monate später wurde er als Assistent der Geschäftsführung eingestellt. Ein knappes Jahr ist das jetzt her.

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