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Was Quoten bringen: Was sich ändern muss, damit Frauen einfacher Karriere machen können : Faule Männer, schlechte Kitas

  • -Aktualisiert am

Damit Frauen genauso Karriere machen können wie Männer, reichen Quotenregelungen nicht. Was aber muss passieren? Ein Gespräch mit Deutschlands wichtigstem Personalexperten Joachim Sauer über Hausarbeit und Praktika in Männerjobs.

          Herr Sauer: Frauenquote – ja oder nein?
          Der Bundesverband der Personalmanager hat schon vor gut zwei
          Jahren eine klare Position zu dieser Frage bezogen. Wir fordern eine flexible Quote, weil es in den verschiedenen Branchen große Unterschiede in Bezug auf den Anteil der weiblichen Beschäftigten gibt. In der Stahlbranche findet man einen ganz anderen Frauenanteil vor als etwa im öffentlichen Sektor.

          Familienministerin Kristina Schröder hat die Flexi-Quote voriges Jahr eingeführt und dafür viel Kritik einstecken müssen. Hat Sie das überrascht?
          Nein, sie wurde ja von zwei Gruppen kritisiert: von denjenigen, die eine Quote grundsätzlich ablehnen, und von denjenigen, die lieber eine starre Quote für die Vorstandsposten gehabt hätten. Die Wirtschaft ist in einigen Bereichen nach wie vor noch recht männerdominiert. Dass Männer von der flexiblen Quote teilweise nicht begeistert sind, überrascht mich daher nicht.

          Bei der Flexi-Quote dürfen Unternehmen selbst festlegen, wie hoch ihr Frauenanteil an der Spitze sein soll. Die Dax-30-Unternehmen handeln danach und veröffentlichen ihre Fortschritte regelmäßig. Doch das ist nur ein winziger Ausschnitt der deutschen Wirtschaft. Wie kann die Flexi-Quote helfen, damit sich auch im breiten Mittelstand etwas tut?
          An diesem Thema kommt niemand mehr vorbei. Wir brauchen mehr Frauen, um den Fachkräftemangel zu verhindern. Auch kleine Unternehmen befinden sich im Sog der Entwicklung.
          Bei Frauen im Mittelbau liegt das Problem nicht unbedingt daran, dass niemand aufsteigen will, sondern darum, dass viele es nicht können. Mit einer Familie ist ein Vollzeitjob mit Sitzungen am späten Abend schwer zu vereinbaren …
          Dieser Aspekt fehlt tatsächlich in der deutschen Debatte: Wenn Frauen und Männer im Berufsleben gleichberechtigt sein wollen, müssen sie es auch bei der Kindererziehung sein. Und bei der Hausarbeit. Aber ein Teil der Männer entzieht sich noch immer den häuslichen Pflichten. Wenn sich das nicht ändert, werden weiter die Männer Karriere machen – weil Frauen dann allein bleiben mit der Doppelbelastung und schlicht nicht präsent sind, wenn Karriere gemacht wird.


          Der Gehaltsunterschied in Partnerschaften ist häufig ein Grund, warum Frauen Teilzeit arbeiten und Männer nicht …
          Hierfür gibt es mehrere Gründe: Ältere Frauen sind zum Teil schlechter ausgebildet; zudem arbeiten Frauen in Berufen, deren Wertschöpfung nicht so hoch ist, oder sie tun sich zum Teil schwerer in Gehaltsverhandlungen, daher ist ihre Bezahlung niedriger. Oder aber die Löhne sind nicht gerecht, also für Männer und Frauen nicht gleich. Das ist nicht hinnehmbar und muss geändert werden. Doch es gibt Beispiele, die zeigen, dass nicht der geringe Verdienst der Grund für die geringe Anzahl von Frauen in Führungspositionen ist. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung hat kürzlich Zahlen aus dem Finanzsektor veröffentlicht. Hier werden oft gute Gehälter gezahlt, und der Anteil der weiblichen Beschäftigten liegt bei 50 Prozent. Trotzdem sind sie in Führungspositionen stark unterrepräsentiert. Das sollte sich ändern.

          Noch mal zurück zur Haus- und Familienarbeit: Haben Sie Vorschläge, wie dieses Rollenverständnis zu drehen ist?
          Frauen, mit denen ich darüber spreche, sind sofort für die Idee zu gewinnen …

          Das glaube ich – aber was ist mit dem anderen Geschlecht?
          Das hat in vielen Fällen mit Bequemlichkeit zu tun. Männer sind nicht unbedingt unzufrieden mit der Situation, dass ihre Frau ihnen den Rücken freihält.

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