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Wenn sich Studenten selbständig machen : Meine kleine Firma

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Dabei hatte alles sehr unscheinbar mit einem Studentenjob für Kränzler angefangen, der wegen eines USA-Aufenthaltes sehr gut Englisch spricht. Nach einem Praktikum bei einer IT-Unternehmensberatung in Frankfurt wird ihm im Dezember 2011 angeboten, IT-Konzepte ins Englische zu übersetzen. „Da haben wir gedacht: Das können wir denen doch generell abnehmen“, sagt Koch-Büttner. Das KIT (Karlsruher Institut für Technologie) hat eine sehr technische und naturwissenschaftliche Ausrichtung. Deshalb, erklärt er, ziehe es viele Studenten aus den USA, Lateinamerika und Asien nach Karlsruhe. Koch-Büttner und Kränzler sehen darin großes Potenzial: ein Sprachen- und ein Fachwissen-Reservoir. Wie wäre es, wenn wir die als Übersetzer beschäftigen? Sie haben Glück: Ihre Idee, ein Unternehmen zu gründen, kommt zur rechten Zeit. Zwei KITler haben 2008 das „Center für Innovation und Entrepreneurship“ (CIE) gegründet, dort holen sich Koch-Büttner und Kränzler Beratung für ihre geplante Existenzgründung. Im März 2012 wird lengoo gegründet. Über schwarze Bretter der umliegenden Unis suchen sie Studenten, die übersetzen wollen. „Wir haben einen Aushang gemacht – und hatten am nächsten Tag 20 Bewerbungen auf dem Tisch“, erzählt Koch-Büttner. Die Kandidaten sortieren sie nach Sprachkombination und Studienfachrichtung und legen eine Kartei an. Diese umfasst inzwischen etwa 160 Studenten. Anfangs übersetzt lengoo nur Hotel-Homepages, doch schnell kommen kleine und mittelständische Unternehmen hinzu – vorwiegend aus technischen Bereichen wie Maschinenbau oder auch IT- und Softwaredienstleister. Die Studenten übersetzen Handbücher und Bedienungsanleitungen. Rumänisch, Japanisch, sogar Burmesisch ist im Angebot; die deutsche Flugsicherung wird ebenso Kunde wie die Uniklinik Frankfurt. Zwischendurch schreiben die beiden Gründer Klausuren, halten Referate. „Wir haben uns wöchentlich abgewechselt“, sagt Kränzler, dessen Küchentisch zu der Zeit noch die Geschäftsstelle ist.

Im Februar kommt es dann aber zum Zusammenprall von Studium und Firma: Mitten in der Klausurphase erhält Koch-Büttner einen Anruf von einem Übersetzer. Der sollte bis zum nächsten Tag Bauingenieursdokumente ins Türkische übersetzen – doch plötzlich sagt er ab. „Da mussten wir uns entscheiden“, sagt Koch-Büttner: „Lernen, schlafen und die Klausur schaffen – oder den Auftrag retten.“ Sie telefonieren sich durch ihre Kontakte und schaffen den Auftrag. „Und die Klausur war dann auch gar nicht sooo schlecht“, erinnert sich Kränzler. Das Team lernt daraus, sie holen sich Verstärkung. Die beiden Gründer nehmen ab April ein Urlaubssemester. Ob sie ins Studium zurückkehren, ist unklar. Bei einem Thema aber herrscht Gewissheit unter den vieren: „Das Studium“, ist Kränzler überzeugt, „ist der beste Zeitpunkt, ein Unternehmen zu gründen.“

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Business
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Gründer
Dominik Guber (25, oben), Wolfgang Westermeier (27, Mitte) und Ping Lu (25, unten), Studenten an der TU München


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