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Wenn sich Studenten selbständig machen : Meine kleine Firma

  • -Aktualisiert am

Leinenschuhe verkaufen und dabei mit jedem verkauften Paar automatisch einem Kind in Afghanistan ein Paar Schuhe spenden Bild: Dominik Gigler

Diese Geschichte handelt von Bierfässern, Bambusrädern, Schuhen für Afghanistan und einem Übersetzer-Netzwerk mit Blaulicht. Aber vor allem: von Studenten, die sich während der Uni-Zeit mit einer Idee selbständig gemacht haben. Vier Erfolgsstorys.

          shoemates

          Business
          Leinenschuhe verkaufen und dabei mit jedem verkauften Paar automatisch einem Kind in Afghanistan ein Paar Schuhe spenden
          Gründer
          Obaid Rahimi (26, Foto links), Julia Jockwer (26) und Marc Langener (27). Die beiden Erstgenannten schreiben an ihrer BWL-Masterarbeit an der Uni Passau, Marc ist bereits fertig und arbeitet


          An einem Sommermorgen recherchiert der BWL-Student Obaid Rahimi, 26, in der Passauer Uni-Bibliothek für seine Masterarbeit, als ihn plötzlich das Zollamt Leipzig anruft: Man habe hier 100 Paar Schuhe aus China für ihn, wo denn die Zollnummer für die Lieferung sei. Für Rahimi und seine beiden Kommilitonen Julia Jockwer und Marc Langener gehören solche Fragen in diesem Sommer zum Business. Zwischen Masterarbeit und Klausuren bauen sie gemeinsam „shoemates“ auf: einen Online-Shop für Espadrilles, dessen Besonderheit in der sozialen Komponente liegt. Denn pro verkauftem Paar Leinenschuhe geht automatisch ein Paar solider Lederschuhe als Spende an ein Schulkind in Afghanistan. „Get one, give one“ nennen sie dieses Prinzip. Die fehlende Zollnummer für die erste Fuhre konnte Rahimi im Sommer leicht nachreichen. Und auch sonst entwickelte sich das Unternehmen prächtig.

          Mitgründerin Jockwer, 26, und Rahimi sitzen in der Mensa der Uni Passau und strahlen die ganze Zeit, als sie die Gründungsgeschichte von shoemates erzählen. Und die hängt eng mit ihrem ersten Projekt „headmates“ zusammen: Innerhalb einer Hochschulgruppe für Entrepreneurship entwickeln die drei mit anderen Kommilitonen ein soziales Unternehmen, in dem Rentnerinnen der Region in Handarbeit Strickmützen herstellen, wodurch sie mehr soziale Kontakte erhalten. Das kam gut an – den Winter über. „Nur dann haben wir uns gefragt: Was machen wir im Sommer?“, erzählt Rahimi. Der Kern des Strickmützen-Teams bleibt zusammen. Sie einigen sich auf die argentinischen Nationalschuhe Alpargatas, auch Espadrilles genannt. Einfach in der Herstellung, kein Marktwechsel – „und, o.k., sie liegen natürlich auch voll im Trend“, gibt Jockwer zu. Kein unwichtiges Kriterium.

          Hergestellt werden die Schuhe im Süden Chinas. Die IHK Niederbayern in Passau empfahl den Studenten einen Schuhhersteller vor Ort mit hohen Produktionsstandards. Jockwer, Rahimi und Langener führen eine kleine Marktanalyse in ihrem Freundeskreis durch: Welche Farben findet ihr schön? Welche Größen habt ihr? Dann bestellen sie 100 Paar. Bleibt die Frage: Wie kommen die Spendenschuhe nach Afghanistan? Hier kommen Rahimi seine Wurzeln zu Hilfe: Die ersten fünf Jahre seines Lebens verbrachte er in Kabul, sein Onkel ist der Leiter der staatlichen Menschenrechtsorganisation in der westafghanischen Provinz Herat. Über ihn kontaktieren sie einen afghanischen Schuhhersteller, der über die Bedürfnisse vor Ort Bescheid weiß. „Wenn wir in Afghanistan einfach nur Schuhe spenden, stellen wir eine Konkurrenz zu den lokalen Schuhproduzenten vor Ort dar, da diese weniger Aufträge erhalten“, erklärt Rahimi. Genau dies aber wollen sie vermeiden, „indem wir einen Schuhproduzenten in Afghanistan gesucht haben, der für uns die Schuhe produziert, die anschließend auch dort gespendet werden.“ So werde die Wirtschaft im Land gestärkt.

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