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Berufseinstieg im Start-up : Was für Mutige

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Bild: Frederik Jurk/SEPIA

Vom Praktikanten zum Marketingchef in wenigen Monaten – das gibt es nur im Start-up. Die Karriere hängt dort allerdings immer auch von einem wichtigen Faktor ab: dem Erfolg des Unternehmens.

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          Therese Köhler hätte nie geglaubt, dass sie mal für ein Start-up arbeiten würde. Ihr schwebte eher eine klassische Karriere vor. Aber ein Praktikum bei einem Investor in Frankfurt am Main änderte das. „Der hat was in mir gesehen und mich in die Richtung geschubst“, erzählt sie. Köhler zog in die Hauptstadt, machte ihre ersten Erfahrungen mit unternehmerischem Arbeiten und war begeistert. „Mir ist das Herz aufgegangen, das war genau mein Ding“, sagt sie. Mit allen Vor- und Nachteilen. Nach einer Zwischenstation bei einem anderen Start-up hat sie im Sommer 2015 von ihrem Wohnzimmer aus ihr eigenes Unternehmen „Hey Cater“ gegründet, eine Plattform für Catering-Unternehmen. Heute sucht sie selbst nach guten Mitarbeitern, die dabei helfen, ihre Firma voranzubringen – auch weil sie an den Erfolg des Unternehmens glauben.

          Die Start-up-Branche boomt seit vielen Jahren. Laut dem aktuellen Startup Monitor planen die befragten Gründer in diesem Jahr, im Schnitt rund 7,5 neue Mitarbeiter einzustellen. Vor allem Berufseinsteiger fühlen sich von der schnellen Branche angezogen. In keinem anderen Bereich kann man in kurzer Zeit so tiefe Einblicke in ein Unternehmen gewinnen und hat so schnell so gute Aufstiegsmöglichkeiten wie in der Start-up-Szene. Der Arbeitsalltag lockt mit viel Freiheit und Selbstbestimmung, schnellen inhaltlichen Wechseln und viel Raum, sich auszuprobieren.

          Doch es gibt auch eine Kehrseite der Medaille: Erfolg und Lebensdauer von Start-ups lassen sich nicht immer leicht vorhersehen. Geht das Start-up pleite, ist auch der Job futsch, und man muss sich wieder neu orientieren. Für Absolventen ist der Berufseinstieg in einem Start-up deshalb oft auch mit einer großen Unsicherheit verbunden.

          Risiko im Vorfeld einschätzen

          Die Risiken kann man aber mit der richtigen Vorbereitung etwas minimieren. Laut Tobias Kollmann, Professor für E-Entrepreneurship an der Universität Duisburg-Essen, sollte man sich schon vorher über drei Aspekte im Klaren sein: „Erstens muss man selber an die Idee des Unternehmens glauben und sich damit identifizieren können“, erklärt er. Wer hinter dem Projekt stehe, habe auch die Motivation, es zum Erfolg zu bringen, und sei bereit, dafür Zeit und Energie zu investieren. Der zweite Aspekt hat mit den Gründern zu tun. Kollmann formuliert das so: „Die entscheidende Frage ist hier: Haben die Gründer Erfahrung mit dem, was sie tun, und damit eine Perspektive, das Start-up zum Erfolg zu führen?“ Er rät Bewerbern deshalb zunächst zu einer einfachen Google-Suche, um sich einen Eindruck vom Erfahrungsschatz und von den Karrierewegen der Gründer zu verschaffen. Dann könne auch das nötige Vertrauen in die Gründer aufgebaut werden.

          Der dritte Punkt betrifft Geld, also wie ein Start-up finanziert ist und wer investiert hat. „Der wichtigste Aspekt, warum Start-ups scheitern, ist fehlendes Kapital“, sagt Kollmann. Deshalb sei das ein entscheidender Faktor bei der Frage, ob man sich auf ein Start-up einlassen sollte. Auch diese Informationen können Interessierte über Meldungen in entsprechenden Medien recht einfach herausfinden, da normalerweise darüber berichtet wird, wenn ein Unternehmen Geld am Markt eingesammelt hat. Für Kollmann ist die Frage nach den Investoren aber auch ein mögliches Thema fürs Vorstellungsgespräch: „Natürlich werden die Gründer nicht die konkreten Beträge nennen, aber es ist durchaus möglich, nach den Namen zu fragen, die hinter dem Unternehmen stehen.“ Auch daraus lässt sich ein möglicher Erfolg ableiten.

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