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Ingenieur 4.0 : Ingenieur-Karriere: Der Ingenieur wird digitaler

  • -Aktualisiert am

Christoph Kübel ist Geschäftsführer und Arbeitsdirektor der Robert Bosch GmbH. Bild: Bosch

Der Arbeitsalltag eines Ingenieurs hat sich durch die Digitalisierung gewandelt – und wird sich weiter verändern. Worauf müssen sich Berufseinsteiger nun einstellen? Christoph Kübel, Geschäftsführer und Arbeitsdirektor der Robert Bosch GmbH, gibt Antworten.

          Herr Kübel, die ganze Welt wird digital. Wie hat sich das Berufsbild des Ingenieurs im Zuge der Digitalisierung verändert?

          Das Berufsbild des Ingenieurs ist zunehmend von der Vernetzung geprägt und wird auch weiterhin durch die Entwicklungen des Internets der Dinge beeinflusst. Schaut man sich die Arbeitswelt und die daraus resultierenden Produkte an, wird klar, dass die Vernetzung von analoger und digitaler Welt einer der größten Megatrends ist. Schon heute gibt es mehr als 6 Milliarden Dinge, die miteinander über das Internet kommunizieren. Bis 2025 sollen es 50 Milliarden Geräte und Systeme sein. Deshalb werden IT- und Softwarekenntnisse in technischen Berufen immer unerlässlicher. Für Ingenieure spielen solche Kompetenzen künftig eine bedeutende Rolle, um in einer vernetzten Arbeitswelt erfolgreich tätig zu sein.

          Welche Kenntnisse und Qualifikationen sollten Absolventen mitbringen, um in dieser vernetzten Arbeitswelt zurechtzukommen?

          Für die Studierenden wird es in Zukunft noch wichtiger sein, sich nicht nur auf eine Fachrichtung festzulegen, sondern interdisziplinär zu studieren. Wer beispielsweise Maschinenbau studiert, sollte sich auch mal mit Informatik beschäftigen. Aber auch in Disziplinen wie den Rechtswissenschaften lohnt es sich, IT-Erfahrungen während des Studiums zu sammeln. Als Beispiel nenne ich das automatisierte Fahren. Daran arbeiten bei uns verschiedene Spezialisten eng zusammen, jeder muss ein gutes Grundverständnis der beteiligten Fachrichtungen mitbringen. In Zukunft wird außerdem eine noch stärkere Vernetzung unter den Mitarbeitern stattfinden, um Synergien und Potentiale besser nutzen zu können. Kommunika­tionsfähigkeit bleibt deswegen eine wichtige Eigenschaft für jeden Berufseinsteiger.

          Wenn die Arbeit der Ingenieure im Zuge der Digitalisierung jedoch immer häufiger vor dem PC stattfindet, welche Rolle spielt Teamarbeit dann noch im Arbeitsalltag?

          Teamarbeit hat auch weiterhin einen sehr hohen Stellenwert, um immer komplexer werdende Aufgaben lösen zu können. Global agierende Unternehmen wie Bosch müssen eine bestmögliche Zusammenarbeit unter ihren Mitarbeitern fördern, wenn sie ihre Innovationsführerschaft ausbauen wollen. Unternehmensweite soziale Netzwerke leisten dazu einen wichtigen Beitrag. Sie erleichtern den hierarchiefreien, direkten Austausch von Wissen über Abteilungsgrenzen hinweg.

          Welche Skills sind außerdem von Bedeutung für angehende Ingenieure?

          Neben einer ausgeprägten Kommunikationsfähigkeit achten wir zum Beispiel bei Einstellungen insbesondere auf soziale Kompetenz, fachliches Know-how und eine Leidenschaft für unsere Produkte. Außerdem sind Neugier, Offenheit und Kreativität wichtige Eigenschaften. Sie sind die Basis für innovative Produktideen und deren Umsetzung.

          Sind die Hochschulen ausreichend gerüstet, um Studierenden diese Fähigkeiten mit auf den Weg zu geben?

          Das Thema Kreativität könnte in der Hochschulbildung noch mehr Raum bekommen. Über die Lehrpläne sind die Möglichkeiten, sich Fähigkeiten wie Kreativität anzueignen, nicht überall gegeben. Persönlich wünsche ich mir, dass die Ingenieure von morgen noch stärker im interdisziplinären Studieren gefördert werden.

          Die Generation Y hat andere Werte, verfolgt andere Ziele, hat eine andere Einstellung als ihre Eltern und Großeltern. Wie stellen sich Firmen darauf ein?

          Meine Erfahrung ist, dass die Berufseinsteiger aus der Generation Y Lust haben, viel zu leisten, Karriere zu machen und vor allem sinnstiftend zu arbeiten. Aber ebenso wie sie sich für ihre Karriere engagieren, hat ihr Privatleben einen hohen Stellenwert. In der GenY werden Netzwerke gebildet, ganz gezielt werden der Kontakt und der Austausch zu anderen gesucht. Ich erlebe, dass in dieser Generation das Thema Zusammenarbeit und Kommunikation viel ausgeprägter ist als noch in ihrer Elterngeneration. Diese Fähigkeiten sollten Arbeitgeber nutzen – auch um die aktuellen Herausforderungen der vernetzten Arbeitswelt zu meistern.

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