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Ingenieur mit eigener Firma : „Meine erste große Anschaffung war ein Flipchart“

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David Wenger hat sich gegen eine Konzernkarriere entschieden und den Traum vom eigenen Unternehmen erfüllt. Bild: Friedemann Hinsche

David Wenger, seit 2007 Geschäftsführer der Wenger Engineering GmbH in Ulm, erzählt, warum die eigene Firma sein Lebenstraum ist.

          Herr Wenger, Sie sind nach Ihrem Ingenieursstudium bei einem großen Automobilhersteller als Doktorand und später als Projektingenieur tätig gewesen, bevor Sie Ihr eigenes Büro gegründet haben. Warum haben Sie sich selbständig gemacht?

          Im Konzern ist man nach einigen Jahren eine Nummer, und je nach Wetterlage wird man hin- und hergeschoben. Um dort Karriere zu machen, hätte ich entsprechende Spielregeln beachten müssen, ich wäre abhängig von den Entscheidungen der Chefs gewesen. Sie hätten entschieden, ob ich eine Aufgabe übernehmen darf oder nicht, was ich wann mache, wo und wie ich arbeite. Das war nicht die Karriere, die ich mir vorgestellt habe.

          Inwiefern unterscheidet sich der Arbeitsalltag im eigenen Unternehmen vom Konzernalltag?

          Wer im Konzern arbeitet, erhält verhältnismäßig viel Geld. Das kann ein kleineres Unternehmen einfach nicht leisten. Im Konzern geht man zur Gewerkschaft, wenn es nicht läuft, und dann kümmert sich jemand. Jetzt stehe ich auf meinen eigenen Beinen, habe 23 Mitarbeiter und weltweit Kunden. Ich bin dem Kunden und mir selbst verpflichtet und sonst niemandem. Ich arbeite härter als viele Konzernmitarbeiter und biete meinen Angestellten eine Lernkurve, die steiler nicht sein könnte.

          Vermissen Sie manchmal Ihren früheren Arbeitsalltag?

          Nein. Es war schon immer mein Lebenstraum, eine eigene Firma zu betreiben, auch wenn ich mir früher noch nicht vorstellen konnte, wie das genau aussehen würde. Ich wollte immer mein eigener Chef sein.

          Viele angehende Ingenieure trauen sich die Gründung nicht zu, weil ihnen dieser Weg zu unsicher erscheint. Was würden Sie in solchen Fällen raten?

          Man muss nicht mutig sein, um zu gründen, sondern mutig, um sich auf Quartalszahlen und starre Hierarchien einzulassen. Ich habe auf 25 Quadratmetern angefangen, mit einem gemieteten Tisch, einem gemieteten Stuhl und einem gemieteten Regal. Meine erste große Anschaffung war ein Flipchart. Heute betreue ich mit meinen Mitarbeitern Projekte in den USA, in China und in Brasilien – und es ist mein Lebenstraum.

          Haben Sie Schwierigkeiten, Nachwuchs zu finden?

          Nein, und ich verstehe auch nicht, warum die Leute immer über den Fachkräftemangel klagen. Bei uns gibt es ihn nicht. Vielleicht liegt es daran, dass die Leute sich bei uns ausprobieren dürfen. Wir vermitteln, dass es auf jeden Einzelnen ankommt. Wer hier anfängt, muss zwar ins eiskalte Wasser springen, lernt dabei aber in sechs Monaten mehr als anderswo in sechs Jahren. Ich bringe die Leute zur Klippe, und manche lernen dann zu fliegen.

          Das Interview führte Josephine Pabst.

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