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Besondere Bauprojekte : Visionäre Meisterstücke

  • -Aktualisiert am

Der Durchmesser der Gripper-Tunnelbohrmaschine, die auf die einer der Baustellen am Gotthard-Tunnel zum Einsatz kam, beträgt fast zehn Meter. Bild: Herrenknecht AG

2016 wurden der Gotthard-Basistunnel in der Schweiz und die Kernfusionsanlage Wendelstein 7-X in Greifswald eröffnet. Wer an solchen Prestigeprojekten mitarbeitet, widmet ihnen einen Großteil seines beruflichen Lebens.

          Beim letzten Durchbruch am 23. März 2011 war Tilo Baumgart 34 Jahre alt. Er erinnert sich, als wäre es gestern gewesen. Der Vortag war für ihn emotional: In einer ruhigen Minute spazierte der ausgebildete Konstruktionsmechaniker noch einmal über die Tunnelbohrmaschine – eine von zwei, die in den vergangenen neun Jahren seinen Alltag am Gotthard-Basistunnel in der Schweiz wesentlich bestimmt hatten. 

          Für seinen Arbeitgeber Herrenknecht hatte Tilo Baumgart am südlichen Bauabschnitt zwischen Faido und Bodio die sogenannten Gripper-Tunnelbohrmaschinen (TBM) – einen speziellen Maschinentyp für Hartgestein – betreut und für reibungslose Abläufe gesorgt. „In der Zeit wächst einem so eine Maschine ans Herz. Man lernt sie sehr genau kennen – ihre Eigenheiten, aber auch die Komponenten, auf die man besonders aufpassen muss, damit nichts kaputtgeht“, erzählt er.

          Tilo Baumgart bei der Arbeit auf einer der Tunnelbohrmaschinen.

          Nun würde eine Ära zu Ende gehen: In den nächsten Wochen würde die Maschine in ihre Einzelteile zerlegt werden und zukünftig nur noch in Teilen in anderen Maschinen zum Einsatz kommen. Auch außerhalb seines regulären Dienstes war er oftmals – manchmal in der Nacht oder auch am Wochenende – bei auftretenden Schwierigkeiten an der Maschine in den Tunnel geeilt. Das bedeutete: aufstehen, an die Baustelle fahren, Sicherheitskleidung anziehen und sich einen Überblick über die Situation verschaffen schnelle Lösungen finden. Denn wenn möglich sollte das Projekt wie jedes große Bauprojekt im Zeitplan bleiben.

          Trotz seines jungen Alters war die Arbeit am Gotthard für Baumgart so etwas wie ein Lebenswerk. Zu Hause in Dresden hängen heute noch viele Fotos, die ihn an die Zeit auf der Baustelle erinnern. Zu einigen ehemaligen Kollegen, die mittlerweile in anderen Projekten weltweit im Einsatz sind, pflegt er weiterhin den Kontakt.

          Von der Idee bis zum Baubeginn

          Seit Mitte 2016 fahren inzwischen Züge durch den Tunnel. Doch von der ersten Idee eines Basis-Eisenbahntunnels durch den Gotthard bis zur tatsächlichen Umsetzung waren fast fünfzig Jahre vergangen: Schon 1947 entwarf der Ingenieur und Verkehrsplaner Eduard Gruner aus Basel erste Skizzen eines Gotthard-Basistunnels als Teil eines Schnellbahnsystems. In den 1990er Jahren wurde das künftige System des Tunnels festgelegt, Erkundungsbohrungen und Sondierungen zur Bodenbeschaffenheit schlossen sich an. 1998 nahm das Projekt mit der Gründung der Alp Transit Gotthard AG, Bauherrin des Gesamtprojektes, konkrete Formen an. Als Herzstück der geplanten Neuen Eisenbahn-Alpentransversale (NEAT), durch die Nord- und Südeuropa näher zusammenrücken, erhielt der Gotthard-Basistunnel auch europaweit eine besondere Bedeutung.

          Um die Bauzeit des 57 Kilometer langen Tunnels zu verkürzen, wurde der Bau der beiden Hauptröhren in fünf Bauabschnitte aufgeteilt. 2003 startete der Regelvortrieb auf den ersten beiden Tunnelabschnitten. 2007 und 2008 folgte der Vortriebsstart auf den beiden weiteren Teilabschnitten. Die TBMs von Herrenknecht waren auf insgesamt mehr als 85 Kilometern der 152 Kilometer an Tunneln, Schächten und Stollen im Einsatz.

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