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Bauingenieure : Brücken schlagen

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Jeder Tag besteht aus Herausforderungen. Denn Brücken sind komplexe Bauwerke. Es sind ganz konkrete Probleme, die sie und ihre Kollegen lösen müssen: Eigentlich sollte der Kran, der die alten 65 Meter hohen Stahltürme der Rethe-Hubbrücke Stück für Stück herunterheben soll, bereits aufgestellt sein. Doch die 85 Jahre alte Standfläche erwies sich als nicht stabil genug. Alles muss exakt vorbereitet sein. Daher heißt es jetzt, das Erdreich abzutragen. Ilka Ebeling hat schon Lösungswege skizziert. Nun muss noch eine neue Statik erarbeitet werden. „Auch wenn man es nicht vermutet“, sagt sie, „der Job ist kreativ, und man muss flexibel sein.“

Ilka Ebeling stammt aus dem schleswig-holsteinischen Ort Heide. An der Technischen Universität Hamburg (TUHH) studierte sie zunächst im Bachelor Bau- und Umweltingenieurwesen und spezialisierte sich im Masterstudium auf den Schwerpunkt Tragwerke. Sie vertiefte ihr Wissen in den Bereichen Massivbau, Bau­statik und Stahlbau sowie Baustoffe und Bauwerkserhaltung und arbeitete zwei Jahre lang als Statik-Tutorin an der Uni. Eine Exkursion führte sie damals zu bedeutenden Hamburger Brücken, unter anderem auch an die Rethe-Hubbrücke. Nachdem sie eine Hausarbeit über den Bau der neuen Köhlbrandbrücke geschrieben hatte, war ihr klar: Brücken sind ihre Leidenschaft.

Rein in die Jacke und dann raus: Ebelings Projekt, die Rethe-Brücke, liegt direkt vor ihrer Bürotür.

Über den Schlüsselfertigbau ins Brückenbusiness

Ausgerechnet sie, die davon träumt, Brücken zu bauen, landet 2012 nach dem Studium zunächst in einem Unternehmen für Schlüsselfertigbau. Als Ebeling auf einer Weihnachtsfeier einen ehemaligen Kommilitonen trifft, der bei der HPA arbeitet und ihr von dem Projekt an der Rethe-Klappbrücke erzählt, kündigt sie kurzerhand ihren ersten Job – und wechselt zur Hamburg Port Authority.

Dort darf die Ingenieurin vom ersten Tag an am Bau der Rethe-Klappbrücke mitarbeiten. „Zuerst habe ich einen sehr erfahrenen Kollegen unterstützt, der für die stählernen Klappen der neuen Brücke verantwortlich war. Die Einarbeitung war optimal für die späteren Aufgaben“, erklärt sie. Der Job verlangt einen analytischen Verstand, um auftretende Probleme genau erfassen zu können, und genaues Arbeiten, denn Fehler sind kostspielig und haben schwerwiegende Konsequenzen. Ilka Ebeling beschreibt sich als durchsetzungsstark und teamfähig. Das muss sie auch sein. Oftmals ist sie die einzige Frau unter Männern.

Sie lasse sich nicht so leicht aus der Ruhe bringen, sagt sie. Der Einstieg in das Berufsleben sei allerdings schon ein Sprung ins kalte Wasser gewesen. Das Studium habe sie nur bedingt auf die Praxis vorbereitet. Doch sie wächst mit ihren Aufgaben, die manchmal schon besonders anspruchsvoll sein können. Während des Neubaus der Rethe-Klappbrücke musste sie sich zum Beispiel in das für sie neue und schwierige Thema Gleisbau einarbeiten. „Ich war bauherrenseitig für die Planung, Genehmigung und Ausführung des Gleisbaus auf den Brückenklappen verantwortlich“, sagt sie.

Ausprobieren und Testen

Für den Neubau der Rethe-Brücke waren viele Sonderkonstruktionen notwendig. „Da kam nichts von der Stange. Alle Konstruktionen wurden eigens entwickelt, und so drehte sich viel ums Ausprobieren und Testen“, so Ebeling. Sie erstellte ergänzende Planungsdokumente und holte Genehmigungen für Konstruktionen bei den Behörden ein. Im Team galt es dann, die Brücke für den Verkehr zu testen: Hält diese auch Fahrzeuge mit schwerster Belastung aus, wie zum Beispiel einen Waggon voll beladen mit Erz, der mit 100 Tonnen Gewicht eine Vollbremsung hinlegt? „Diese Zeit war nicht so leicht“, gesteht sie.

Sicher, die beiden Rethe-Brücken sind ihr Projekt. Sie kennt sie inzwischen in- und auswendig. Doch bald wird der Rückbau der Hubbrücke beendet sein. Um welche Brücke sie sich dann kümmern wird, weiß sie noch nicht. Langweilig wird es ihr aber nicht werden: Hamburg besitzt schließlich eine Menge Brücken, die immer wieder instand gesetzt oder komplett erneuert werden müssen.

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