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Bauingenieure : Brücken schlagen

  • -Aktualisiert am

Ilka Ebeling bei der Arbeit im Hamburger Hafen Bild: MIGUEL FERRAZ

Ilka Ebeling ist Bauingenieurin mit einem Faible für Brücken. Ideal also, dass sie derzeit an einem der bedeutendsten Brückenbauprojekte im Hamburger Hafen mitarbeiten kann. Ein Ortsbesuch an der Rethe-Brücke.

          Inmitten des Hamburger Hafens liegt ein altes Zollhaus, direkt an einer stark befahrenen Straße. Im ersten Stock des grauen Gebäudes befindet sich Ilka Ebelings Büro. Das Zimmer, in dem bis zur Aufhebung des Freihafens 2013 Zollbeamte arbeiteten, ist schlicht und zweckmäßig eingerichtet: ein Schrank, ein Tisch, grauer Fußboden. Die 32-jährige Bauingenieurin fühlt sich trotz aller Kargheit dort wohl.

          Ihr Bildschirmschoner zeigt ein Hafenbild im Abendrot, doch der Blick aus dem großen Fenster ist mindestens genauso schön: Er fällt auf das Hafengewässer, auf die seit rund zwei Jahren freigegebene neue Rethe-Klappbrücke und die Stahltürme der seit 1934 bestehenden alten Rethe-Hubbrücke.

          Teambesprechungen zu leiten gehört zu ihrem Job: Ilka Ebeling, 32, spricht mit Kollegen über Details auf dem Bauplan.

          Größte Bahnklappbrücke Europas

          Das Rethe-Brückenprojekt zählt zu den bedeutendsten Infrastrukturprojekten im Hamburger Hafen: Die 2016 eröffnete neue Rethe-Klappbrücke – die größte Bahnklappbrücke Europas – verbindet den Hafenbahnhof Hohe Schaar mit den Hafenbetrieben in Neuhof und dem Containerterminal Tollerort. Während sich der Straßen- und der Bahnverkehr vor der alten Hubbrücke kreuzten, laufen sie jetzt parallel über die neue Klappbrücke. So entfallen die bisherigen Streckensperrungen; 7.000 Fahrzeuge überqueren die Klappbrücke inzwischen täglich. Doch wie bei der alten Hubbrücke müssen Straßen- und Bahnverkehr auch bei der neuen Klappbrücke warten, wenn sich deren hydraulisch bewegliche Flügel für den Schiffsverkehr öffnen. Damit langfristig auch die Schifffahrt von der neuen Brücke profitiert, gilt es nun, die Hubbrücke komplett zu demontieren, denn nur dann kann die Durchfahrtsbreite von 44 auf 64 Meter steigen.

          Seit rund sechs Jahren dreht sich in Ilka Ebelings Berufsleben alles um diese beiden Brücken: Zunächst arbeitete sie am Bau der Klappbrücke mit. Vor zwei Jahren startete dann der Rückbau der Rethe-Hubbrücke, an dem sie seit knapp zwei Monaten sogar als Teilprojektleiterin beteiligt ist.

          Büro direkt an der Baustelle

          An diesem rauhen Frühjahrsmorgen trägt Ebeling eine gestreifte Bluse und Jeans. Ihr Händedruck zur Begrüßung ist fest – wie man ihn auf dem Bau erwartet. „In meiner Position als Teilprojektleiterin bin ich der verlängerte Arm der Gesamtprojektleitung und verantworte damit auch einen erfolgreichen Abschluss des Projektes“, erklärt sie ihre aktuelle Aufgabe. Angestellt ist sie bei der Hamburg Port Authority (HPA), einer Anstalt des öffentlichen Rechts mit rund 1.800 Mitarbeitern, die als modernes Dienstleistungsunternehmen den Hamburger Hafen managt. Neben dem Hafenbetrieb kümmert sich die HPA um Infrastrukturmaßnahmen und damit auch um die Wartung und Pflege aller Brücken im Hafen. Die Zentrale der HPA liegt mitten in der Hafencity, nahe der Innenstadt.

          Um so nah wie möglich am Geschehen zu sein, haben Ebeling und vier weitere Kollegen für die Arbeit am Rethe-Projekt das innenstadtnahe Büro in der Hafencity gegen das alte Zollgebäude getauscht. Ihre Arbeitstage beginnen morgens gegen sieben Uhr – und dauern meist bis in den späten Nachmittag. „Wenn es Probleme gibt, kann es durchaus sein, dass ich auch mal bis 19 Uhr im Büro bin“, sagt Ebeling, die bei besonders hohem Arbeitsanfall auch an den Wochenenden an den Rethe-Brücken anzutreffen ist. Genügend Zeit für ihre Hobbys – ihr Pferd und das Westernreiten – bleibt trotzdem. Denn bei der HPA kann man gleiten, die Mehrarbeit wird durch einen Freizeitausgleich abgegolten. „Ich schätze hier vor allem die flexiblen Arbeitszeiten“, sagt sie. Das ist ihr wichtiger als der Verdienst, der in der privaten Wirtschaft freilich besser wäre.

          Baupläne sind das A und O

          Baubesprechungen leiten, Firmen beauftragen und Vor-Ort-Termine auf der Baustelle begleiten, das gehört zu ihren alltäglichen Aufgaben. Aus Sicherheitsgründen trägt die Bauingenieurin dann einen Helm und ihren orangefarbenen Anorak. Sie kennt die Baupläne aus dem Effeff. Auf ihrem Schreibtisch rollt sie eine riesige Zeichnung aus, die die alte Rethe-Hubbrücke im Detail zeigt, und benennt die Schwere der Gewichte der einzelnen Stahlbauteile. Die Zeichnung ist wichtig für eine Besprechung mit Kollegen am Nachmittag, die sie leiten wird.

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