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Kanzleitypen : Zwischen Selbstbestimmung und unternehmerischer Verantwortung

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Zufrieden und selbstbewusst: Die Anwältin für Privates Bau- und Immobilienwirtschaftsrecht Katharina Bold wollte von Anfang an Verantwortung im Job übernehmen. Das ist ihr gelungen. Bild: Thorsten Jochim

Viele junge Juristen wünschen sich, im Job eigenverantwortlich zu arbeiten und etwas zu bewegen. Wie stellen sich Wirtschaftskanzleien auf die Bedürfnisse dieser neuen Bewerbergeneration ein?

          Katharina Bold hatte keinen Welpenschutz. Bereits an ihrem zweiten Arbeitstag fuhr sie zu einem Ortstermin und begleitete eine Begehung mit einem Sachverständigen. „Mir wurde von Anfang an Verantwortung gegeben“, sagt die 30-Jährige, die seit 2015 als Anwältin für Privates Bau- und Immobilienwirtschaftsrecht bei Lutz Abel in München tätig ist. Sie mag es, nah an den Mandanten zu sein und ohne Backoffice selbstbestimmt zu arbeiten. „Schriftsätze zu verfassen, unter die der Partner dann seinen Namen schreibt, hätte mir nicht gereicht“, meint Katharina Bold. Stattdessen sieht sie sich in naher Zukunft als Partnerin bei Lutz Abel.

          Damit gehört Katharina Bold zu einer selbstbewussten Generation Juristen, die hohe Ansprüche an ihren Job haben. Sie wollen kein kleines Rädchen in einem großen Getriebe sein, sondern selbst etwas bewegen. Sie wollen Geld verdienen, klar – aber das Gehalt steht nicht mehr an erster Stelle. Stattdessen wünschen sich die jungen Bewerber Zeitsouveränität, sinnstiftende Aufgaben und Eigenverantwortung. Wirtschaftskanzleien stellen sich zunehmend darauf ein, immerhin wollen sie die besten Talente für sich gewinnen.

          Unternehmerische Perspektive

          Die mittelständische Kanzlei Buse Heberer Fromm etwa positioniert sich ganz bewusst als New-Age-Modell. „Bei uns sind Associates richtig, die unternehmerisch arbeiten wollen und bereits sind, nach wenigen Monaten die gleichen Aufgaben zu übernehmen wie die Partner“, erklärt Jan Tibor Lelley. Die Einstiegsgehälter seien zwar nicht so hoch wie in den amerikanischen Großkanzleien. Dafür würden die Anwälte am Umsatz beteiligt. „Das fordert, hält aber auch enorme Entwicklungschancen bereit“, sagt Lelley. So sei es nicht unüblich, dass ein Associate nach fünf Jahren Partner werde.

          Neben der fachlichen Expertise, die Anwälte beim Einstieg in einer mittelständischen Kanzlei mitbringen müssen, ist Empathie ganz wichtig. „Bei weniger als 20 Kollegen im Frankfurter Büro kann man sich schlecht aus dem Weg gehen und sollte miteinander auskommen und sich gern über Fachliches, aber auch mal über den Büroalltag oder Privates austauschen“, sagt Johannes Brand lachend, der seit 2016 als Fachanwalt für internationales Wirtschaftsrecht bei Buse Heberer Fromm arbeitet.

          Boutiquen für Spezialisten

          Wer sich stärker spezialisieren möchte, ist in einer Boutique gut aufgehoben. In diesen kleinen Einheiten arbeitet meist nur eine Handvoll Anwälte auf einem juristischen Gebiet. Dadurch entsteht eine große Nähe zwischen den Kollegen – jeder muss sich ins Team einbringen, keiner kann sich im Backoffice verstecken. Bei Schmitz & Partner, einer auf Prozessführung und Schlichtung spezialisierten Frankfurter Boutique, spiegelt sich das auch räumlich wider. Die Wände sind aus Glas, die Türen stehen meistens offen. Es gibt keine festen Teams, je nach Mandat arbeitet jeder mit jedem zusammen. „Als ich mich beworben habe, reizten mich besonders die flachen Hierarchien“, berichtet Jörn Rudolf. Der 33-Jährige arbeitete bereits zwischen seinen beiden Staatsexamen als Referendar und wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Schmitz & Partner, stieg 2012 als Anwalt dort ein und ist seit diesem Jahr Partner. Sein Rat an den Nachwuchs: „Nutzt die Referendarszeit für echte Einblicke in den Beruf, sucht euch Stationen und Nebenjobs, bei denen ihr euch vorstellen könnt, später dort zu arbeiten – nur so findet ihr heraus, welcher Kanzleityp zu euch passt.“ Wer in der Anwaltsstation neun Monate „tauche“, verzichte auf für den Berufseinstieg wertvolle Kontakte und Erfahrungen.

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