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Juristen bei Amazon & Flixbus : Eng getaktet und vernetzt

  • -Aktualisiert am

Immer auf der Suche nach kreativen und innovativen Lösungen: Die 36-jährige Katharina Flesch arbeitet als Juristin bei Amazon in München. Bild: Thorsten Jochim

Für Juristen lohnt sich der Blick auf die Digitalwirtschaft: Dort locken spannende Herausforderungen – und viel Raum für Selbstverwirklichung.

          Wenn sich Katharina Flesch morgens für die Arbeit fertigmacht, muss sie nicht lange überlegen. Jeans und T-Shirt anziehen – und los geht es. Während ihre ehemaligen Kommilitonen meist in Anzug oder Kostüm das Haus verlassen, geht es bei Fleschs Arbeitgeber – dem Internethandelsunternehmen Amazon – eher leger zu. „Jeder kommt so, wie er sich gerade fühlt“, sagt die 36-Jährige. „In diesem Punkt ist Amazon komplett anders als Anwaltskanzleien.“ Flesch kennt beide Welten: Nachdem sie vor zehn Jahren ihr zweites Staatsexamen in Würzburg bestanden hatte, fing sie bei einer mittelständischen Kanzlei an und wechselte später in eine international tätige Großkanzlei. Damals bemerkte die junge Juristin: Es macht ihr Spaß, international zu arbeiten. Doch der Anwaltsjob war ihr auf Dauer zu eintönig. Also ging sie vor zwei Jahren als Corporate Legal Counsel zu Amazon.

          Wichtig: die interne Vernetzung

          Abwechslung gibt es dort genug: Wie in der Digitalwirtschaft üblich herrscht auch bei Amazon ein hohes Tempo. Die Prozesse sind nicht in Stein gemeißelt, die Aufgaben der Mitarbeiter fließend. Entscheidungen fallen schnell. Und so wälzt Flesch nicht im stillen Kämmerlein Akten, sondern arbeitet mit Kollegen aus verschiedenen Abteilungen wie PR, Einkauf und Technologie zusammen und sucht mit ihnen gemeinsam nach Lösungen. Denn die Projekte, die auf dem Schreibtisch der Juristin landen, sind sehr kleinteilig und erfordern viele Akteure: Für die meisten Fragestellungen gibt es schlichtweg keine Präzedenzfälle, weil sich die Digitalwirtschaft so schnell wandelt. Gefragt sind deshalb Kreativität und innovative Ideen.

          Flesch ist ein Sonderfall. Denn viele Juristen behandeln Digitalunternehmen als potentielle Arbeitgeber stiefmütterlich. Die meisten entscheiden sich lieber für die klassische Arbeit in einer Kanzlei: „Der größte Teil – rund 40 Prozent aller Juristen – arbeitet als Rechtsanwalt oder Notar“, sagt Ralf Beckmann von der Bundesagentur für Arbeit. Nur rund zehn Prozent arbeiten als Syndikusanwälte – also als Firmenanwälte. Wie viele davon in Digitalunternehmen tätig sind, ist unklar. Es dürfte aber nur ein Bruchteil sein. Bereits während des Studiums sind die Prioritäten klar verteilt: Für 80 Prozent der angehenden Juristen kommt nur eine Kanzlei als künftiger Arbeitgeber in Frage, hat das Karriereportal Talentrocket ermittelt. Nur zehn Prozent interessieren sich für eine Karriere in anderen Unternehmen. Wer allerdings den Schritt in ein Digitalunternehmen wagt, wird durchaus belohnt: Technologiegetriebene Firmen verändern sich permanent, die Mitarbeiter können die Zukunft des Unternehmens sehr stark mitgestalten.

          Entscheidungen schnell treffen

          Dazu kommt: Während Dresscode und Arbeitszeitregelungen in Kanzleien oftmals streng sind, legen die Arbeitgeber in der Digitalwirtschaft Wert auf Flexibilität. So auch Amazon: Katharina Flesch kann von zu Hause arbeiten, ihre Arbeitszeit ist flexibel. Im Amazon-Headquarter in München-Schwabing teilt sich die Juristin ein Großraumbüro mit 25 Kollegen. Die Aufgaben sind nach Unternehmensbereichen unterteilt. Während Flesch für den Bereich „Softlines“, also Mode und Accessoires, sowie den Premiumdienst „Amazon Prime“ zuständig ist, arbeiten ihre Juristenkollegen für Elektronik, Bücher und andere Produkte oder Geschäftsbereiche.

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