https://www.faz.net/-i7g-9nb9g

Arbeiten im Ausland : Karriere-Booster Vereinigte Staaten

  • -Aktualisiert am

Abenteuer Amerika: Bevor die Reise ins Praktikum oder Auslands­semester beginnen kann, muss man einige organisatorische Dinge klären. Bild: iStockSnap

Juristen profitieren beim Berufseinstieg von Amerika-Erfahrung. Doch diese muss man sich einiges kosten lassen.

          Auslandserfahrung ist nie verkehrt. Mehr noch: Für Juristen, die Karriere machen wollen, ist sie quasi ein Muss. Denn wer eine Zeit lang in einem fremden Land verbracht hat, beweist einen offenen Geist und dass er „sich durchschlagen kann“. Zudem kommt man in großen Anwaltskanzleien und den Rechtsabteilungen der Unternehmen mit Deutsch allein oft nicht aus. „Englisch ist bei der Mehrzahl der großen Arbeitgeber die Arbeitssprache“, weiß Marie Pflüger, Leiterin der Student-Division bei der Deutsch-Amerikanischen Juristen-Vereinigung (DAJV). Deshalb sei ein Aufenthalt in einem englischsprachigen Land, sehr gern in den Vereinigten Staaten, für junge Rechtswissenschaftler lohnenswert. Möglichkeiten dafür gibt es viele: vom klassischen Auslandssemester vor dem ersten Staatsexamen über Referendariatsstationen und Praktika bis hin zum Besuch einer Law School mit dem Ziel, dort einen LL.M. zu machen.

          Langfristige Vorbereitungszeit einplanen

          Man kann sich der „Herausforderung Amerika“ also in ganz unterschiedlichen Stadien der Ausbildung stellen – und verfolgt damit sicherlich auch unterschiedliche Ziele. Eines jedoch wird man kaum umgehen können: die relativ langfristige und sorgfältige Vorbereitung. Vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Entwicklungen im Land sind die Vereinigten Staaten mit ihren Visa sehr streng geworden. Die Richtlinien ändern sich zudem häufig und variieren je nach Zweck des Aufenthalts. „Am besten direkt bei einer amerikanischen Botschaft anfragen, welches das richtige Visum ist, und sich nicht auf Informationen von Freunden oder aus dem Internet verlassen“, rät Marie Pflüger. Und: „Zeit und Geld einplanen. Visa können teuer sein (ab etwa 140 Euro Konsulats- plus variierende weitere Gebühren), und es kann dauern, bis man sie bekommt.“

          Tatsächlich habe die Beantragung des Studentenvisums zu den unangenehmeren Aspekten seiner Zeit in den Vereinigten Staaten gehört, bestätigt Sebastian Himmelseher, der während seines fünften Jurasemesters für vier Monate an der Temple University in Philadelphia studierte. So habe er unter anderem extra von Münster nach Frankfurt am Main reisen müssen, und die Konsulate hätten sehr restriktiv und langsam gearbeitet. Den Platz in Philadelphia erhielt er über seinen Lehrstuhl, der mit der Gastuni ein Partnerprogramm pflegt. „Ich habe mich etwa sechs Monate vor Antritt mit Motivationsschreiben, Lebenslauf und weiteren Nachweisen beworben und einen Monat danach die Zusage erhalten“, erinnert sich der heute 26-Jährige. Der Entscheidungsprozess sei damals wenig transparent gewesen, er wisse aber, dass man sowohl auf Noten achtete als auch darauf, inwiefern der Kandidat die Uni Münster beim Gastgeber repräsentieren würde. Mittlerweile gibt es auf der Website der Uni Münster einen öffentlichen Beurteilungsschlüssel. In der Zeit, die Himmelseher vor der Abreise blieb, suchte er über Airbnb und Craigslist ein WG-Zimmer, buchte Flüge und kümmerte sich um die Gültigkeit seiner Auslandskrankenversicherung.

          Studiensystem eher verschult

          Was in dem Motivationsschreiben stand, das der Schlüssel zu dem darauffolgenden Abenteuer war? „Klar hat mich das Renommee der Temple University gereizt, und ich wollte dort meinen Schwerpunkt Internationales Recht und Rechtsvergleichung vertiefen“, erzählt Sebastian Himmelseher. Primär freute er sich aber darauf, Land und Leute kennenzulernen, den Horizont zu erweitern. Deshalb deponierte er auch Extrageld auf dem Konto. „Wenn man wie ich noch ein bisschen herumreisen möchte, sollte man für ein halbes Jahr in den Vereinigten Staaten etwa 9.000 bis 12.000 Euro einplanen.“ Für viele liegt die Summe weitaus höher, denn Sebastian Himmelseher hatte für sein Jurastudium ein Stipendium der Konrad-Adenauer-Stiftung mit Auslandszuschlag und das Glück, dass durch die Partnerschaft seiner beiden Unis keine Studiengebühren anfielen.

          Topmeldungen

          Regierungskrise in Italien : Mit dem „Plan Ursula“ gegen Salvini?

          Der Streit um das Rettungsschiff „Open Arms“ dauert an – und in Rom wird weiter über Szenarien zur Überwindung der Regierungskrise spekuliert. Ein prominenter Politiker stellt sich nun hinter einen Plan zur Bildung einer breiten Front gegen den italienischen Innenminister.

          Rückschlag für Paris : Neymar macht Tuchel das Leben schwer

          Paris ist schon seit einiger Zeit nicht mehr das Fußball-Paradies für den deutschen Trainer. Seine Reputation in der Öffentlichkeit und die Autorität innerhalb des Klubs sind beeinträchtigt. Und dann ist da ja noch Neymar.