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Marcel Stüber studierte Rechtswissenschaften an der Georg-August-Universität in Göttingen. Im Jahr 2015 absolvierte er sein zweites Staatsexamen. Bild: privat

Justitiar in der Verwaltung : „Computer werden unsere Arbeit nicht ersetzen können“

  • Aktualisiert am

Marcel Stüber, 31, ist Justitiar bei der Landeshauptstadt Hannover. Er schätzt, dass auch in Verwaltungen und Gerichten die Digitalisierung viel verändern wird.

          Herr Stüber, welchen Berufseinstieg haben Sie gewählt und warum?

          Klar war mir immer, dass ich einerseits juristisch arbeiten will, mich andererseits jedoch auch mit gesellschaftspolitischen Fragestellungen auseinandersetzen möchte. An der Arbeit des Verwaltungsjuristen habe ich schon während meines Referendariats Gefallen gefunden. Dieser Beruf bietet mir die Möglichkeit, Fälle aus allen Rechtsgebieten zu bearbeiten. Ich kann sowohl rechtsberatend als auch rechtsgestaltend tätig sein. Das ist sehr anspruchsvoll und vielfältig.

          Was sind Ihre Hauptaufgaben?

          Ich berate die Stadtverwaltung in allen Rechtsgebieten und vertrete sie vor Gericht sowie in außerprozessualen Streitigkeiten.

          Wie wird sich Ihr Berufsfeld durch die Digitalisierung verändern?

          Die Digitalisierung wird die Arbeitsabläufe verändern. Verwaltungen, Gerichte und Anwaltskanzleien haben bereits damit begonnen, die digitale Akte einzuführen. Die Herausforderung besteht dabei darin, die verschiedenen Systeme miteinander kommunizieren zu lassen und gleichzeitig den Datenschutz zu gewährleisten. Juristen haben in der Regel mit sehr vertraulichen Daten zu tun, die nicht in falsche Hände geraten dürfen. Das muss auch so bleiben. Insofern geht es bei der Digitalisierung weniger um eine schnelle als vielmehr um eine gut durchdachte Lösung. Durch die Digitalisierung wird uns Juristen zudem ein größerer Wissenspool zur Verfügung gestellt werden. Unsere Arbeit – das Ermitteln eines Sachverhalts, die rechtliche Subsumtion sowie die Abwägung verschiedener Meinungen – werden Computer jedoch nicht ersetzen können.

          Was erhoffen Sie sich davon?

          Ich verbinde mit der Digitalisierung die Hoffnung auf schnellere Recherchemöglichkeiten. Dies gilt insbesondere für rechtliche Randgebiete, mit denen ich nicht täglich zu tun habe und bei denen ich auf aktuelle Literatur sowie Veröffentlichungen angewiesen bin.

          Welche beruflichen Ziele haben Sie?

          Obwohl ich bereits seit zwei Jahren in dieser Position arbeite, mache ich weiterhin viele, neue Erfahrungen und lerne immer wieder noch unbekannte Rechtsgebiete kennen. Insofern kann ich mir vorstellen, noch eine Weile in dieser Position zu arbeiten. Durch das Bearbeiten vieler verschiedener Fälle lernt man die Stadtverwaltung gut kennen. Langfristige Ziele habe ich bisher noch keine.

          Marcel Stüber, 31, ist heute als Justitiar bei der Landeshauptstadt Hannover angestellt. Er studierte Rechtswissenschaften an der Georg-August-Uni­versität in Göttingen. Im Jahr 2015 absolvierte er sein zweites Staatsexamen. 

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