https://www.faz.net/-i7g-8g5wq

Im Gespräch mit : „Einige Großkanzleien arbeiten nach dem „Up or out“-Prinzip“

  • Aktualisiert am

Alexander Gorny von der juristischen Personalberatung Legalutions. Bild: Legaluations

Alexander Gorny von der juristischen Personalberatung Legalutions über Karrierechancen in Großkanzleien.

          Die renommierten Großkanzleien sagen, sie wollen nur mit den Besten zusammenarbeiten. Heißt das, dass Absolventen ohne Prädikatsexamen hier gar keine Chance haben?

          Juristische Examensprüfungen sind extrem anspruchsvoll. Wer sie nicht vollbefriedigend bestanden hat, muss kein schlechter Anwalt sein. Bei Großkanzleien dürften Bewerber mit zweimal 7,5 Punkten aber üblicherweise wenig Chancen haben. In der Regel sollte man hierfür mindestens ein „Vollbefriedigend“ und ein sehr gutes „Befriedigend“ vorweisen, die Note ist hier oft schon das K.O.-Kriterium.

          Was zählt noch bei den Personalern?

          Da internationale Transaktionen das Tagesgeschäft der Großkanzleien sind, ist Englisch extrem wichtig. Hier sollten Sie verhandlungssicher sein und idealerweise auch schon im Ausland gearbeitet oder gelebt haben, zum Beispiel im Rahmen eines LL.M.-Studiums oder während eines Praktikums. Sonst kommt es natürlich darauf an, für welchen Bereich Sie sich bewerben. Es kann hilfreich sein, wenn sich durch die Wahlfächer im Studium und die Stationen Ihres Referendariats ein roter Faden zieht. Einige Arbeitgeber sehen gern Kandidaten, die zusätzlich eine Banklehre absolviert haben oder betriebswirtschaftliche Kenntnisse vorweisen können.

          Welche Rolle spielen die vielzitierten Soft Skills?

          Teamfähigkeit ist das A und O, denn an großen Mandaten arbeiten Sie nie allein. Außerdem sollten Sie offen an Themen herangehen, wirtschaftlich denken können und insgesamt derart auftreten, dass der Mandant Sie als einen kompetenten und angenehmen Ansprechpartner wahrnimmt.

          Haben Associates denn direkten Kontakt mit den Mandanten? Man hört oft das Gegenteil.

          Es liegt in der Natur der Sache, dass Berufseinsteiger in kleineren Einheiten schneller „an die Front“ geschickt werden. Wenn man das nicht abwarten kann, ist eine Großkanzlei je nach Kanzlei- und Teamgröße nicht immer der richtige Arbeitgeber. Dass Associates in den großen Häusern reine „Backoffice-Arbeiter“ sind, stimmt aber auch nicht immer. Hier bietet sich mit der Zeit ebenfalls die Gelegenheit, mehr Verantwortung zu übernehmen.

          Bis man irgendwann Partner ist?

          Nach dem Associate kommt zunächst der Senior Associate oder dessen Pendant sowie gegebenenfalls eine weitere Associate-Stufe. Danach geht es in variablen Karrierestufen in Richtung der Partnerschaft. Einige Großkanzleien arbeiten nach dem „Up or out“-Prinzip – mit der Konsequenz, dass Anwälte ohne Partneraussichten bei Erreichen einer gewissen Seniorität die Firma verlassen. Bei anderen Anbietern wird es immer üblicher, dass Anwälte langfristig an Bord bleiben, ohne Partner zu werden.

          Wie gut sind denn die Chancen, in einer Großkanzlei Partner zu werden?

          Ich würde hier ungern eine Prozentangabe wagen. Man kann sich aber anhand der regelmäßig publizierten Partnerernennungen leicht ausrechnen, dass nicht jeder der jährlich neu eingestellten Associates irgendwann die Partnerstufe erklimmen kann. Eine Partnerschaft bei einer Großkanzlei ist andererseits auch nicht die einzige Option für ambitionierte Juristen. Der Wechsel in eine spezialisierte kleinere Einheit, die Gründung einer eigenen Kanzlei oder ein Wechsel in die Rechtsabteilung eines Unternehmens können ebenfalls einen attraktiven und erfolgreichen Berufsweg eröffnen.

          Das Interview führte Julia Bröder.

          Die beliebtesten Arbeitgeber unter den Großkanzleien

          1. Freshfields Bruckhaus Deringer

          2. CMS Hasche Sigle

          3. Hengeler Mueller

          4. Gleiss Lutz

          5. Clifford Chance

          6. Noerr

          7. Linklaters

          8. Baker McKenzie

          9. Allen & Overy

          10. Hogan Lovells

           

          Quelle: Ranking der großen Wirtschaftskanzleien, basierend auf dem Trendence
          Graduate Barometer 2015 – German Law Edition.

          Topmeldungen

          Mit dem geeigneten Rahmen sieht alles gut aus – das gilt auch für Framing in der Sprache.

          „Framing-Manual“ der ARD : 120.000 Euro für den Neusprech

          Die ARD gibt bekannt, was das Schulungspapier, das die Linguistin Elisabeth Wehling für sie erarbeitete, die Beitragszahler gekostet hat. An dessen Inhalt hat in der ARD niemand etwas auszusetzen. Im Gegenteil.

          Bayern gegen Liverpool : „Das wird richtig heiß“

          Das Münchner „Mia san mia“ ist wieder da: Beim 0:0 in Liverpool in der Champions League ragen zwei Bayern heraus. Doch das Ergebnis birgt eine Gefahr – und im Rückspiel wird ein wichtiger Spieler fehlen.
          Im Verdacht, einen Angriff auf seine Person gestellt zu haben: der Schauspieler Jussie Smollett.

          Angriff auf Jussie Smollett : Wer würde so etwas erfinden?

          Der amerikanische Schauspieler Jussie Smollett meldete der Polizei Ende Januar, er sei von maskierten Männer attackiert worden. Nun steht er im Verdacht, den rassistischen Angriff selbst inszeniert zu haben.