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Energierecht : Zukunftsmarkt – heute und morgen

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Der Unternehmenssitz von ENBW in Karlsruhe: Hier sitzen der Syndikusanwalt Tim Krautschneider und seine Kollegen – rund 40 weitere Volljuristen. Bild: Kirsten Bohlig

Wer es geordnet und ruhig mag, sollte nicht in den Energiesektor einsteigen, denn der entwickelt sich rasant. Das Energierecht bietet Juristen allerdings hervorragende Jobchancen.

          Atomkraft? Nein, danke. Die lachende Sonne war das Symbol der Anti-Atomkraft-Newegung der 1970er Jahre. Mittlerweile hat Deutschland den Ausstieg aus der Kernenergie bis 2022 beschlossen. Außerdem sollen die fossilen Brennstoffe von erneuerbaren Energien abgelöst werden. Uns steht also nichts weniger als die komplette Umgestaltung eines riesigen Wirtschaftszweiges bevor. Für Juristen ein weites Feld, sich rechtlich auszutoben, denn die meisten Gesetze sind noch gar nicht geschrieben. Im Wesen politisch, gesellschaftlich relevant und kritisch von der Öffentlichkeit begleitet, steht der Energiesektor zuweilen im Fokus hitziger Debatten.

          Rechtlicher Rat für Unternehmen

          „Wer hier arbeitet, muss die Öffentlichkeit mögen und darf sich nicht vor politischen Auseinandersetzungen scheuen“, sagt Tim Krautschneider (30), seit 2016 Syndikusrechtsanwalt bei der ENBW Energie Baden-Württemberg AG. Als Mitglied der Jungen Union bringt Krautschneider dafür gute Voraussetzungen mit, da er seit Jahren politisch engagiert ist. „Wer im Bereich der erneuerbaren Energie tätig ist, steht im Fokus“, sagt Krautschneider. Bei öffentlichkeitswirksamen Projekten, etwa wenn die ENBW neue Windparks plant und Bürgerinitiativen vor Ort dagegen demonstrieren, dann sprechen sie sich mit der Kommunikationsabteilung ab. „Mir ist bewusst, dass auch ich dafür sorge, dass das Unternehmen in gutem Licht erscheint.“

          Krautschneider bei der Arbeit: Gemeinsam mit seinen Kollegen liefert er den juristischen Input für die unternehmerischen Entscheidungen des Konzerns.

          Die ENBW, das sind 21.000 Mitarbeitende, in der Rechtsabteilung arbeiten rund 40 Volljuristen. Der Konzern gehört mit RWE und Eon zu den größten Energieversorgern hierzulande. Die ENBW bildet die gesamte Wertschöpfungskette ab: von der Erzeugung in Kraftwerken – mit Kohle, Kernenergie und Wasser – über die Verteilung in Netzen bis hin zur Stromversorgung der Kunden. „Wir liefern den juristischen Input für die unternehmerischen Entscheidungen des Konzerns“, erzählt ENBW-Jurist Krautschneider. „Sich wirtschaftliches Know-how anzueignen ist wichtig, damit man die ökonomischen Beweggründe von Projekten nachvollziehen und so die entsprechenden juristischen Rahmenbedingungen definieren kann.“ Im Austausch mit Fachkollegen erarbeitete sich Krautschneider das entsprechende Wissen, dort erfuhr er von Rentabilitätserwartungen und wirtschaftlichen Beweggründen für strategische Beschlüsse.

          Die Entscheidung, in einer Rechtsabteilung eines Unternehmens zu arbeiten, fiel während seines Referendariats, als er die Wahlstation bei ENBW ableistete. „Die Arbeitsmöglichkeit zwischen Justiz, öffentlicher Verwaltung und Kanzleien kommt mir sehr entgegen“, sagt der Jurist. Eine ausgeglichene Work-Life-Balance und soziale Absicherung sind für Krautschneider weitere Vorzüge.

          Energienetz im Wandel

          Für ein Unternehmen hat sich auch Matthias Mohnhaupt entschieden. Der 31-Jährige arbeitet mit fünf weiteren Juristen und knapp 1.800 Mitarbeitenden bei Avacon. Der Netzbetreiber ist einerseits ein Teil des Eon-Konzerns, andererseits halten Kommunen knapp 40 Prozent der Anteile an der Aktiengesellschaft. „Als Avacon-Gruppe sind wir in zwei Welten unterwegs“, erzählt Mohnhaupt, „einerseits als Netzbetreiber in dem regulierten Geschäft mit unseren Energienetzen, andererseits als klassisches Wirtschaftsunternehmen auf dem freien Markt, indem wir individuelle Energielösungen für Kommunen und Industrie anbieten.“

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