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Arbeiten als Staatsanwältin : Ermitteln, anklagen, plädieren

  • -Aktualisiert am

Bild: Jonas Ratermann

Arbeiten bei der Staatsanwaltschaft – ein Traumberuf? Eine junge Staatsanwältin gibt Einblick. Ein Ortsbesuch in Wiesbaden.

          Ein Gefühl von Erhabenheit verleihe sie ihr schon, diese Robe aus teurem Wollstoff mit Samtbesatz. Besonders am Anfang sei es noch ungewohnt gewesen, in der gewandartigen Dienstbekleidung vor Gericht aufzutreten, erinnert sich Anja Müller-Brandenstein. Mittlerweile gehört die Robe zum Arbeitsalltag, genauso wie Akte, Bleistift und Telefon.

          Das tägliche Arbeitsmaterial eines Staatsanwaltes neben Bleistift und Telefon: Seine Akten.

          Anja Müller-Brandenstein ist seit zwei Jahren als Staatsanwältin im Justizzentrum Wiesbaden tätig und kümmert sich um Verfahren in den Bereichen Rauschgiftkriminalität und Jugendstrafrecht. Um Fälle also, in denen es um Drogenhandel geht oder um Verstöße gegen das Arzneimittelgesetz, um Anklagen, in denen der Täter minderjährig ist oder in denen es um den Schutz von Kindern und Jugendlichen geht. Klingt nach hartem Tobak – ist aber genau das, was Anja Müller-Brandenstein an ihrem Job mag. „Man bekommt so viele spannende Einblicke in Lebenswelten jenseits der eigenen behüteten Welt“, sagt die 30-Jährige, die gerade mit ihrem Mann ins Eigenheim umzieht. Beim Einblick bleibt es aber nicht, denn sie ist überzeugt: „Mit meiner Arbeit als Staatsanwältin tue ich etwas Gutes, helfe den Geschädigten und auch der Gesellschaft.“

          Enger Austausch mit der Polizei

          Konkret findet die Arbeit vornehmlich im Büro statt. „Staatsanwälte sind Schreibtischhelden“, sagt sie, deren eigener Schreibtisch sehr aufgeräumt aussieht – genauso wie das Regal dahinter, in dem sich die Akten, sortiert nach „Zutrag“ und „Abtrag“, stapeln. Anja Müller-Brandenstein ist Frühaufsteherin, da kommt es ihr gelegen, dass sie sich in der Staatsanwaltschaft ihre Zeit selbst einteilen und schon um acht Uhr mit der Arbeit beginnen kann. Und zwar mit dem „Zutrag“, der ihr vom Sekretariat bereits auf den Tisch gelegt wurde. „Darin befinden sich Neuanzeigen der Polizei, bestehende Verfahren, aber auch Angelegenheiten im Strafvollzug“, erklärt die Juristin. „Diese lese ich und veranlasse, was zu tun ist.“ Das können Anweisungen an die Polizei sein, weitere Hintergründe zu einer Tat zu ermitteln oder einen Zeugen zu befragen. Das kann bedeuten, dass die junge Staatsanwältin ein Verfahren einstellt oder eine Anklage schreibt, die sie dann ans Gericht schickt. Auch Durchsuchungsbeschlüsse oder Telekommunikationsüberwachungen liegen in ihrer Hand. So wie man das aus dem „Tatort“ kennt? „Nicht ganz“, sagt Müller-Brandenstein lachend. Es könne aber schon mal vorkommen, dass die Polizei anruft und ganz schnell einen Durchsuchungsbeschluss braucht. „Wenn Zeit ist, hole ich mir den beim Gericht, wenn es zu sehr eilt, kann ich die Durchsuchung aber auch selbst anordnen.“

          Die enge Zusammenarbeit mit der Polizei macht einen großen Teil der Arbeit aus. Telefonate mit der hessischen Polizei sowie mit LKA und BKA sind an der Tagesordnung. „Es ist meine Aufgabe, Ermittlungen einzuleiten und auf deren Grundlage später ein Verfahren einzustellen oder eine Anklage zu erheben und diese dann auch vor Gericht zu vertreten“, erklärt Müller-Brandenstein. Genau diese Kombination aus Ermitteln, Aktenarbeit und Präsenz vor Gericht macht für sie den Traumberuf Staatsanwältin aus.

          Weichenstellung im Referendariat

          Wie spannend Strafrecht in der Praxis ist, habe sie sich im Studium übrigens noch gar nicht vorstellen können. Erst die Pflichtstation in der Staatsanwaltschaft Mainz habe ihr die Augen geöffnet – nicht zuletzt wegen ihres tollen Ausbilders. Aber der Reihe nach: Mit einem Einser-Abi standen Anja Müller-Brandenstein nach der Schule alle Wege offen. Sie hätte auch gern Medizin oder Literaturwissenschaft studiert. Warum dann Jura? „Ich wollte etwas Handfestes, etwas mit einer konkreten Vorstellung, was man damit beruflich machen kann“, erklärt sie. Also schrieb sie sich an der Uni Mainz ein, studierte zügig inklusive eines Auslandssemesters in Spanien und absolvierte das erste Staatsexamen mit 9,7 Punkten. Es folgte das Referendariat mit Stationen am Amtsgericht Mainz, in der Kreisverwaltung Mainz-Bingen, im Hessischen Sozialministerium und bei einer großen Kanzlei in Frankfurt am Main. Das sei aber nicht ihr Ding gewesen. „Da ging es mir zu sehr um Geld und weniger darum, gesellschaftlich wirklich etwas zu bewegen.“ Auch mit einer Selbständigkeit als Anwältin habe sie nie geliebäugelt. „Dafür bin ich viel zu sicherheitsorientiert.“

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