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Forschen bei Harting : „Es gibt einen großen Bedarf – und die Aufgaben sind sehr vielfältig“

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Marco Braun, 28, hat an einer privaten Fachhochschule für Wirtschaft und Technik den Bachelor in Elektrotechnik absolviert und dann an der Uni Oldenburg den Master of Science mit dem Schwerpunkt „Eingebettete Systeme und Mikrorobotik“ abgeschlossen. Bild: Harting

Marco Braun arbeitet als Referent in der Forschungs- und Entwicklungsabteilung im Bereich Robotik bei der Harting Technologiegruppe. Wie es dazu kam, erzählt er im Interview.

          Herr Braun, welche Rolle spielt Ihr Studium der Elektrotechnik für Ihre heutige Tätigkeit?

          Das Studium bereitet meiner Meinung nach ganz grundlegend darauf vor, komplexe Aufgaben strukturiert zu lösen. Ich habe den Schwerpunkt „Eingebettete Systeme und Mikrorobotik“ gewählt. Gerade im Bereich „Modellierung eingebetteter Systeme“ ging es im Studium verstärkt um die Entwicklung von verlässlichen Systemen. Das heißt, es geht darum, dass Systeme immer so funktionieren wie vorgesehen. Das ist bei komplexen Robotikanwendungen in der Fertigung dringend notwendig.

          Warum haben Sie sich für eine Karriere in der Elektrotechnik entschieden?

          Ich finde, es macht erst richtig Spaß, wenn sich etwas bewegt. Außerdem ist es sehr spannend, dass Robotik so interdisziplinär ist. Konstrukteure, Informatiker, Automatisierungstechniker, Data Scientists und Produktionsingenieure müssen bei der Entwicklung komplexer Anlagen zusammenarbeiten.

          Wie sind Sie beruflich eingestiegen?

          Ich bin 2009 mit einem dualen Studium im Fachbereich Elektrotechnik bei Harting direkt eingestiegen. Nach dem Abitur habe ich mich dazu entschieden, zeitgleich zum Bachelorstudium (Elektrotechnik) auch eine Ausbildung zum Elektroniker zu machen.

          Welche Qualifikationen waren Ihren Ansprechpartnern im Bewerbungsgespräch wichtig?

          Neben einem guten Schulabschluss, belegt vorab durch meine Zeugnisse, wurde damals in einem Assessmentcenter stark auf die Problemlösefähigkeit und auf Teamfähigkeit geachtet.

          Wie ist das Bewerbungsgespräch abgelaufen?

          Das Assessmentcenter begann vormittags. Am Anfang durfte sich jeder kurz mit seinem bisherigen Werdegang und seinen Hobbys vorstellen. Danach gab es eine Reihe von Aufgaben, die in Teamarbeit gelöst werden mussten. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass wir ein Ei mit Strohhalmen und Tüchern verpacken mussten, damit es einen Sturz aus etwa zwei Metern unbeschadet übersteht. Bei der Lösung der Aufgaben wurden wir beobachtet. Anschließend gab es eine Feedback-Runde. Mein Vorstellungsgespräch hatte ich einige Tage später. Ich war sehr aufgeregt und hatte mich auf unangenehme Fragen, zum Beispiel „Was sind ihre Schwächen?“, eingestellt. Es kam dann allerdings ganz anders. Das Vorstellungsgespräch war sehr angenehm und entspannt. Es ging vor allem darum, welche Arbeiten mir am meisten Spaß machen würden. Ich sei herzlich Willkommen, im Unternehmen anzufangen.

          Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

          Meine Tage sind sehr abwechslungsreich. Ein typischer Arbeitstag geht bei mir um kurz vor 8 Uhr los und endet meistens zwischen 17 und 17.30 Uhr. Ich bin allerdings auch oft unterwegs auf Messen, Fortbildungen oder Konferenzen. Wenn ich im Büro arbeite, starte ich mit einer Tasse Kaffee und beantworte Emails. Danach geht es an die eigentlichen Aufgaben: Etwa Programmieren, Projektplanung, Testen. Häufig gibt es zwei, drei Termine am Tag zur Abstimmung in Projektteams oder mit meinem Vorgesetzten.

          Was sind Ihre beruflichen Ziele?

          Ich möchte mich lebenslang weiter entwickeln und bei neuen Technologien am Ball bleiben. Kurzfristig möchte ich gerne noch viel im Bereich der „Künstlichen Intelligenz“ und des „maschinellen Sehens“ lernen, um so spannende Prototypen für die Produktion entwickeln zu können. Mein Ziel ist es vor allem, das Unternehmen mitzugestalten. Mittelfristig würde ich gerne auch Mitarbeiterverantwortung übernehmen, zum Beispiel als Abteilungsleiter.

          Was würden Sie Studierenden raten, die in der Elektrotechnik einsteigen möchten?

          Es ist schwierig, allgemeine Tipps zu geben. Im Robotikbereich hilft es, wenn man schnell selber die Steuerungen verdrahten oder neue Sensoren anschließen kann. Ich würde also jeder Zeit wieder versuchen, auch grundlegendes Elektrotechnikwissen aufzubauen. Ansonsten kann ich diesen Berufszweig nur empfehlen. Es gibt einen großen Bedarf – und die Aufgaben sind sehr vielfältig.

          Marco Braun, 28, hat zunächst an einer privaten Fachhochschule für Wirtschaft und Technik den Bachelor in Elektrotechnik absolviert und dann an der Uni Oldenburg den Master of Science mit dem  Schwerpunkt „Eingebettete Systeme und Mikrorobotik“ abgeschlossen. Bei der Harting Technologiegruppe, einem führenden Anbieter von elektrischer Verbindungstechnik mit 13 Produktionsstätten und 44 Vertriebsgesellschaften und Vertretungen weltweit, arbeitet er seit zwei Jahren als Referent „Strategische Technologieentwicklung“ in der Forschungs- und Entwicklungsabteilung im Bereich Robotik. Zu seinen Aufgaben gehört es, aktuelle Entwicklungen in der Forschung oder Technologie in Studien aufzubereiten, um herauszufinden, wie diese für das Unternehmen genutzt werden können.

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