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Berufseinstieg mit Headhunter : Auf der Jagd

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Vom Key-Account-Manager in die Geschäftsleitung: Bastian Schwärmer hat schon zweimal den Arbeitgeber mit Hilfe eines Headhunters gewechselt. Bild: privat

In der IT- und Digitalbranche fallen bereits Berufseinsteiger und Young Professionals in das Beuteschema von Headhuntern. Die Recruiter knüpfen vor allem online Kontakt zu geeigneten Kandidaten. Doch es kann sich auch für Bewerber lohnen, bei der Jobsuche einen Vermittler ins Boot zu holen.

          Da ist sie wieder, diese ungeliebte E-Mail-Antwort: „Vielen Dank für Ihr Interesse an unserem Unternehmen. Wir werden Ihre Bewerbung ausgiebig prüfen und uns zeitnah bei Ihnen melden.“ Gerade für hochqualifizierte Young Professionals kann diese Art von Warterei und Ungewissheit nervenzehrend sein, denn sie bewerben sich in der Regel gezielt auf interessante Stellen, setzen bei der Jobsuche auf Klasse statt auf Masse. Da wäre es schon schön, der Adressat eines Anschreibens reagiere etwas persönlicher und gäbe einem wenigstens das Gefühl, dass Lebenslauf und Zeugnisse den entscheidenden Personen vorliegen.

          Kandidaten, die sich über einen Headhunter bewerben, bekommen dieses Gefühl vermittelt. Lars Koch*, den die Personalberatung Optimus Search vor einem Jahr von einer Postdoc-Stelle im Bereich Medizinische Bildverarbeitung als Senior Developer in die Forschungs- und Entwicklungsabteilung eines mittelständischen Bildverarbeitungsunternehmens vermittelte, erinnert sich: „Mir kam es während des gesamten Prozesses vor, als hätte ich einen direkteren Draht in die Unternehmen als bei einer Bewerbung auf eigene Faust. Mein Recruiter hat mir das Gefühl gegeben, dass er überall jemanden persönlich kennt, auf jeden Kontakt gab es umgehend eine Rückmeldung.“ Zustande gekommen war der Kontakt zu der international agierenden Firma Optimus Search, weil diese auf einem Online-Portal eine Stelle ausgeschrieben hatte, für die Koch sich interessierte.

          Die Makler des Personalbereichs

          Das zeigt: Im Grunde arbeiten Headhunter wie Makler. Sie werden von einem Unternehmen beauftragt, eine bestimmte Vakanz zu besetzen, und suchen dafür über verschiedene Kanäle nach den passenden Kandidaten. Im oben beschriebenen Fall war die eigene Website einer davon; am üblichsten sind aber Xing, Linkedin, Absolventenkongresse und natürlich das persönliche Netzwerk. Wer hier präsent ist, seine Profile pflegt und Interesse an neuen Herausforderungen signalisiert, hat gute Chancen, von einem Headhunter angesprochen zu werden. Der größte Fehler, den man dabei machen kann? „Sich verstecken – online wie offline“, sagt Oliver Meywirth, Geschäftsführer bei der Kienbaum-Tochter Capitalheads, die sich auf die Vermittlung von Young Professionals spezialisiert hat. Uninteressante oder zeitlich nicht passende Anfragen rät er höflich abzusagen, nicht aber ins Leere laufen zu lassen. Immerhin könnte der Kontakt einen zu einem späteren Zeitpunkt weiterbringen.

          Bezahlt werden die Personalvermittler ausschließlich vom Auftraggeber, in der Regel prozentual zum Jahresgehalt des vermittelten Professionals. Das ist sicherlich ein Grund, warum viele Headhunter sich auf das gehobene Management spezialisieren. Trotzdem ist Koch als „Berufseinsteiger“ in die freie Wirtschaft kein Einzelfall. Als promovierter Physiker mit einem Promotionsthema im Bereich Informatik zählt er zu den Experten, die der Arbeitsmarkt dringend sucht. Auch Datenarchitekten, Datenanalysten, Softwareingenieure, Programmierer und Projektmanager im Bereich Digitalisierung fehlen den Unternehmen. „In diesen Bereichen investieren die Arbeitgeber nicht nur in eigene Human Resources und Employer-Branding-Maßnahmen, sondern benötigen auch zunehmend die Unterstützung von Personalberatern“, sagt Stefan Preussler, Inhaber von Kwp, einer inhabergeführten Unternehmens- und Personalberatung in Hamburg. Zudem seien sie bereit, beim Gehalt an ihr Äußerstes zu gehen.

          Anbahnungsphase von zwei bis drei Monaten

          Ob sich Headhunter in Gehaltsverhandlungen einbringen sollten, ist allerdings umstritten. Sicherlich können sie zusammen mit dem Kandidaten eine Range abstecken, so dass klar wird, wie realistisch ein Vertrag ist. „Die tatsächliche Summe wird jedoch zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer besprochen, genauso wie die Frage, ob es am Ende zu einer Einstellung kommt“, betont Meywirth. „Wir stellen den Kontakt her.“ Vom ersten Gespräch zwischen ihm und dem Kandidaten bis zur finalen Entscheidung dauert es zwischen zwei und drei Monate.

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