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In Mathe promovieren : Scharnier zwischen Wissenschaft und Wirtschaft

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Im MPI-MiS Leipzig geht es darum, bestehende mathematische Methoden und Techniken auf die Wissenschaften anzuwenden, aber auch konzeptuelle und strukturelle Ansätze der Mathematik in andere Forschungsgebiete zu übernehmen. Diese Ausrichtung überzeugte die 26-jährige Raffaella Mulas, die dort aktuell an einem mathematischen Problem arbeitet, das sie in der Chemie anwenden möchte. Dass sie einmal in die Forschung gehen möchte, stand für die aus Italien stammende Doktorandin früh fest. Auf den Mathe-BA in Udine folgte ein Masterabschluss mit den Schwerpunkten Algebra, Wahrscheinlichkeit und Topologie in Bonn. Seit knapp einem Jahr ist sie nun in Leipzig und hat in der Zeit schon ein wissenschaftliches Paper eingereicht. Sie schätzt die Internationalität des Hauses und den intensiven wissenschaftlichen Austausch: Die Wissenschaftler und Doktoranden kommen aus aller Herren Ländern, oftmals sind internationale Gäste für Forschungszwecke in Leipzig; darüber hinaus kann sie regelmäßig an Konferenzen teilnehmen. Gerade war sie in Berlin, eine weitere Konferenz steht demnächst auf Sizilien an.

Ein Ruf bis nach Australien

International geht es auch am Konrad-Zuse-Zentrum für Informationstechnik Berlin, kurz ZIB, zu. Der gute Ruf reicht bis nach Australien, von wo der seit Jahresbeginn als Doktorand angestellte Mathematiker Mark Turner kommt. Über einen ehemaligen Betreuer an seiner Uni in Melbourne, der aus Deutschland stammte, hörte er vom ZIB. Die Frage, ob er in die Wirtschaft gehen oder in der Wissenschaft bleiben will, war für ihn bei der Wahl des Instituts zweitrangig. Überzeugt haben ihn vor allem die Forschungsthemen am ZIB, die sich mit seinen bisherigen Themen deckten, und die Möglichkeit, in einem renommierten Expertenumfeld zu arbeiten. „Das Arbeitsumfeld ist wesentlich besser als in Australien“, sagt er. Nach dem Motto „all or nothing“ bewarb er sich in Berlin – mit Erfolg. Zwei Tage nach seinem Masterabschluss saß der 24-Jährige schon im Flieger nach Deutschland.

„Das ZIB als Forschungszentrum für angewandte Mathematik und praktische Informatik zeichnet sich vor allem durch Forschung aus, die an einer Uni nur schwer umsetzbar wäre“, erklärt Thorsten Koch, Professor an der TU Berlin und Abteilungsleiter „Mathematical Optimization“ am ZIB. Zum einen nutzen die Forscher die Kapazitäten des vorhandenen Hochleistungsrechners, um mathematische Modelle und effiziente Algorithmen zu entwickeln. Zum anderen gilt der Ansatz „Mathematische Spitzenforschung von der Theorie bis zur Umsetzung in die Praxis“. Im Blick dabei immer: die Ausrichtung auf den Transfer der Grundlagenforschung in die Industrie. Und so arbeiten die Wissenschaftler, wie unter anderen auch Turner, auf dem vom BMBF geförderten Forschungscampus Modal mit Firmen gemeinsam an zukünftigen Innovationen, wie etwa der Entwicklung eines entscheidungsunterstützenden Systems für Gasnetzoperationen.

Mark Turner kommt ursprünglich aus Australien. Nun promoviert er am Konrad-Zuse-Zentrum für Informationstechnik Berlin.

Mathehochburg Berlin

Berlin ist überhaupt eine Mathe-Hochburg: Neben dem ZIB gibt es beispielsweise das Weierstraß-Institut für Angewandte Analysis und Sto­chastik (WIAS), Mitglied in der Leibniz-Gemeinschaft, „ein Paradebeispiel für wirtschaftsnahe, der Praxis verbundene Kooperationen mit hohem Forschungsanspruch“, sagt Vogt. Dort gehen die Wissenschaftler unter anderem finanzmathematischen Fragen nach, wie etwa das Risiko für umfangreiche Portfolios großer Banken quantifiziert und abgesichert werden kann, oder materialwissenschaftlichen Fragestellungen, wie etwa der nach dem Aufbau von Dünnschichtsolarzellen, der Produktion von Stahl mit besonderen Eigenschaften oder der Beschichtung von Oberflächen. Und auch das im September bewilligte Forschungscluster „Math+“ zwischen den drei kooperierenden Universitäten HU, FU und TU Berlin, in Zusammenarbeit mit ZIB und WIAS, verspricht für die kommenden Jahre weitere interessante Forschungsfelder.

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