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Einstieg bei der Metro AG : „In der modernen Welt ist Handel nicht nur kaufen und verkaufen“

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Lin Ye, 26, kommt ursprünglich aus China. Bevor sie bei der Metro AG als Potential-Management-Trainee eingestiegen ist, hat sie International Law and Finance in Schanghai und Frankfurt studiert und 2015 mit dem Master of Law abgeschlossen. Bild: Metro AG

Lin Ye, 26, durchläuft derzeit das Potential-Management-Traineeprogramm der Metro AG. Warum sie im Handel eingestiegen ist, erzählt sie im Interview.

          Frau Ye, Sie sind derzeit Trainee bei der Metro AG in China. Welche Tätigkeiten üben Sie dabei aus?

          Das Metro-Potentials-Program ist ein internationales Management-Traineeprogramm der Metro AG. Aus allen 25 Ländern, in denen Metro handelt, können Kandidatinnen und Kandidaten für das Programm nominiert werden. Meine Arbeit ist sehr unterschiedlich: Ich wechsle von Fachabteilung zu Fachabteilung und arbeite an verschiedenen Projekten. Je nachdem wie umfangreich die Projekte sind, sogar manchmal als Projektleiterin, wie derzeit in einem Category-Management-Projekt. Ziel ist, die Sortimentsstruktur zu überprüfen, zu beurteilen und dann zu optimieren. Ich leite die Diskussionen, lege den Projektumfang fest, manage die einzelnen Projektschritte und verteile die Aufgaben innerhalb des Teams.

          Warum haben Sie sich für eine Karriere im Handel entschieden?

          Vor allem beeinflusst der Handel das Leben aller Menschen jeden Tag, in jeder Hinsicht. Das fasziniert mich sehr. In der Welt des Handels wird es nicht langweilig, weil diese Branche so dynamisch ist. Als ich mich für die Branche entschieden habe, wollte ich gern die Entwicklungen an der Spitze unserer Zeit miterleben. Kulturelle Vielfalt ist ebenfalls ein großes Thema im Handel. Der internationale Handel hat den kulturellen Austausch seit jeher gefördert – also den Wohlstand der Zivilisation nicht nur monetär, sondern auch kulturell bereichert.

          Welche Vorteile sehen Sie, im Handel über ein Traineeprogramm einzusteigen?

          In der modernen Welt ist Handel nicht nur kaufen und verkaufen. Viele weitere Bereiche unterstützen das Geschäft, wie beispielsweise die Kundenforschung, das Data-Mining, das Marketing, die Preisgestaltung, der Vertrieb, die Beschaffung und die Qualitätssicherung, die Supply-Chain, die Finanzabteilungen, die IT und viele weitere. Dazu kommen neue und innovative Geschäftsbereiche, die die Art und Weise des Handelns verändern. Das Traineeprogramm gibt mir Zeit, meine Neugierde zu befriedigen und viele Bereiche kennenzulernen. Indem ich viele Abteilungen durchlaufe, verstehe ich viel besser, wie alles zusammenwirkt und das Geschäft bestimmt. Außerdem kann ich an anspruchsvollen Projekten teilnehmen und Erfahrungen sammeln, die die meisten Berufseinsteiger so nicht haben.

          Warum haben Sie sich für diesen Arbeitgeber entschieden?

          Für mich war die Internationalität des Konzerns ein wesentlicher Grund für meine Bewerbung bei Metro. Meine Traineegruppe ist klein, aber multinational. Wir sind zwölf Personen aus zehn Ländern. Im Oktober wird jeder von uns ins Ausland gehen, um in einem anderen Land zu arbeiten. Außerdem gefällt mir der Spirit. Wir setzen auf Innovationen und Technologien und arbeiten dabei beispielsweise mit Start-ups zusammen.

          Wie ist das Bewerbungsgespräch abgelaufen?

          Das internationale Assessment findet in der Regel in einem Metro-Land statt und dauert einen Tag. Die Kandidaten kommen aus verschiedenen Ländern zusammen und lernen sich dort zum ersten Mal kennen. Es gab Gruppen- und Einzelübungen – und alles fand auf Englisch statt. Ohne Vorab-Briefing mussten wir Aufgaben unter Zeitdruck lösen. Es ging also darum, sich sehr schnell auf die neue Umgebung und die neuen Menschen einzustellen.

          Welche Positionen haben Sie seitdem durchlaufen?

          Ich bin derzeit noch im Traineeprogramm und habe keine feste Position. Die meisten Absolventen des Programms erreichen aber eine Führungsposition. Durch den direkten Kontakt zu den Länderchefs und zum Board haben wir von Anfang an die Möglichkeit, ein gutes Netzwerk aufzubauen. In unserer ersten Woche stellte sich uns zum Beispiel auch der Vorstandsvorsitzende vor. Außerdem bekommen wir aus dem Länder-Board auch einen Coach und Mentor an die Seite gestellt. Das ist wirklich super.

          Gibt es etwas, das Sie an Ihrem Berufseinstieg überrascht hat?

          Womit ich – und ich denke, vielen Absolventen geht es ähnlich – klarkommen musste, ist zu erkennen, dass im Berufsleben niemand auf dich wartet. Man muss lernen, dass die Kollegen nicht jedes Mal, wenn du in eine neue Abteilung kommst, aus dem Häuschen sind. Oft ist auch noch nicht klar, wo genau Unterstützung gebraucht wird. Die Zeit ist beschränkt, und alle sind beschäftigt. Wer gesehen werden will, muss also proaktiv sein, auch mal etwa unaufgefordert tun oder seine Ideen in Diskussionen einbringen.

          Was würden Sie Studierenden, die eine Karriere im Handel anstreben, darüber hinaus raten?

          Gesundheit ist das Wichtigste, man sollte also nie den Sport aus den Augen verlieren und schon im Studium Arbeit und Privates vereinen. Außerdem sollte man niemals seinen eigenen Lebensstil oder seine Wünsche unterschätzen – denn das könnte schon morgen der nächste Trend im Handel werden.

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